Es ist ein böses Gerücht: Die Lehrergewerkschaft sei dafür verantwortlich, dass beide Ferienmonate Juli und August 31 Tage haben. Doch das Gerücht fußt auf der Unterstellung, die Lehrer seien auf möglichst viel Freizeit aus: Die schulfreien Tage zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten dauern länger als der übliche Urlaub zu dieser Zeit. Dazu kommen noch die neun Wochen Ferien im Sommer. Was für ein Schwelgen in Freizeit – so empfinden viele Außenstehende den Lehreralltag.
Darum ist die Gefahr groß, dass der Vorschlag von Landeshauptfrau Burgstaller nicht ohne heftigen Zuspruch auf der einen und nicht ohne helle Empörung auf der anderen Seite aufgenommen wird: Lehrer sollten künftig „fünf Wochen reinen Urlaub“ haben, wie „alle anderen auch“, so die Salzburger Politikerin, die kraft ihres Amtes auch die Präsidentin des Landesschulrates ihres Bundeslandes ist.
Bevor man sich in erhitzten Debatten über diesen Vorschlag ergeht, empfiehlt sich der Blick in die Vergangenheit: Wie ist es überhaupt zu dieser großzügigen Ferienregelung gekommen? Als zu Zeiten Maria Theresias die allgemeine Unterrichtspflicht an den Schulen eingeführt wurde, hatten die meisten Kinder im elterlichen Betrieb – sei es die Landwirtschaft, das Handwerk oder der Handel – mit Hand anzulegen und oft sehr mühevolle Arbeit zu leisten.
Schule wurde von einer Vielzahl der Eltern damals als Störfaktor empfunden. Denn die Abwesenheit der Kinder in der Schule bedeutete einen Verdienstverlust. Daher die einstige Regel, dass Schule nur am Vormittag stattfinden solle. Und daher die schulfreie Zeit im Juli und August, denn es war die arbeitsintensive Zeit der Ernte.
All diese Beweggründe für Regelungen sind längst vergessen, aber die Regelungen selbst haben die Jahrhunderte überlebt. Änderungen im Schulgeschehen vollziehen sich – wenn sie überhaupt erfolgen – meist nur sehr zäh. Dafür ist man bei den Begründungen der althergebrachten „wohlerworbenen“ Rechte immer sehr listig, schlagfertig und erfinderisch: Die Kinder brauchen die großen Ferien zur Erholung vom mühsamen Lernen; die heißen Sommertage sind einem intensiven Unterricht in stickigen Klassenzimmern abträglich; die einem starren Rahmen folgenden Schulzeiten erlauben es den Lehrern nicht, ihren Urlaub flexibel zu planen, daher ist es nur gerecht, ihnen im Ausgleich dafür mehr Zeit zur Verfügung zu stellen. Die Zahl der Vorwände ist Legion.
Bestenfalls darf man Burgstallers Vorschlag als Anstoß zur Anpassung des Schulregelwerks an die Umstände des 21.Jahrhunderts betrachten, das sich doch erheblich von dem Maria Theresias unterscheidet. Eltern, die bloß fünf Wochen Urlaub haben, können nur unter erheblichem finanziellen Aufwand für ihre Kinder mit 14Wochen schulfreier Zeit sorgen. Doch diesem Problem mit der Ad-hoc-Lösung einer Mehrbelastung der Lehrkräfte zu begegnen ist ein unlauterer Ansatz. Man drehte bloß an einem Rädchen im System und beließe alles andere in der Schule, wie es ist – zum Unmut engagierter Lehrerinnen und Lehrer.
Nebenbei: Die 31 Tage für Juli und August entstanden so: Der Monat Juli ist nach Julius Caesar benannt. Sein Neffe Augustus, der dem darauffolgenden Monat seinen Namen gab, wollte auch 31 Tage haben und stahl dafür vom Februar einen Tag – darum ist dieser so kurz.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)















