25.05.2012 12:15 | Meine Presse Merkliste 0

Hans Moser, Karl Lueger, Jörg Haider

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

Ist Österreich ein Fürstentum? Fast schaut es so aus.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Er hat den Kindern immer zugewunken, wenn er an der Ecke vorbeigefahren ist. Manchmal ist er sogar stehengeblieben. „Er hat dem Buben die Hand geschüttelt und ihn nach seinem Schulerfolg gefragt“, sagt die Mutter von Marcel. „Danke, dass ich in deiner Nähe sein durfte“, „Danke, dass du mir einmal die Hand gereicht hast“, steht im Kondolenzbuch.

Er war da. Er war an fast jedem Ort seines Landes zumindest einmal, und sobald er seinen Fuß auf einen Flecken Erde gesetzt hatte, war dort alles fast schon wieder gut. Denn seine Gegenwart veränderte alles. „Er war für alle da, die Reichen und die Armen, die Schwachen und die Kranken“, erinnert sich einer. Zumindest war er für jene Armen, Schwachen und Kranken da, deren Abstammung ihm genehm war.

Er hat gut für uns gesorgt. Er hat uns immer Geschenke gebracht. Was wir haben, verdanken wir ihm. „Er hat uns die Familienbeihilfe gegeben und die Kindergärten“, sagt die Mutter von Marcel, „nur wegen ihm geht es Kärnten so gut.“ „Danke für all das Gute, das du mir hast zukommen lassen“, steht auf einem handgeschriebenen Zettel, „Danke für alles, was du für uns und unsere Familien geschaffen hast“, auf einem anderen.

Gut, dass es keine Steuern und kein Budget gab in seinem Land, sondern bloß eine große Schatulle. Die war gefüllt mit Geld und Edelsteinen aus seinem Privatvermögen und mit Benzin, das ihm seine Freunde aus dem Morgenland geschenkt hatten. Des Wohltäters Herz war zu groß, als dass er all diese Schätze für sich hätte behalten wollen. Deswegen hat er immer wieder in die Schatulle hineingegriffen und uns etwas in die Hand gedrückt, wenn wir was gebraucht haben.

Umso einsamer sind wir nun. Was sollen wir denn tun, jetzt, wo du uns allein gelassen hast, mit diesem Land, das dein Land war, diesem Hof, der dein Hof war, dieser Partei, die es nicht gäbe ohne dich, und diesem Leben, das irgendwie auch dir gehört? „Wir leben durch dich“, hat jemand auf ein Taferl geschrieben, „Du hast uns das Glück gegeben, beschützt zu sein“, steht auf einem anderen. „Die Sonne ist vom Himmel gefallen“, sagt dein Parteifreund. Und wenn das Licht erloschen ist, das allen den Weg gewiesen hat, ist es plötzlich finster und kalt.

Das ist nicht mehr die Geschichte von einem verantwortungslosen Autoraser, der Jörg Haider hieß. In dieser Geschichte geht es um Grundsätzlicheres. Um eine Herrschaftsform, in der sich Haider kaum von seinem Vorgänger Leopold Wagner unterschied und Kärnten nur in Nuancen von den anderen österreichischen Bundesländern, Wien mit seiner langen autoritären Geschichte inklusive.

„Der Doktor Lueger hat mir einmal die Hand gereicht“, sang Hans Moser in einem seiner schaurig-schönen Wienerlieder. „Er hat gesagt: Mein lieber Freund, mein braver Steuerträger/Ich fürchte nicht für diese Stadt/solang sie solche Bürger hat./Dann hat er mir die Hand gereicht, der Doktor Lueger.“ – Der Fürst gibt, der Fürst nimmt. Des Fürsten Pflicht sind Befehle und Lob, der Untertanen Pflicht sind Gehorsam und Dankbarkeit. Hans Moser hat ziemlich präzise beschrieben, wie das ist in Österreich.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

26 Kommentare
 
1 2
Gast: Gast
21.10.2008 14:17
0 0

...

"Aufgrund vieler pietätloser Postings ist die Kommentierfunktion für Beiträge zum Tod Haiders bis auf weiteres deaktiviert."

Hätte dieses Pamphlet von Ihnen, liebe Frau Hamann, nicht gleichermaßen unter das obige Kommentierungsverbot der Presse gehört?

Eine andere Auffassung könnte auch auf höherem Niveau vertreten werden. Leider beweisen Sie mit Ihren Kommentierungen regelmäßig, dass Sie dies nicht zustande bringen.

MfG

Gast: Gabriel
17.10.2008 10:05
0 0

Bitte !!

nihil nisi bene !

Gast: criticus
16.10.2008 22:04
0 0

Fr. Hamann ist keine ernstzunehmende Journalistin ...

Wäre Fr. Hamann eine ernstzunehmende Journalistin, würde sie sich mit dem Thema "Landesfürstentum" ernsthaft auseinandersetzen.
Ernstzunehmende Journalisten würden (wenn es ihnen ernst ist) dieses Thema aufgreifen und dagegen argumentieren. Sie würden einige der vielen Argumente aufgreifen und in ihren Artikeln verwenden.
Ernstzunehmende Journalisten würden vielleicht den richtigen Zeitpunkt (Skandale, Defizite, Wahlkämpfe) abwarten, um sich dieses Themas anzunehmen, sie würden aber berücksichtigen, dass dieses Thema Teil unserer Art der Demokratie ist.
Ernstzunehmende Journalisten würden ein so ernstes Thema nicht dazu benutzen, um verstorbenen Politikern feige Schmähungen hinterher zu rufen.
Fr. Hamann, politisch können sie zum verunglückten Landeshauptmann von Kärnten stehen wie sie wollen. Wenn sie aber so deutlich ein Auge zudrücken müssen (Stichwort Wien), um vermeintliche Argumente aufs Papier bringen zu können, sollten sie das Schreiben lassen und Journalisten überlassen.

Gast: kritikus
16.10.2008 22:02
0 0

Fr. Hamann ist keine ernstzunehmende Journalistin ...

Wäre Fr. Hamann eine ernstzunehmende Journalistin, würde sie sich mit dem Thema "Landesfürstentum" ernsthaft auseinandersetzen.
Ernstzunehmende Journalisten würden (wenn es ihnen ernst ist) dieses Thema aufgreifen und dagegen argumentieren. Sie würden einige der vielen Argumente aufgreifen und in ihren Artikeln verwenden.
Ernstzunehmende Journalisten würden vielleicht den richtigen Zeitpunkt (Skandale, Defizite, Wahlkämpfe) abwarten, um sich dieses Themas anzunehmen, sie würden aber berücksichtigen, dass dieses Thema Teil unserer Art der Demokratie ist.
Ernstzunehmende Journalisten würden ein so ernstes Thema nicht dazu benutzen, um verstorbenen Politikern feige Schmähungen hinterher zu rufen.
Fr. Hamann, politisch können sie zum verunglückten Landeshauptmann von Kärnten stehen wie sie wollen. Wenn sie aber so deutlich ein Auge zudrücken müssen (Stichwort Wien), um vermeintliche Argumente aufs Papier bringen zu können, sollten sie das Schreiben lassen und Journalisten überlassen.

democrates
16.10.2008 17:38
0 0

Was soll diese personenspezifizierte Kritik am geltenden staatlich-verfassten Führerprinzip?


Die Verfasstheit der Habsburger-Monarchie und der beiden Republiken basierten bzw. basieren auf dem feudalen bzw. peudalen Herrschafts- und Führerprinzip (Fürstentumssystem: z.B. Kaiser u. HBPs).
Herr Dr. Haider hat, wie viele peudalen Politiker, exakt dieses geltende, peudale Verfassungsprinzip, in unverwechselbarer Art, intensiv gelebt und ausgefüllt.

Falls Sie Frau Hamann (bzw. der Souverän) aber ein völlig fürsten-, führer- und damit politiker-freies Staatsbetriebsführungsystem haben wollen bzw. haben müssen a), so habe ich hier in der "Die Presse" immer wieder auf die Ansätze und Grundlagen automationskomfortisierter, politischer Supereffizienzsysteme auf Basis politikerfreier Direktdemokratien hingewiesen.

a) z.b. aus Wettbewerbsgründen mit anderen hocheffizienten Herrschaftssystemen.

0 0

hm?

Was allerdings die wenigsten wissen, Hans Moser das Urwiener Original war in Wirklichkeit Sohn von einem zugezogenem französ. Steinmetz. Eigentlich hieß er ja Jean Juliet, gab sich aber den volkstümlichen Namen Moser, um dies zu kaschieren.
Mir persönlich fielen schon lange bevor ich dies wusste, die Ähnlichkeiten im Charakter mit Louis De Funes auf. Allerdings, dieses urfranzös. Original war auch wieder ein spanischer Graf (ich glaube, sein Eltern flohen vor Franco nach F)!!
So sehr können völk. Klischees trügen!

Journalistinnengrammatik

"Zugewunken" kommt von winken, wank, gewunken? Analog zu wünschen, wansch, gewunschen?

Gast: Gérard Wettstein
15.10.2008 21:16
0 0

Haider, der Kinderfreund

"Er hat den Kindern immer zugewunken, wenn er an der Ecke vorbeigefahren ist. Manchmal ist er sogar stehengeblieben". Ja, mag sein, dass er das getan hat. Das haben vor ihm nach 1933 bekanntlich auch andere getan, namentlich auch solche, die er wider besseres Wissen als charakterfeste Menschen bezeichnete. Eigenartig ist, dass die Umstände seines Todes, nämlich die sinnlose Raserei durch ein Dorf (und dies erst noch in einem Dienstwagen!), in den österreichischen Medien kaum thematisiert worden ist. Haider, der Kinderfreund, rast mit übersetzter Geschwindigkeit des Nachts durch ein Dorf und gefährdet damit willentlich auch andere Menschen. Der Mann muss, pardon, verrückt gewesen sein. Eigenartig und beängstigend ist, dass trotzdem Menschen, zynischerweise in Begleitung von Kindern, Schlange standen, um sich von einem Raser zu verabschieden. Auch die müssen, pardon, verrückt sein.

0 0

ACHTUNG: SATIRE

Stellt Euch einmal vor, Ihr wäret am 10 11er nachts müde über die Strasse in Lambach getorkelt und der Jörg hätte Euch nur abgeschossen!
Wie rettet er seinen Ruf?:
1. er verklagt Euch auf Übertretung der STVO
2. wäret Ihr durchs Fenster vom Phaeton geflogen, dann holt er Euch wegen mutwilliger Sachbeschädigung
3. hätte er Euch im Suf noch zusätzlich aus Wut seinen Jagdfeitel in den Rücken gerammt, dann wäret Ihr noch wegen illegalen Wafenbesitzes dran!

pennpatrik
15.10.2008 15:33
0 0

Niemand kann so schön und versteckt hassen ...

... wie die Gutmenschen.
Das sind die letzten, von denen ich abhängig sein möchte.

0 0

hm

hat ihnen herr haider was persönlich angetan oder wo kommt der hass auf einen verstorbenen her?

mfg
mc

Gast: gast
15.10.2008 13:08
0 0

Nach dem Mund geredet

Haider hat dem Volk nicht nur "aufs Maul geschaut". Das sollte jeder tun, damit er sich so ausdrücken kann, dass er verstanden wird. Haider hat dem Volk auch nach dem Mund geredet. Er hat jedem Publikum gegeben, was es wollte. Dass er sich damit dauernd selbst widersprach, war ihm egal. Aber die meisten Medien haben ihm das auch durchgehen lassen. Weil ihnen sein Unterhaltungswert für ihre Quoten wichtiger waren als der vieilzitierte, aber fast nie praktizierte kritische Journalismus.

Gast: seneca
15.10.2008 12:01
0 0

Der Rufmord...

... ist eben die wichtigste Disziplin der Linken. Er unterscheidet sich von der (sachlichen) Kritik dadurch, dass er die betreffende Person um jeden Preis vernichten will.

Antworten Gast: user
15.10.2008 12:55
0 0

Re: Der Rufmord...

Der Rufmord war Haiders beliebteste Form der Diffamierung. Man denke nur an Adamovich, Muzikant, etc.

Antworten Antworten pennpatrik
15.10.2008 15:36
0 0

Haider hat sich direkt und offen ...

... an den genannten gerieben.
Was bei Musikant besonderen Mut erfordert, das jedermann weiss mit welcher Brutalität sozial ausgegrenzt wird, wenn sich jemand an der IK reibt.
Meinen Respekt Herr Dr.Haider.
Die Linken machen das perfide (wie man auch in diesem Beitrag sieht). Daher: Hut auf! Frau Hamann.

Antworten Antworten Gast: userin
15.10.2008 13:54
0 0

Re: Re: Der Rufmord ...

Adamovic und Muzikant sind nicht tot und können sich gegen Rufmord entsprechend wehren. Haider wird auch tot noch diffamiert und die Betroffenheit seiner Angehörigen und Anhänger lächerlich gemacht.
Das ist "unterste Schublade".

Die Hamanns dieses Landes sollten sich hinter ihre Ohren schreiben:
Was Du nicht willst das man Dir tut das füg auch keinem andern zu!

Antworten Antworten Antworten Gast: user
15.10.2008 14:35
0 0

Re: Re: Re: Der Rufmord ...

Also solange jemand lebt darf man ihn lächerlich machen und verhöhnen. erst wenn man tot ist, dann kommt die menschlichkeit. schöne moral. darauf kann ich verzichten.

Antworten Antworten Antworten Antworten pennpatrik
15.10.2008 15:38
0 0

Was sind Sie für ein Mensch?

Selbstverständlich soll man sich auch nicht über jemanden lächerlich machen solang er lebt.
Es ist Ihre Sache, jemanden in Schutz zu nehmen, der einer Person nach dem Tod noch nachbeißt.
Verboten ist es ja nicht aber es lässt auf Ihren Charakter schließen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Peter Dackl
15.10.2008 15:28
0 0

@ den/die userdodel/in

Na, dann verzichte mal schön; who cares? Ausserdem hat sich Haider nur das Recht genommen, sich gegen die beiden zu verteidigen. Sollte er denn alle diese Idiotanschuligungen auf sich sitzen lassen?

Gast: Maria
15.10.2008 10:40
0 0

Seelischer Intelligenzmangel

Wie hier nicht anders zu erwarten ist, gehen die Diffamierungen des Feindbildes Jörg Haider nach seinem Tod weiter und das Lächerlichmachen seiner Wähler. Da gibt es keine Grenzen, kein einziges gutes Wort.
Jörg Haider haben viele Menschen nicht als "verantwortungslosen Raser" (wen hat er gefährdet außer sich selbst?) kennen gelernt, sondern als menschlich und verantwortungsvoll gegenüber seinen Wählern und deren Wünsche. Dieser Einsatz würde anderen Politikern hoch angerechnet werden, wurde aber bei Jörg Haider stets als "populistisch" verunglimpft.
Diese Art des (Auftrags-)Diffamierungs-Journalismus der keine Grenzen und keine Pietät kennt (siehe auch nach dem Tod von Liese Prokop), Gut von Böse nicht unterscheiden kann oder will, wie er in vielen -vor allem linken- Medien weit verbreitet ist, ist für viele Menschen und Wähler abstoßend und hat nichts mehr mit Provokation zu tun, sondern ist seelischer Intelligenzmangel und spricht Proleten an-siehe Anti-Haider-Forumsbeiträge.

Antworten Gast: gast
15.10.2008 12:33
0 0

Re: Seelischer Intelligenzmangel

Es muss wehtun, wenn das Idol doch nicht die Lichtgestalt ist, die man sich ersehnt.

Antworten Antworten Gast: Maria
15.10.2008 13:44
0 0

Re: Re: Seelischer Intelligenzmangel

Es geht nicht um Idole oder Lichgestalten sondern um Menschlichkeit und Respekt die man auch Politikern anderer Gesinnung und deren Angehörigen gönnen sollte.

Erschreckend sind Kommentare die sich über den Tod oder die Trauer von Menschen lustig machen und in einer angesehenen Zeitung wie der Presse Veröffentlichung finden. Kein Funken von Moral oder Anstand?
Sind wir schon so verroht?
Ein Armutszeugnis


Antworten Antworten Antworten Gast: gast
15.10.2008 14:38
0 0

Re: Re: Re: Seelischer Intelligenzmangel

Ich würde Ihnen empfehlen sich dem nächsten Populisten zuzuwenden. Üben sie schon einmal den "3-Bier-Gruß".

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Isaak Goldfisch
15.10.2008 21:06
0 0

Re: Re: Re: Re: Seelischer Intelligenzmangel

Was hat denn der "3-Bier-Gruß" mit dem Ableben eines megapoulären Landeshauptmanns zu tun? Ausser die letzten Zweifel an der eigenen Dummheit beseitigt zu bekommen, wenn man die linkdodeligen Propagandalügen von Straches politischen Widersachern weiter zu verzapfen versucht.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Hansi Hüpfer
15.10.2008 20:51
0 0

Re: Re: Re: Re: Seelischer Intelligenzmangel

Jetzt hast du die allerletzten Zweifel beseitigt ein Riesen-a...loch zu sein!

/Hansi H.

Gast: gast
15.10.2008 09:47
0 0

Danke

Danke für diesen Kommentar.

 
1 2

Mehr Quergeschrieben:

Top-News