25.05.2012 22:17 | Meine Presse Merkliste 0

Eine Strategieskizze gegen die Gefahr, dass Europa in Trübsal versinkt

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Wirtschaft floriert nur dann, wenn das Versprechen von etwas Neuem, von etwas nachhaltig Veränderndem, von etwas das Leben Umwälzendem eine Flut ungeahnter Bedürfnisse hervorruft.

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Quergeschrieben

Im Konsumrausch des Weihnachtsgeschäfts – vielleicht für lange Zeit die letzte Gelegenheit zum kleinen Luxus? – und in der scheinbaren Ruhe der nachfolgenden Tage bis zum Ende der ersten Woche des neuen Jahres will man nicht von der Krise und ihren Folgen belästigt werden. Denn rosig scheinen die Aussichten für 2012 nicht.

Beim Dezembergipfel der Regierungschefs der EU setzten diese allein auf das Festzurren der in Maastricht, Nizza und Lissabon eingespannten Seile: mehr Integration, Durchgriffsrechte Brüssels auf die Finanzen der Mitgliedstaaten, Drohung mit der Kuratel über Defizitsünder. Wenn der Staub sich einmal gelegt hat, meint der „Guardian“ düster, werde ein kaltes Europa entstanden sein, eine freudlose Union der Bestrafungen, Disziplin und brodelnden Ressentiments, geprägt von Jahrzehnten der Stagnation. Wie kann die Gegenstrategie lauten?

Es bedarf des großen Wurfs. Wirtschaft floriert nur dann, wenn das Versprechen von etwas Neuem, von etwas Attraktivem, von etwas nachhaltig Veränderndem, von etwas das Leben Umwälzendem eine Flut zuvor ungeahnter Bedürfnisse hervorruft. Denn allein neue Bedürfnisse treiben das Wachstum von Wirtschaft voran.

So hatte Kennedys Vision „We choose to go to the Moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“den enormen Aufschwung der Elektrotechnik und den Siegeszug der Informationsindustrie bewirkt – unabhängig davon, dass das vordringliche Ziel der Mondlandung eher beiläufig war. Worauf es ankam, war das Öffnen des Horizonts für eine Neugestaltung unseres Daseins.

Heute würde sich zum Beispiel die Mobilität als fruchtbares Feld dafür anbieten: So wie sie derzeit mit der seit Henry Ford praktizierten Spaltung in privaten und öffentlichen Verkehr abläuft, wirkt sie anachronistisch. Dass Milliarden Chinesen und Inder so wie wir mit den eigenen Karossen fahren und in Stau und Stress verharren werden, gerät zum Albtraum.

Pläne für zukunftsweisende Alternativen haben die einfallsreichen Ingenieure bereits in den Schubladen: Die Rechenleistung elektronischer Geräte zusammen mit Sensoren und Übertragungen von elektronischen zu mechanischen Systemen würden es erlaubten, die Zukunft des Verkehrs total umzustülpen. Er wäre stressfrei, unfallfrei, optimal fließend; Verkehrsadern in der Landschaft, Verkehrsflächen in den Städten änderten ihr Gesicht, die Trennung von Straße und Schiene löste sich auf, die Lenkung eines automatisierten Verkehrs würde völlig neue Arbeitsfelder schaffen.

Es ist klar, dass eine derart einschneidende Umgestaltung des Verkehrs ein einzelner europäischer Staat allein niemals schultern könnte. Ein Kontinent wie Europa hingegen schon. Er würde damit ein Zeichen setzen, das für andere kontinentale Mächte Vorbild und Ansporn zur Nachahmung wäre. Denn diese Umgestaltung würde eines riesigen, aber produktiven Investitionsschubs bedürfen, zugleich ein gewaltiges Maß an Überzeugungsarbeit und an Bereitschaft und Zuversicht, ein Ziel anzustreben, dass erst in Jahrzehnten umfassend erreicht wird.

Ein großer Wurf wie der hier genannte verlangt Mut. Sind die Politiker in der EU dazu bereit? Und noch gewagter gefragt: Wird die Initiative dazu im Jahre 2012 von österreichischen Politikern gesetzt werden?


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2011)

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7 Kommentare
Gast: Vogel Strauss
01.01.2012 16:40
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Initiativen? Von unserer Regierung?

Da lachen doch die Hühner! Europas Politiker schmoren im eigenen Saft und schwindeln von einem Wahltermin zum nächsten, immer in der Hoffnung, noch ein wenig am Futtertrog verweilen zu dürfen. Von denen kommt weder Initiative noch Kreativität.

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200 freigestellte Betriebsräte der ÖBB

arbeiten lieber hart am Erhalt von zukunftszerstörenden Privilegien als an einer modernen Bahn !

Fortschritt ist in Österreich noch immer die Verhinderung jeder gerechten Reform.

Ob Verwaltung (Dänemark hat seit 2007 als Mindestverwaltungsgrösse 50000 Einwohner),

nachhaltiges Pensionssystem (Schweden hat ECHTES UMLAGEVERFAHREN)

oder einfaches, faires, durchschaubares Steuersystem a la Schweiz.

Wir wählen um zu verhindern !

Nach 40 Jahren Umverteilungsgehirnwäsche wird höchstens die Bundeshymne "gegendert".

Antworten Gast: Vogel Strauss
01.01.2012 20:16
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Re: 200 freigestellte Betriebsräte der ÖBB

Genauso dieses lächerliche Gesudere wegen der Ladenöffnungszeiten - einfach erbärmlich, was da sowohl WK als auch Gewerkschaften bieten!

Gast: Machmuss Verschiebnix
30.12.2011 11:27
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Unglaublich aber wahr,

die Ingeneure bei Daimler-Benz in Stuttgart lassen ihre Testautos
bereits ohne Piloten über die Strecke flitzen:

http://www.pressemitteilungen-online.de/index.php/neue-pruefmethodik-mercedes-benz-autopiloten-am-steuer/

Wow - da hätte ich beinahe einen Entwicklungs-Schritt verschlafen.

Obwohl Rechner-Leistungen seit den Anfängen solcher Autopilot-Versuche
mehrfach potenziert wurden, ist die Summe von Berechnungen, die nötig
ist um ein Fahrzeug durch den Verkehr zu manövrieren schon bei langsamer
Fahrt so umfangreich UND zeitkritisch, daß mit herkömmlicher "Rechnerei"
nicht zurande zu kommen war. Der Durchbruch kam offenbar mit Fuzzy-Logik
Algorithmen.

Aber viel größere Hürden gilt es noch zu nehmen:
Es gibt im Verkehrs-Recht kein Auto ohne Fahrer !!
Wer wäre bei einem Unfall schuld ?
Wer würde so ein Auto versichern ?

Gast: dirge
29.12.2011 19:48
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einen großen wurf

bringt die bildungsministerin mit der nms gerade auf den weg.
die rückkehr des abteilungsunterrichts aus den 50-er jahren wird wiedereingeführt, um uns im 21. jhdt. fit zu halten. haha.

Antworten Gast: na ja
30.12.2011 15:40
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Re: einen großen wurf

vin dieser Ministerin ist nichts anderes zu erwarten! Trauriges Österreich!

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hahaha!

sie wollen am eingefahrenen verkehrssystem etwas ändern? noch dazu 'von oben herab'?

lesen sie mal die beiträge der poster/autofahrer zum thema rettungsgasse!

einen menschen zum mond und gesund wieder zurück zu bringen war ein kinderspiel im vergleich zu einer änderung des hier nötigen BEWUSSTSEINS der menschen!

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