Ich bin bereit“, vernahm man als engagierte Antwort von Unterrichtsministerin Claudia Schmied im kürzlich geführten Gespräch mit Lisa Nimmervoll auf deren Frage, ob sie gewillt sei, über die Legislaturperiode hinaus ihr Ressort zu führen.
Der Ministerin ist zu ihrem Willen zu gratulieren und ihr Erfolg im Einsatz für Änderungen in der Schule zum Guten zu wünschen. Sie hält derzeit in der Tat ein vielversprechendes Blatt in der Hand, zumal sie die richtige Entscheidung traf, den Beginn der zentralen Matura zu verschieben.
Diese guten Karten kann sie dann am besten ausspielen, wenn sie die Zäsur für einen großen Wurf nützt: Nicht nur die Matura, das Prüfen und Benoten überhaupt verdienen umgestaltet zu werden: Die Idee der „Standards“ verdeutlicht es: Sie dienen dazu, dass die jungen Leute Sachverstand und Befugnisse erwerben, mit denen sie sich Karrieren, Existenz – kurz: Zukunft – schaffen. Das kann man altersgemäß sowohl bei Zehnjährigen wie auch bei Vierzehnjährigen und schließlich bei Sechzehnjährigen abprüfen.
Die Fragen werden zentral gestellt, die Antworten zentral ausgewertet – wie in Frankreich. Wichtig ist, dass man sich auf das wirklich basale Wissen, auf die grundlegenden Fertigkeiten beschränkt: Vierzehnjährige sollten zum Beispiel in Mathematik Brüche nicht nach der Regel „Zähler plus Zähler und Nenner plus Nenner“ addieren, sie sollen einen Preis um einen Prozentsatz erhöhen können und Ähnliches mehr, nicht aber brauchen sie mathematisch zu „argumentieren“. PISA-ähnliche Aufgaben, etwas verbessert – ich hatte dies knapp vor der Durchführung des letzten Tests detailliert an anderer Stelle erläutert –, sind dafür kein schlechter Maßstab.
Zentrale Aufgabenstellung und zentrale Korrektur schalten Willkür bei der Notengebung aus, die da und dort immer noch vorkommen soll. Es gibt sie noch: Lehrer, die in der Klasse wegen fachlicher oder pädagogischer Schwäche hilflos agieren und in der Note das letzte Machtmittel erblicken.
Wobei sie nicht ahnen, was sie bei Kindern damit anrichten, vor allem bei jenen – eine Ungerechtigkeit sondergleichen –, deren Mütter oder Väter keine Zeit oder keine Kraft haben, sich zu beschweren. Bei zentralen Tests ist Benotung nur anregendes Beiwerk, nicht mehr. Wie bei einer Fahrprüfung gilt es zu bestehen. Und das sollte bei fast allen im ersten Anlauf gelingen.
Doch das ist nur der eine, zwar notwendige, aber keinesfalls wichtigste Teil von Schule. Die Standards sind gleichsam die Pflicht, auf welche die weitaus wesentlichere Kür folgt. Eine Kür, bei der im Unterricht Interesse, ja Begeisterung für das Fach der alles bestimmende Antrieb ist, nicht das öde Abspulen eines von Novellen ad nauseam traktierten Lehrplans.
Es ist klar, dass sowohl Engagement als auch Verständnis von Schülerinnen und Schülern vonnöten sind, man wird diese auch von Zeit zu Zeit bewerten – aber all das ergibt sich aus der Natur der Sache. Ein weiterer Vorteil: Jede Schule, sei sie Volks-, Mittelschule oder Gymnasium, kann sich in der Auswahl und Gestaltung der angebotenen Fächer profilieren.
Und das Beste ist: Die von Ideologie seit Jahrzehnten überfrachtete Schuldebatte sowie das lukrative Luftgeschäft, das sich manche der „Experten“ für Schule und Bildung als Sinekure schufen, werden endlich das, was sie längst sind: überflüssig.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)















