25.05.2012 12:03 | Meine Presse Merkliste 0

Distanzen und knappe Zeitspannen schotten uns im Universum ab

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Die Suche nach Außerirdischen ist aussichtslos. Sie verlockt nur dazu, den Blick von der Erde und von all den auf ihr bestehenden Problemen abzuwenden.

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Anfang Februar tickte die Meldung über die Agenturen: Ein internationales Forscherteam hat einen potenziell bewohnbaren Planeten in einer Entfernung von etwa 22 Lichtjahren, also einem vergleichsweise nahen Sonnensystem, aufgespürt. Der Planet kreist dort um einen Zwergstern in der richtigen Entfernung für flüssiges Wasser, wie in den „Astrophysical Journal Letters“ zu lesen war. „Dieser Planet ist der neue beste Kandidat für Bedingungen, die flüssiges Wasser und vielleicht Leben erlauben, wie wir es kennen“, erläuterte Guillem Anglada-Escudé in einer Mitteilung.

Meldungen wie diese nähren die Fantasie, man könne die Entdeckungsreisen der Menschheit fortsetzen: nun nicht mehr zu fremden Kontinenten auf unserer Erde, sondern zu fernen Planeten unserer Milchstraße. Bei nüchterner Betrachtung stellt sich heraus, dass die zu überwindenden Entfernungen – mit einigen Lichtjahren wird man sicher rechnen müssen – zu unzumutbar langen Reisedauern führen. In absehbarer Zeit wird wohl keines Menschen Fuß einen Planeten eines fremden Sonnensystems betreten. Selbst die Reise zum im Verhältnis dazu unmittelbar benachbarten Planeten Mars unseres eigenen Sonnensystems ist noch ferne Zukunftsmusik. Und wohnlich ist es auf dem Mars sicher nicht.

Als Gegenentwurf zu Weltenreisen wird von vielen ins Spiel gebracht, dass man mit den Außerirdischen in Funkkontakt treten könne. Bei hundert Milliarden Sternen pro Galaxie und hundert Milliarden Galaxien im bisher sichtbaren Universum und angesichts der Tatsache, dass viele Sterne von Planeten umrundet werden, scheint es fast zwingend, dass das All von intelligentem Leben erfüllt ist. Allerdings ist auch hier Skepsis angebracht: Es könnten außerordentlich rare Ereignisse notwendig sein, die zu fühlen und zu denken begabte Wesen zu entstehen erlauben. Zum Beispiel: dass Erde und Mond einen Doppelplaneten bilden. Dass aus völlig ungeklärter und vielleicht extrem seltener Ursache neben dem pflanzlichen Leben das tierische entstand. Dass ein Asteroideneinschlag zur rechten Zeit die tumben Saurier aussterben ließ und die Säugetiere die Erde erschlossen. Wenn die Existenz intelligenter Wesen von solch außerordentlich sporadischen Begebenheiten abhängt, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, in einem Umkreis von 100 Lichtjahren mit Extraterrestrischen Kontakt aufzunehmen – viel weiter würde die Kommunikation doch sehr eintönig – auf praktisch null. Zusätzlich muss man in Rechnung stellen, dass die Ära der Schriftkultur auf der Erde keine 10.000 Jahre währte, was im Vergleich zu den Milliarden Jahren, in denen das Sonnensystem existiert, fast ein zeitliches Nichts bedeutet. Dass während einer extrem kurzen Zeitspanne innerhalb eines relativ kleinen Bereichs der Milchstraße zwei mit intelligenten Wesen bevölkerte Welteninseln parallel existieren und dass eine dieser Welteninseln just unser Blauer Planet ist, erweist sich als so hochgradig unwahrscheinlich, dass man auf die Versuche verzichten sollte, mit Außerirdischen zu kommunizieren.

Ich befürchte, diese schale Sicht der Dinge verstört. Nicht deshalb, weil man sich den Blick zu den Sternen bewahren möchte. Dieser bleibt davon unberührt. Sondern deshalb, weil die Illusion der Außerirdischen den Blick von der Erde und von all den auf ihr bestehenden Problemen abzuwenden hilft.


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Zum Autor:

Rudolf Taschner
ist Mathematiker und Betreiber des math.space im
quartier 21, Museumsquartier Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)

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9 Kommentare
Gast: Free
15.02.2012 16:05
0 0

Wären Forscher solche Typen wie der Schreiberling würden wir noch im Glauben die Erde ist eine Scheibe verharrren........

Und zum Physikunterricht -- was ich damals gelernt habe ist heute vieles obsolet.....

Dr.Schwejk
09.02.2012 17:20
4 0

Der Kommentar ist Nachhilfe für alle, die in der Schule im Physikunterricht nicht aufgepasst haben


Gast: Ungläubiger Thomas
09.02.2012 14:52
2 0

Kosmische Visionen

Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass einige Leute an UFOs und Marsmännchen glauben.
Und vielleicht brauchen ja auch einige die Vision, dass es irgendwo im Weltall ein „besseres Leben“ und „höhere Wesen“ gibt. Problematisch wird es nur wenn unsere Steuergelder dafür verschwendet werden.

Gast: Wissender
09.02.2012 09:15
2 0

Ihre Aussagen sind zwar korrekt...

allerdings braucht die Menschheit - gerade in der heutigen Zeit, in der alles nur nach ihrem Barwert beurteilt wird - auch Träume und Visionen, um sich weiterentwickeln zukönnen. Wäre in alten Zeiten gesagt worden "Warum sollen wir versuchen den Ozean zu überqueren, es gibt doch genug Probleme hier bei uns (krasses Beispiel, habe ich aber der Deutlichkeit wegen gewählt), wären viele Erfindungen und Fortschritte der Menschheit gar nicht oder erst viel später gemacht worden.
Aus diesem Grund binich unumwunden für Grundlagenforschung (denn gemäß Ihren Thesen müsste solche sofort eingestellt werden) und den BLick und drang zu den Sternen, auch wenn Sie und auch ich die Ergebnisse und Erfüllungen dieser Visionen wohl nicht mehr erleben werden.

Antworten artemis70
09.02.2012 11:03
2 0

Re: Ihre Aussagen sind zwar korrekt...

ist die suche nach außerirdischen überhaupt grundlagenforschung? ich bin nicht so sicher.

1 0

Re: Ihre Aussagen sind zwar korrekt...

Ich glaube, Sie überinterpretieren Herrn Taschner. Welche seine Thesen richten sich gegen Grundlagenforschung? Und wo spricht er sich gegen Visionen aus?
Erst vor kurzem hat er (ich glaube, an anderer Stelle, nämlich auf ServusTV) eine große Vision gefordert, beispielsweise ein komplett neues Verkehrssystem, die die Wirtschaftsdepression überwindet.

1 0

Nicht nur das

Nicht nur, daß es höchst unwahrscheinlich ist, intelligentes Leben außerhalb der Erde zu finden, halte ich es auch nicht für wünschenswert.

Denn was soll man mit denen kommunnizieren? Entweder sind sie uns geistig unterlegen, dann werden sie uns kaum hören können. Oder sie sind uns überlegen, dann werden sie uns kaum als gleichberechtigte Gesprächspartner akzeptieren. Da haben wir eher Chancen, ihre Haustiere zu werden.
In beiden Fällen ist es nicht sinnvoll, Kontakt aufzunehmen.

Antworten artemis70
09.02.2012 11:04
1 0

Re: Nicht nur das

es ist ja schon unwahrscheinlich, auf der erde intelligentes leben zu finden! wünschenswert ist es auf jeden fall.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
09.02.2012 09:17
0 0

Re: Nicht nur das

Beschreiben Sie nicht auch sehr irdische Probleme?

"Denn was soll man mit denen kommunizieren? Entweder sind sie uns geistig unterlegen, dann werden sie uns kaum hören können. Oder sie sind uns überlegen, dann werden sie uns kaum als gleichberechtigte Gesprächspartner akzeptieren. Da haben wir eher Chancen, ihre Haustiere zu werden"

Die Ö Regierung, die Aliens Österreichs?

Wurden die Österreicher die Haustier einer unterlegenen Spezies?

Ist es sinnvoll Kontakt aufzunehmen?

Vielleicht ist das Wunschdenken vieler Menschen, welches Hoffnung an außerirdische Kontakte knüpft, weil es sonst keinen Funken Hoffnung gibt?

Kann es sich um ein psychologisches Problem handeln?

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