22.05.2013 17:29 Merkliste 0

Irgendwann ist das Auto nur noch zum Anschauen da...

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

...und für die Fortbewegung von A nach B werden wir andere, nützlichere Fahrzeuge brauchen. Öffentliche Verkehrsmittel zum Beispiel. Doch diesbezüglich ist es dann doch seltsam still.

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Was ist ein Auto? Es ist mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es ist ein großes Versprechen. Steig ein, drück aufs Pedal – und tu, was du willst. Du kannst rechts fahren oder links, wie du grade Lust hast, nichts hält dich auf, nichts schränkt dich ein. Kein Fahrplan, kein Ticketkauf, kein demütigendes Warten auf den Anschlusszug. Im Auto bist du Herr über dein Schicksal, wählst dein Ziel, und wo immer ein Weg ist, kannst du fahren. Das Auto sagt: „Nimm mich, kauf mich, und du bist frei.“

Selbstverständlich sind das alles Lügen. Wer je in einem Auto gesessen ist, weiß, dass es mit der Freiheit dort nicht weit her ist. Vorn und hinten wird sie von Stoßstangen begrenzt, rechts und links von Sperrlinien, rundherum von Verkehrszeichen, vorn ist ein Rotlicht, hinten ein Idiot. Ökonomisch reicht die Freiheit nur, so weit der Sprit einen trägt. Zeitlich reicht sie nur, solange die Kinder nicht quengeln und das Pickerl gilt. Und räumlich? Oje. Man kann halt leider nur hinfahren, wo man das Auto auch abstellen kann. Wo es nicht zu gefährlich ist (Autodiebe!) und nicht zu teuer (Tiefgaragen!), nicht zu voll (Strafmandat!) und nicht zu mühsam (Parkscheine!).

So gesehen taugt die Debatte ums Parkpickerl trefflich dazu, das gesamte Auto-Freiheit-Paradox auf den Punkt zu bringen. In Ottakring dürfen irgendwann nur noch Ottakringer Autos stehen, in Mariahilf nur noch Mariahilfer Autos, und in Perchtoldsdorf nur noch Perchtoldsdorfer Autos (zumindest, wenn es nach Madeleine Petrovic und den niederösterreichischen Grünen geht). Zu Ende gedacht heißt das: Das Auto bleibt, wo es ist. Vor der eigenen Haustür, in der eigenen Garage. Man geht es jeden Tag besuchen, schaut nach, ob es noch da ist und ob es etwas braucht. Man putzt die Scheiben, poliert die Radkappen. Füllt Öl nach. Kontrolliert die Kontrolllämpchen. Saugt die Fußmatten. Drückt verstohlen auf die Hupe. Freut sich am Geruch, am Material, an der Metallicfarbe. Greift alles an. Redet darüber – über die Leasingraten, die fetten Bässe und das ABS, und zeigt dem Nachbarn stolz die neu erworbenen Extras.

Ab und zu fährt man eventuell sogar eine Runde. Entweder in die Stadt oder – wenn es dann eine Citymaut gibt – nur um den Häuserblock. Ohne auszusteigen, selbstverständlich, denn es ging ja bloß ums Fahren. Dann stellt man das Auto wieder dort ab, wo es hingehört: daheim. Und es ist endlich auf das reduziert, was vielleicht immer schon seinen Wesenskern ausgemacht hat: Lustobjekt, Spielzeug, Freund, Fetisch oder Statussymbol zu sein. Bloß kein nützliches Fahrzeug.

Womit nur eine nicht ganz unwichtige Frage offenbleibt: Wenn das Auto Menschen nicht mehr von A nach B bringen kann, vom Wiener Umland in die Stadt, von der Wohnung in die Arbeit, von der Arbeit ins Geschäft, in den Kegelklub und von dort weiter zu Tante Berta – welches Fahrzeug nehmen wir denn dann?

Das wäre der Moment, in dem alle, die nüchtern denken können, eigentlich über den öffentlichen Verkehr im Wiener Umland reden müssten. Über pünktliche Schnellbahnen, leistungsfähige Straßenbahnen, dicht getaktete Busse, überregionale Anschlüsse, ein engmaschiges Netz von Sammeltaxis in die hintersten Winkel des Landes, rund um die Uhr, und über ein einfaches und übersichtliches Tarifsystem. Alles, was es einem erleichtern würde, ohne Auto frei zu sein. – Seltsam, wie still es zu diesem Thema ist.


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Sibylle Hamann ist Journalistin in Wien. Ihre Website: www.sibyllehamann.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2012)

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15 Kommentare
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Freiheit, die ich meine

Diese Argumentation erfolgt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Wienerin, die offensichtlich innerhalb des Gürtels wohnt. Ich empfehle Frau Hamann folgende Experimente:

1. Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Gramatneusiedl nach Rohr im Gebirge und zurück.

2. Den Transport eines Halbjahresvorrats von Salz für den Wasserenthärter vom Baumarkt nach Hause, und das ohne Auto. Viel Spaß mit den 25-kg-Säcken.

Wer das ausprobiert, weiß: ein Auto bietet reale und nicht nur metaphorische Freiheit.


Gast: Konservativer
30.07.2012 08:46
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Es gibt zwei Gruppen von Menschen: Jene, die öffentliche Verkehrsmittel befürworten und jene, die eine längere Strecke mit der deutschen Bahn gefahren sind.


Klar ist das die Idee des Parkpickerls,

gutheißen muß man dies trotzdem nicht.

Stattdessen wäre eine Diskussion angebracht, ob diese Entwicklung eigentlich der Wunsch der Mehrheit ist, oder ob eine laute Minderheit hier auf Umwegen ihre Gesellschaftsvorstellungen durchsetzen will.

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Das Geschwafel aus dem hamannschen Paralleluniversum

ist einfach nur unwürdig für DiePresse.

in der kleinen monadischen welt der fr. h.

mag das wohl stimmen.

aber als journalistin mit wohnung in der stadt hat sichs halt leicht reden.

1. hat sie wohl genug zeit, jeden tag einkaufen zu gehen, ich schaff das leider nur einmal die woche, und dann übersteigt die anzahl der sackerl meistens bei weitem die anzahl meiner hände.

2. ist der verzicht auf ein auto ein luxus, den man sich nur in einer großstadt leisten kann. kein seltenes beispiel für ländliche gebiete: der nächste bahnhof 5km entfernt, bus gibt es keinen. die bahn braucht für die strecke in die nächste stadt 45 min, mit dem auto ist man in 20 minuten da...die zeit fehlt dann, um sie z.b. mit den kindern zu verbringen. außerdem fährt der letzte zug um 19.00. echt blöd, wenn man schichtarbeitet.

3. haben nur wenige den luxus, von daheim arbeiten zu können. fahren sie einmal öffentlich vom 23. in den 21. ...

usw.


Antworten Gast: ovi
30.07.2012 08:35
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Re: aber geh' ...

... in der Welt von Fr. Hamann & Co gibt's doch keine Schichtarbeit, keine Nachtdienste, keine Wochendarbeiter, keine Bereitschaftsdienstler, keine Menschen, die außerhalb Wiens oder Graz' leben ...

... in dieser schönen Welt gibt's nur politikwissenschaftlich gebildete Sozialpädagogen die an Gender-Projekten im Frauenministerium betreffend die korrekte, antiheteronormative Ausdrucksweise in Bescheiden und Urteilen arbeiten ...

ein Hoch auf den Wohlstand in diesem Land, der es möglich macht, mit flachem Geschreibsel, wie diesem, Geld zu verdienen!

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Über den Tellerrand blicken

Ich frage mich was Frau Hamann mit diesem Statement erreichen möchte?!
Österreich ist größer als Wien!
Und ja, es mag auch Verkehrsprobleme in Salzburger od. Grazer Innenstädten etc. geben.
Im Rest Österreichs kommt man ohne Auto allerdings schlichtweg nicht aus.

Ich bin im Flachgau aufgewachsen, und jeder, wirklich jeder meines Jahrgangs war mit 17 darauf erpicht, möglichst schnell (zumindest) den B-Führerschein zu erlangen, um unabhängig sein zu können (soviel zum Thema Freiheit). Auch wenn das erste Auto kein Statussymbol od. ähnliches war.

Was bei den Auto-Verteuflern auch oft unberücksichtigt bleibt:
Einspurige Kraftfahrzeuge

Meinetwegen auch mit Elektro-Antrieb (woher auch immer der dafür notwendige saubere Strom bezogen wird).
Wenn man von wahnsinnigen städtischen Autofahrern mal absieht das ideale Fortbewungsmittel für die City.

PS: "More Powered Two-Wheelers would ease congestion"
ACEM (Association des Constructeurs Européens de Motocycles)
http://www.acem.eu/cms/det_pressreleases.php?det=1464

Antworten Gast: schlÄchter
26.07.2012 07:49
4 1

Re: Über den Tellerrand blicken

sg triple!
+
bei den praktisch durchwegs egozentrischen beiträgen von frau h. komme ich eigentlich zum schluss, dass ihr quergeschrieben meist wirklich nur mehr zum" anschauen" und nicht zum lesen oder gar auseinandersetzen da ist. (selbstverständlich meine subjektive auffassung).

mfg
s.

Gast: assinger
25.07.2012 22:03
5 1

FREIHEIT!

".... was vielleicht immer schon seinen Wesenskern ausgemacht hat: Lustobjekt, Spielzeug, Freund, Fetisch oder Statussymbol zu sein. Bloß kein nützliches Fahrzeug."
Es gibt philosophische Abhandlungen über "Das Wesen der Dinge"...!
Umso bezeichnender, das Fr. S. Hamann als moralinsaure Grüne, das Wesentlichste in Ihrer Aufzählung gar nicht erwähnt! Neben vielen praktischen und rationalen Eigenschaften die dem Automobil eigen sind, ist es zuvorderst - DAS SYMBOL - für die Erfüllung individueller Freiheit, durch die Ermöglichung von vermeintlich grenzenloser Mobilität! Und einzig deshalb ist diese Erfindung so erfolgreich wie sie ist, und wird es auch bleiben - solange sich nicht dieses widerliche grüne Gesellschaftsverständnis - geprägt von Freudlosigkeit, politischer Korrektheit und falsch verstandener Tugendhaftigkeit, als mehrheitsfähig erweist!
In Wien sind es gerade 12,4% die glauben, den Rest der Stadtbewohner auf ihren Pfad der Tugend führen zu müssen!
Fr. S. Hamann ist dabei nur ein kleines willfähriges nützliches Helferlein ....!

P.S.: Ich selbst bin zwar u. a. auch Autofahrer, aber ganz bestimmt kein Autofreak!

Gast: Vogel Strauss
25.07.2012 18:53
5 1

Es würde manchem Stadtmenschen mal ganz gut tun, ...

... aus der Stadt rauszukommen und ein wenig über den Gartenzaun zu schau'n! Österreich besteht nämlich nicht nur aus Wien samt Speckgürtel, sondern auch aus Tälern, Bergen, Wiesen und Feldern - das sog. 'Land', von Städtern gerne als Provinz bezeichnet. Dort gibt es weder U- noch Straßenbahn, oft keine Eisenbahn, da zu teuer, und der Autobus fährt nur 2x am Tag - während der Schulzeit. Da möchte ich dann Frau Hamann und Konsorten sehen, wie sie mit ihren Einkäufen mit dem Fahrrad die 15 km heimfahren - bergauf, bergab, bei Regen, Sturm und Schnee ...

Hier liegt die ansonsten von mir sehr geschätzte Frau Hamann

ziemlich daneben. Parkpickerl heisst ja wohl nicht, dass man das Auto sonst nirgends mehr abstellen darf. Mit dem Erwerb eines Kfz hat man ja nicht auch gleich 10-15 Quadratmeter öffentlichen Raumes erworben, auf dem das Fahrzeug dann auf alle Ewigkeit überall abgestellt werden kann. In anderen Ballungsräumen ist es völlig selbstverständlich, dass für das Parken bezahlt wird - in Tokyo muss man beispielsweise bereits vor dem Autokauf nachweisen, dass man auch einen entsprechenden Abstellplatz hat, und der ist, wenn nicht auf eigenem Grund und Bodern, nie gratis. Auch das Parken am Zielort ist es normalerweise nicht. Trotzdem wird in Tokyo mit dem Auto gefahren, nicht zu wenig, möchte man bei den ständig bis zum Verherskollaps überfüllten Straßen sagen. Und das, obwohl der öffentliche Verkehr in und um Tokyo extrem gut ausgebaut ist, sowohl was Zugferquenz als auch Pünktlichkeit betrifft. Wer fahren will, der zahlt auch dafür (nicht zu knapp), und das ist recht und billig.

die unendliche freiheit hinter dem steuer.

sie wird durch die realität, wie von hamann beschrieben eh eingegrenzt.

aber auf den metagedanken wird gern vergessen: die freiheit des einzelnen endet dort, wo er die freiheit anderer einschränkt!

und diese freiheit der anderen (in wien ist ca die hälfte der bewohner nicht-autofahrer!) wird ohne bedenken verletzt, denn die eigene bequemlichkeit und der eigene vorteil sind allemal wichtiger, als gesundheit und wohlergehen der anderen.

Re: die unendliche freiheit hinter dem steuer.

Also ist der Autofahrer in Wahrheit ein bequemes A****loch!

Immerhin möchte der Durchschnittsbürger, der nicht Auto fährt, gerne ohne Feinstaubbelastung Alkohol trinken, Zigaretten rauchen und vor dem Fernseher sitzen.

Aber die gesunden ca. 50% Einwohner, von denen Sie sprechen, sind hoffentlich auch fit genug, um:

>Bei Schnee und Regen mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren, wo sie dort dann verschitzt im Büro sitzen dürfen (ich erinnere mich gerade an meinen Lehrer, der immer mit dem Fahrrad in die Schule gekommen ist - ich habe mir dann abgewöhnt ihn um Hilfe zu fragen, weil ich ihn nicht drei Minuten neben mir riechen wollte).

>Wocheneinkäufe mit drei bis vier Einkaufstaschen halten zu können.

>täglich vom 3. Bezirk raus zum 22. in die Arbeit fahren zu können.

>im Hochsommer bei 36 Grad um 17 Uhr nachhause fahren zu können.

Was machen wir eigentlich mit der alten Gesellschaft? Oder sind die Alten eh wurscht? Wir könnten sie einfach in Heime sperren und den Ausgang verbieten!

Weg mit den Autos! Wer braucht sie noch?!

Re: Re: die unendliche freiheit hinter dem steuer.

das "bequeme a****loch" kommt von ihnen. ich bevorzuge rücksichtsloser groß-subventionsempfänger.

übrigens: ich wusste gar nicht, dass die staus und die parkplatznot entsteht, weil alle vom 3. in den 22. fahren.
weil alle das auto vollgepackt haben mit einkaufstaschen.
dass das ganze jahr über hitze oder schnee und regen das wetter bestimmen (als einspuriger, der das eigentlich merken müsste: es gibt im lauf des jahres ca 10 tage, an denen ich mein moped wetterbedingt nicht nützen kann).
ja, und all die stinker im büro....

aber ich weiss, dass es nichts schöneres gibt, als sich seine bequemlichkeit via ausreden schönzureden.

Re: Re: Re: die unendliche freiheit hinter dem steuer.

Es dürfte Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit entgangen sein, daß es in unserem Land gelegentlich im Winter schneien soll, kalt ist und auch Regen gar nicht so selten sein soll (und das mehr als 10 Tage). Und die Zahl der über 80 jährigen (deren es in Zukunft immer mehr geben wird) Radfahrer ist auch nicht im Steigen begriffen.
Übrigens: Warum verstinken Sie mit Ihrem Moped die Umwelt ? Marsch aufs Rad, das ist gesund und bequem !

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