25.05.2012 12:33 | Meine Presse Merkliste 0

Es nützt vielen, wenn Frauen früher in Pension gehen. . .

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

Bloß den Frauen selbst nützt es am allerwenigsten. Denn dass eine Frau früher in den Ruhestand treten darf als ein Mann, ist kein „Privileg“, sondern letztlich eine krasse Benachteiligung.

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Wem nützt es, dass eine Frau früher in Pension gehen darf als ein Mann? Es nützt, zum Beispiel, ihrem Arbeitgeber. Denn mit Erreichen des Pensionsalters erlischt der besondere Kündigungsschutz. Dann kann man eine weibliche Angestellte ganz einfach loswerden, egal, wie gern sie arbeitet, egal, wie gut sie arbeitet. Und Platz machen für jemand Jüngeren, der/die billiger ist.

Es nützt, zum Beispiel, ihren Arbeitskollegen. Stellen wir uns vor, ein männlicher und ein weiblicher Angestellter sind Mitte fünfzig. Da ist noch eine große Aufgabe, die im Betrieb erledigt werden muss, maßgeschneidert für eine/n Mitarbeiter/in mit reicher Erfahrung. Wer wird die übertragen bekommen? Die Frau eher nicht, denn „die geht ja eh bald in Pension“. Die darf ihre letzten Jahre noch still abdienen, während der Kollege zum letzten Karrieresprung ansetzt und sich eine letzte satte Gehaltserhöhung sichert (die sich direkt in seiner Pensionshöhe niederschlagen wird).

Es nützt, zum Beispiel, ihrem Ehemann. Insbesondere dann, wenn der ein paar Jahre älter ist als sie. Wie, um Himmels willen, soll der über die Runden kommen, als Pensionist allein zu Haus, während sie weiterhin jeden Tag ins Geschäft geht? Müsste der dann nicht einkaufen gehen, ihre Blusen in die Wäscherei bringen und Kekse backen? Nein, es ist schon ganz angenehm, wenn die Gattin mit dem Gatten gleich mitpensioniert wird, damit er vom plötzlichen Rollenwechsel nicht überfordert ist.

Es nützt, zum Beispiel, ihren erwerbstätigen Kindern und Schwiegerkindern. Selbstverständlich ist es praktisch, wenn man eine Oma hat, die jederzeit zum Babysitten zur Verfügung steht. Die mit Mitte fünfzig noch rüstig und fit ist, umfassend einsetzbar und keine eigenen Termine hat, auf die man Rücksicht nehmen müsste. Ein Anfruf genügt, schon ist sie da.

Es nützt, zum Beispiel, ihren ganz alten Eltern oder Schwiegereltern. Denn die 50- bis 65-jährigen Frauen leisten heute einen Großteil der häuslichen Pflege- und Betreuungsarbeit; unbezahlt, unbedankt, unsichtbar in der Öffentlichkeit. Doch wer soll sich um die bettlägrige Uroma kümmern, wenn die Gerti-Oma jeden Tag ins Büro muss? Die männlichen Familienmitglieder etwa? Der Staat? Die Gemeinde?

An letzteren beiden Beispielen erkennen wir: Ganz besonders viel nützt das niedrigere Frauenpensionsalter der öffentlichen Hand. Der Altruismus der Pensionistinnen erspart ihr viel Geld. Je mehr Zeit und Energie diese in soziale Aufgaben stecken, desto weniger Geriatriezentren, Krippen und Horte müssen gebaut, desto weniger Pflegerinnen müssen angestellt und desto weniger Kindergärtnerinnen ausgebildet werden.

Schließlich nützt es jenen, die alle tatsächlichen Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft schönreden wollen. Gehaltsschere, Diskriminierung am Arbeitsplatz, ungleiche Verteilung von familiären Pflichten, Doppelbelastung... „Doch, gibt es, zugegeben. Aber das ist schon irgendwie okay, denn zum Ausgleich für all das dürft ihr am Ende ja früher in die Pension, die Füße hochlegen, ins Kaffeehaus gehen, es euch gutgehen lassen. Während wir Männer uns, euch zuliebe, abrackern müssen bis zuletzt. Also beschwert euch nicht!“

Das niedrigere Pensionsalter sei ein Privileg für Frauen, heißt es. Bei näherer Betrachtung stellt man fest: Es ist ein Privileg für alle anderen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2011)

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37 Kommentare
 
1 2

Also

mein Verhältnis zu meinen Eltern war nicht immer rosig, aber dass Omas Unterstützung bei der Betreung der Kleinen 'unbedankt' wäre, kann ich auch nicht gerade sagen.

Soll man ihr das Mutterkreuz verleihen oder was braucht es für den Dank?

Gast: Relativist
10.12.2011 20:32
9 0

Unterm Strich

ist das niedrigere Pensionsalter ja doch ein Schnäppchen für die Frauen:
weil sie 5 Jahre weniger einzahlen als die Männer und ebendiese 5 Jahre + das statistisch nachgewiesene Lebensalter länger die Pension beziehen.
Ohne die Frauen wären die Pensionsversicherungsanstalten nicht im Minus, müsste der Staat nichts zuschiessen. Weil die Männer sterben eh rechtzeitig.

joquer
09.12.2011 15:11
5 2

Etwas Licht und viel mehr Schatten

Es ist ja erfreulich, dass Frau Hamann die Angleichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters befürwortet.
Allerdings finde ich die ewige Darstellung der Frau als Opfer ziemlich nervig. Außerdem ist es ungerecht den vielen Frauen gegenüber, die keine "armen Hascherln", sondern vielmehr Herren ihres eigenen Schicksals sind (insoweit man als Mensch Herr seines eigenen Schicksals sein kann) - die meisten Frauen, mit denen ich tagtäglich umgehe, sehen das übrigens ähnlich.
Ad Gehaltsschere:
ganz abgesehen von den vielen Faktoren, die zumindest in den Zusammenfassungen der Analysen unberücksichtigt bleiben (z.B. Berufsfelder, Ausbildung, Berufserfahrung, etc.), wäre es doch einmal interessant die Altersverteilung mit zu berücksichtigen - bei den Beamten drückt, wie ich gelernt habe, der relativ hohe Anteil junger männlicher Exekutivbeamter das Durchschnittsgehalt nach unten und sorgt damit dafür, dass Frauen in diesem Bereich ein höheres Durchschnittsgehalt aufweisen.
Wie es wohl aussähe, wenn der Anteil der Männer rausrechnen würde, die aufgrund des höheren Pensionsantrittsalters mehr verdienen?

Gast: gasteinius
08.12.2011 17:22
7 3

Abschaffung sofort (nein, nicht die Hamann, das niedrigere Frauenpensionsalter!)


"Das niedrigere Pensionsalter sei ein Privileg für Frauen, heißt es. Bei näherer Betrachtung stellt man fest: Es ist ein Privileg für alle anderen." Also sprach eine gewisse Sibylle Hamann.

No, wenn sogar eine hardcore-Emanze meint, das niedrige Pensionsalter der Frauen sei ungerecht:

ABSCHAFFUNG SOFORT!

periskop
08.12.2011 16:44
3 1

Natürlich nützt es vielen, wenn Frauen keine Lohnarbeit machen müssen! Am nützlichsten ist die Nur-Hausfrau!


5 12

Ausgezeichneter Kommentar !

Ein ganz ausgezeichneter Kommentar, klug, kundig, umsichtig, einsichtig, grundsatzfest - aber ganz und gar unkonventionell.

Doch so viel Originalität und Standfestigkeit hält man(n) (und übrigens auch frau, gerade viele Retro-Feministinnen und Ururalt-Linke) in Österreich offensichtlich einfach nicht aus.

Die untergriffige Vulgarität des üblichen Hamann-Bashing erschreckt mich immer wieder erneut: "noch schlimmer als das übliche beleidigte Emanzengesuder", "Gender- und Emanzenwahnsinn", "fordern, keifen, jammern, klagen, ... Die Welt der Hamann muss bizarr und trostlos sein" taugen nicht einmal als Häuselsprüche in Häfenpissoirs...

Dass die altehrwürdige, bürgerlich-liberale PRESSE solche Postings-Jauchengruben gegen eine Star-Kolumnistin überhaupt toleriert ist bemerkenswert.

Frau Hamann, ich bewundere Ihre Courage und Ihre feine Kljnge inmitten des sich entfesselnden Pöbels...

Bernd Marin
1010 Wien

Antworten artemis70
09.12.2011 22:44
2 7

Re: Ausgezeichneter Kommentar !

tja, lieber herr marin, jede zeitung hat offenbar die poster, die sie verdient.

grüße von eine langjährigen hamann-sympathisantin!

Antworten Arethas
09.12.2011 20:48
4 2

Re: Ausgezeichneter Kommentar !

Sie haben da einigen Erklärungsbedarf:

Was genau taugt denn als Häuselspruch in Häfenpissoirs?

Damit kenne ich mich, wiewohl stolzer Angehöriger des sich à la Houdini gerierenden Pöbels, nicht so genau aus und kann daher Ihre geschätzte Kritik nicht in ihrer gesamten tiefgründigen Tragweite einschätzen.

Ansonsten: Nicht einmal Starlet...

2 2

Re: Ausgezeichneter Kommentar !

der anti-Pöbel-Rassismus der "gebildetere" Schichten ist weig bewundernswert.
Anonym zeigt der Mensch eben auch seine Schattenseiten. nicht nur der Pöbel. Anonym erlebt man sicher auch so manch ehrwürdigen Journalisten/Experten von der "anderen" Seite
der Artikel ist interessant. und es nutzt sicher wirklich vielen. aber eben auch manchen Frauen- denn nicht jede übt ihren Traumjob aus. Frauen sind keine passiven Opfer. Und nur weil es manchen nutzt, ist es kein Beweis für Mittäterschaft(viele Verschwörungstheorien argumentieren doch so simpel).wer pauschal über Gruppen urteilt pauschalisiert eben, auch wenn es positiv ist. als junge Migranttin geht es mir am Nerv wenn bestimmte Gruppen immer gerne als ewige Opfer dargestellt werden, welch Diffamierung... siehe Seligmanns "erlernte Hilflosigkeit"
also interessanter Artikel aber auch hier schwingt Subjektivität mit, wie so oft im Journalismus

6 3

Re: Ausgezeichneter Kommentar !

Jessas na, wenn Sie so zart besaitet sind, würde ich an Ihrer Stelle gar nicht mehr die zeitung aufschlagen. "Lesen kann Ihre Gesundheit gefährden."

0 5

Nicht "Lesen kann Ihre Gesundheit gefährden"...

Nein, nicht "Lesen kann Ihre Gesundheit gefährden"... Frau Ingrid Augustin, sondern allenfalls "das übliche, beleidigende Gesudere", in Ihren Worten. Die Lynchmeute im Sinne Elias Canettis fand schon immer, dass wer sich gegen die Hetz wehrt allzu "zart besaitet" sei. Ich wusste nicht, dass "Zeitung aufschlagen" gleichbedeutend mit Speibsackerl öffnen sein soll - statt mit Nachdenken über Nachdenkenswertes wie etwa die Legitimität und Sinnhaftigkeit geschlechtsspezifischen Pensionsantrittsalters.

Bernd Marin

Antworten Antworten Antworten Arethas
09.12.2011 20:50
4 1

Re: Nicht "Lesen kann Ihre Gesundheit gefährden"...

"Ich wusste nicht, dass "Zeitung aufschlagen" gleichbedeutend mit Speibsackerl öffnen sein soll..."

Da haben wir das Outing: Sie lesen nicht oft Zeitung...

6 2

Na, dann wünsche ich Ihnen noch alles Gute.

Sie werden wohl noch oft speiben müssen, denn die meisten Zeitungen sind halt nicht auf Canetti-Niveau. Ich werde jedenfalls weiterhin Kritik an wehleidigen Feministinnen äußern.

Antworten Antworten Antworten Antworten Arethas
09.12.2011 20:51
3 1

Re: Na, dann wünsche ich Ihnen noch alles Gute.

"Und das ist auch gut so."

4 5

bitte unterschätzen sie nicht die belastung des mannes!

so einfach, wie sich hamann das vorstellt, ist die rolle des familienpaschas nun auch wieder nicht.

dieses andauernde erteilen von anordnungen an das sklavenpersonal kann ganz schön schlauchen...

Antworten yxzz
08.12.2011 11:45
2 1

Re: bitte unterschätzen sie nicht die belastung des mannes!

bei ihnen daheim muß es ja zugehen.
gott sei dank sind nicht alle wie sie.

3 1

Re: Re: bitte unterschätzen sie nicht die belastung des mannes!

richtig, ich bekenne mich zum schikanieren meiner haushaltssklavin.

die anderen machen sich hingegen blöde ausreden!

1 0

Re: Re: Re: bitte unterschätzen sie nicht die belastung des mannes!

woher finden sie diese dummern Frauen? aber gebe ihnen recht, da gibt es noch zu viele

von ....eier Frau :-)


Schade...

...Pauschalierungen, Klischees und wild konstruierte Kunstbeispiele, die eigentlich nicht mehr als ein Beleg für die Weltfremdheit der Autorin sind - mehr ist diese Ansammlung von Worten leider nicht.
Dieses Thema ist (für sehr viele Frauen) bei weitem zu wichtig, als sie einer derart schwachen Argumentationslinie zu überantworten.
Wann wird Frau Hamann endlich verstehen, dass derart unschlüssiger Populismus der Sache wesentlich mehr schadet als nutzt. Ein Phänomen, das in links-grünen Kreisen imo weit verbreitet ist...die Anhängerschar im Kreis der Wahlberechtigten spiegelt auch das genau wider...
si tacuisses, Frau Hamann :-((

Gast: Gast: Leser
07.12.2011 16:05
7 1

Öffentliche Hand?

Ganz sicher nützt das frühere Pensionsalter nicht der öffentlichen Hand, im Gegenteil, sie kostet Milliarden. 5 Jahre weniger in die PV einzahlen als die Männer, dafür durchschnittlich 6 Jahre länger leben - das kann sich nie und nimmer rechnen bzw. ausgehen.

12 4

Was ist schlimmer als ein normaler Hamann-Artikel?

Einer, der feinsinnige Ironie vortäuscht. Das ist noch schlimmer als das übliche beleidigte Emanzengesuder.

Ertl
07.12.2011 11:45
5 1

falsche Sichtweise

Was das private Leben betrifft,ist die Darstellung sicher in vielen Fällen sehr zutreffend.In der Berufswelt sind aber andere Spielregeln vorhanden und leider sind Journalisten diesbezüglich offenbar genauso ahnungslos wie z.B. Politiker.Die angeblichen Karrieren die Männer über 50 machen sind genauso ein Minderheitenthema wie die Karrieren der Frauen.Es gibt immer nur eine Handvoll Häuptlinge und alle anderen sind Indianer.Von 1000 Frauen sind 999 vermutlich froh,dass sie früher in Pension gehen können und das betrifft nicht nur die immer als Beispiel angeführte Billakassiererin sondern eben auch alle anderen Berufe deren Haupt-und meistens auch alleiniger Zweck das Geldverdienen ist.Jede Frau die gerne länger arbeiten will,kann das gerne machen aber man soll bitte die 999 anderen damit verschonen.Außerdem handelt es sich ohnehin um ein Auslaufmodell dass nur mehr für bestimmte Jahrgänge relevant ist,da ja die Angleichung bereits per Verfassungsgesetz vorgesehen ist und sicher auch kommen wird.Treffen würde es wie so oft die Generation 50+ die ganz sicher noch nicht zu gleichen Bedingungen arbeitet wie heutige Berufsanfänger beiderlei Geschlechts.

Antworten Gast: igelchen
07.12.2011 15:49
2 1

Re: falsche Sichtweise

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar

GeraldC
07.12.2011 11:06
7 4

fordern, keifen, jammern, klagen, .........

Die Welt der Hamann muss bizarr und trostlos sein.

Sebifredi
07.12.2011 10:03
4 6

Kann Frau Hamann nur zustimmen!

Frauen in Pension haben allemal mehr zu tun als Männer und eignen sich bestens zur Verorgung vom Nachwuchs des Nachwuchses und alten Eltern und Schwiegereltern. Die Gerti-Oma, fitt wie ein Turnschuh und voll mit schlechtem Gewissen, in Frühpension zu sein, hilft gerne und kostenlos.


2 1

Re: Kann Frau Hamann nur zustimmen!

Hier gehts aber nicht um Frühpension, sondern um das reguläre Pensionsalter.

In Frühpension gehen heute eh auch nur die, die entweder krank sind oder die vom Arbeitgeber in Frühpension geschickt werden (golden Handshake). Beide werden sich nicht darum reissen, länger arbeiten zu dürfen.

 
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