20.06.2013 02:41 Merkliste 0

Nicht die Lehrergewerkschaft sorgte für die 31 Tage im Juli und im August

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Zum jüngsten Vorschlag von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: Am Rädchen der Dienstzeit für Lehrerinnen und Lehrer zu drehen und alles andere so zu belassen, wie es ist, bringt Schule nicht voran.

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Es ist ein böses Gerücht: Die Lehrergewerkschaft sei dafür verantwortlich, dass beide Ferienmonate Juli und August 31 Tage haben. Doch das Gerücht fußt auf der Unterstellung, die Lehrer seien auf möglichst viel Freizeit aus: Die schulfreien Tage zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten dauern länger als der übliche Urlaub zu dieser Zeit. Dazu kommen noch die neun Wochen Ferien im Sommer. Was für ein Schwelgen in Freizeit – so empfinden viele Außenstehende den Lehreralltag.

Darum ist die Gefahr groß, dass der Vorschlag von Landeshauptfrau Burgstaller nicht ohne heftigen Zuspruch auf der einen und nicht ohne helle Empörung auf der anderen Seite aufgenommen wird: Lehrer sollten künftig „fünf Wochen reinen Urlaub“ haben, wie „alle anderen auch“, so die Salzburger Politikerin, die kraft ihres Amtes auch die Präsidentin des Landesschulrates ihres Bundeslandes ist.

Bevor man sich in erhitzten Debatten über diesen Vorschlag ergeht, empfiehlt sich der Blick in die Vergangenheit: Wie ist es überhaupt zu dieser großzügigen Ferienregelung gekommen? Als zu Zeiten Maria Theresias die allgemeine Unterrichtspflicht an den Schulen eingeführt wurde, hatten die meisten Kinder im elterlichen Betrieb – sei es die Landwirtschaft, das Handwerk oder der Handel – mit Hand anzulegen und oft sehr mühevolle Arbeit zu leisten.

Schule wurde von einer Vielzahl der Eltern damals als Störfaktor empfunden. Denn die Abwesenheit der Kinder in der Schule bedeutete einen Verdienstverlust. Daher die einstige Regel, dass Schule nur am Vormittag stattfinden solle. Und daher die schulfreie Zeit im Juli und August, denn es war die arbeitsintensive Zeit der Ernte.

All diese Beweggründe für Regelungen sind längst vergessen, aber die Regelungen selbst haben die Jahrhunderte überlebt. Änderungen im Schulgeschehen vollziehen sich – wenn sie überhaupt erfolgen – meist nur sehr zäh. Dafür ist man bei den Begründungen der althergebrachten „wohlerworbenen“ Rechte immer sehr listig, schlagfertig und erfinderisch: Die Kinder brauchen die großen Ferien zur Erholung vom mühsamen Lernen; die heißen Sommertage sind einem intensiven Unterricht in stickigen Klassenzimmern abträglich; die einem starren Rahmen folgenden Schulzeiten erlauben es den Lehrern nicht, ihren Urlaub flexibel zu planen, daher ist es nur gerecht, ihnen im Ausgleich dafür mehr Zeit zur Verfügung zu stellen. Die Zahl der Vorwände ist Legion.

Bestenfalls darf man Burgstallers Vorschlag als Anstoß zur Anpassung des Schulregelwerks an die Umstände des 21.Jahrhunderts betrachten, das sich doch erheblich von dem Maria Theresias unterscheidet. Eltern, die bloß fünf Wochen Urlaub haben, können nur unter erheblichem finanziellen Aufwand für ihre Kinder mit 14Wochen schulfreier Zeit sorgen. Doch diesem Problem mit der Ad-hoc-Lösung einer Mehrbelastung der Lehrkräfte zu begegnen ist ein unlauterer Ansatz. Man drehte bloß an einem Rädchen im System und beließe alles andere in der Schule, wie es ist – zum Unmut engagierter Lehrerinnen und Lehrer.

Nebenbei: Die 31 Tage für Juli und August entstanden so: Der Monat Juli ist nach Julius Caesar benannt. Sein Neffe Augustus, der dem darauffolgenden Monat seinen Namen gab, wollte auch 31 Tage haben und stahl dafür vom Februar einen Tag – darum ist dieser so kurz.

Zum Autor
Rudolf Taschner ist Mathematiker und Betreiber des math.space im quartier 21, Museumsquartier Wien.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)

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12 Kommentare
Gast: radius
07.05.2012 07:41
0 0

Danke für die Aufklärung.

Dummheit geht in diesem Lande über keine Kuhhaut mehr und beginnt bei Burgstaller und Dörfler. Populismus pur.

Guter und schlechter Populismus? Was ist an Taschlers Artikel nicht populistisch???


Schade: an Hand Ihrer Überschrift:

"...und alles andere so zu belassen, wie es ist, bringt Schule nicht voran." hatte ich mir mehr erwartet.

Denn in diesem Punkt sprechen Sie mir aus der Seele.

Ein von allen Seiten konsolidiertes Schulsystem gehört her.
Mit Wahlmöglichkeiten für Eltern und Kindern, mit verschiedenen Schultypen, die auf einander abgestimmt sind. Mit Förderungen sowohl am oberen, als auch am unteren Rand der Begabungen, mit sinnvollen Ganztagsangeboten ebenso wie mit der Möglichkeit halbtags in die Schule zu gehen, um die Nachmittage individuell gestaltet zu verbringen, mit einer Mitsprache der neuen Konzepte von Eltern, Lehrern und Theoretikern und und und
Dabei können dann auch die Nebenthemen abgesprochen werden, wie der Urlaub der Lehrer und andere, mit denen heute so fein polemisiert wird.

Aber danke für den letzten Absatz: das wusste ich nicht, und es mach mir Spaß.

Gast: Prof. Dipl.-Ing. Klaus Albrecht
05.05.2012 09:21
1 0

Die Lehrergewerkschaft erfand auch nicht die Energieferien!

2002 sagte in einem Interview der "Erfinder" der Energiewoche, der 1973 für deren Einführung zuständige Wirtschaftsminister Staribacher:
"Man kann sagen, das war der größte Schmäh, den der Staribacher je gesagt hat ... "
" ... Es ist nicht energiesparend, wenn jeder mit dem Auto wegfährt, aber es ist für die Kinder aus gesundheitlichen Gründen gut."

Fragt hier jemand nach dem "finanziellen" Aufwand der Eltern oder dem Druck gerade dann zugunsten der Tourismusbranche Ferien zu machen?

Gast: Senfdazugeber
03.05.2012 20:06
1 0

Denkfehler

Die Lehrer meiner Kinder nach den formal freien Tagen in den Ferien zu beurteilen halte ich für einen groben Denkfehler.
Mir wäre lieber es gibt eine Möglichkeit, Lehrer für tolles Engagement und Einsatz zu belohnen, und solchen die das nicht zeigen einen Job abseits meiner bzw. unserer Kinder zu verschaffen.
Vielleicht findet dann auch unqualifiziertes Niedermachen, das vor allem die Engagierten trifft (einige ignorieren nicht nur ihren Job sondern auch erfolgreich die darüber verbreiteten Kommentare) ein brauchbares Ende.

Gast: Ceterum
03.05.2012 11:37
0 2

Si tacuisses, ...

... philosophus mansisses, Herr Lehrer T.

Engagierte Lehrer

Es wäre interessant zu erfahren, ob der Ansturm "engagierter Lehrer" auch dann noch so groß wäre, wenn diese - wie jeder andere Angestellte- 40 Stunden arbeiten und mit 5 Urlaubswochen auskommen müssten. Selbst Fortbildungskurse, selbstverständlich nur dann, wenn sie vom Arbeitgeber (Schule) bezahlt werden, werden ja während der Schulzeit und nicht etwa in den reichlich vorhandenen Ferien durchgeführt. Von den Unis, wo nochmals einige Wochen an Freizeit dazukommen, gar nicht zu reden.

Antworten Gast: Gast2
06.05.2012 17:06
0 0

Re: Engagierte Lehrer

"Von den Unis, wo nochmals einige Wochen an Freizeit dazukommen, gar nicht zu reden."

Was soll denn das heissen?!?

In der sogenannten "Lehrveranstaltungsfreien Zeit" wird an den Unis weiter wissenschaftlich gearbeitet. Universitätspersonal hat genauso eine h-Stunden-Woche und Urlaubsregelung wie jeder andere auch! Überstunden werden nicht abgegolten - sie dürfen einfach nicht mehr geschrieben werden (geschehen aber trotzdem, weil man sich sonst gleich als Wissenschaftler verabschieden kann).

Lehrer können zumindest real eine Festanstellung erhalten. Unipersonal nach den derzeit gültigen Verträgen so gut wie nie, weil für feste Stellen das Geld fehlt.

0 5

Jetzt weiß ich es es: Der Herr Professor ist katholischer Lehrergewerkschafter


Wieso eigentlich vom Februar?

Die Geschichte mit Augustus ist ja recht nett.

Allerdings hätte demzufolge der Februar schon davor nur 29 (anstatt der "systemkonformen" 30) Tage gehabt... Wer hat ihm den anderen Tag genommen?

Re: Wieso eigentlich vom Februar?

Man sieht, Sie hatten zu viele freie Tage oder die Lehrer zu viel Urlaub, so dass keine Zeit blieb, Ihnen das in Ihrer Schulzeit zu erklären ... Spaß?!

Antworten Gast: Zemanek
04.05.2012 07:24
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Re: Wieso eigentlich vom Februar?

Der Februar war der letzte Monat im alten römischen Kalender. (In ihm begann das Jahr im Frühling mit März. Daher auch die Namen September, Oktober, November und Dezember.) Beim Schaltjahr mit 366 Tagen kann man 6 der 12 Monate mit 31 und die anderen dazwischenliegenden 6 Monate mit 30 Tagen versehen. Im Schaltjahr hatte also bei Caesar der Februar 30 Tage. Im Gemeinjahr mit 365 Tagen zwickte Caesar vom einst letzten Monat des alten römischen Kalenders einen Tag weg.

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