25.05.2012 12:34 | Meine Presse Merkliste 0

Wenn der „soziopolitische Körper“ dem Führer ewiges Leben schenkt

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

Das bizarre Gedankengebäude von Kim-Vater, Kim-Sohn und Kim-Enkel beweist, wie gut die totalitären Fantasien von ganz links und ganz rechts zusammenpassen.

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Interessant ist sie schon, die Juche-Ideologie. Die Idee vom „unsterblichen soziopolitischen Körper“ zum Beispiel. Die hat sich Kim Jong-il vor 30 Jahren ausgedacht, und man kann sich darunter etwas Ähnliches wie einen Bienenschwarm vorstellen: Einzeln ist die Biene gar nichts. Erst als Teil des großen Ganzen bekommt sie eine Daseinsberechtigung. Den Kims ist darin die Rolle der Bienenkönigin zugedacht. Sie sind das Gehirn des gemeinsamen Organismus, alle anderen bilden die Körperzellen.

Augenfälligster Ausdruck dieser Fantasie sind die Massenspiele. Die Choreografie der Masse, die aus jedem Individuum einen kleinen Bildpunkt macht, spielte sowohl bei den Nazis als auch bei den Kommunisten eine große Rolle; in Nordkorea wurde sie zu höherer Perfektion getrieben als irgendwo sonst. Jeder einzelne Teilnehmer sieht, wie die Biene, bloß das Hinterbein vom Vordermann. Nichts ergibt aus dieser Innenperspektive einen Sinn. Erst von außen, von oben betrachtet, entsteht das Bild.

Ewiges Leben zu erzeugen, ist die ultimative Machtfantasie. Deswegen ist die verlockendste Eigenschaft des „soziopolitischen Körpers“ dessen Unsterblichkeit. Im überindividuellen Organismus kann jedes Teilchen, das ausfällt, sofort durch ein anderes ersetzt werden. Auch das Gehirn, der Bienenkönig, überwindet darin den Tod. Es stirbt nicht, sondern geht in ein anderes – möglichst blutsverwandtes – Wesen über, das eigens zu diesem Zweck ausgebrütet wurde.

Kim Il-sung und Kim Jong-il sind so zu einer Einheit verschmolzen, der stets im Doppelpack gehuldigt wird; jetzt kommt, mit Kim Jong-un, wohl die dritte Erscheinungsform ein und desselben Wesens dazu.

Der Schlussstein, der diese Ideologie zusammenhält, ist schließlich der Rassismus. Wer ein großes Ganzes bilden und miteinander „eins“ werden soll, muss ununterscheidbar ähnlich sein. Im Gedankengebäude der Kims werden die Koreaner folgerichtig als eigene, den anderen überlegene Rasse definiert (wobei nur Nordkorea noch die richtige „Reinheit“ aufweist; die Südkoreaner hingegen haben sich schon allzu vielen schädlichen Vermischungen mit Amerikanern – schwarzen gar! – ausgesetzt).

Einen Unterschied zur Rassenideologie der Nazis gibt es allerdings: Ihre besondere Reinheit mache die koreanische Rasse nicht stark, sondern – im Gegenteil – besonders verwundbar. Weswegen sie totale Abschottung braucht. Und Atomraketen.

Hat man den Zustand absoluter Reinheit, Autarkie und Unsterblichkeit einmal erreicht, steht die Zeit still. Keine Vergangenheit, keine Zukunft, ewige rituelle Wiederholung der Gegenwart. Alle Widersprüche, alle Unvollständigkeiten, die das Leben üblicherweise vorantreiben, sind ausgeräumt, die Geschichte ist zu ihrem Ende gekommen. Die Nazis nannten diesen Zustand das „Tausendjährige Reich“, Marxisten nennen es die „klassenlose Gesellschaft“. Und wehe dem, der behauptet, da sei irgendwo noch ein klitzekleines Stück Unvollkommenheit übrig, ein klitzekleiner Restwiderspruch!

Der Autor und Denker Christopher Hitchens, ein großer Freigeist, hat Kim Jong-il so treffend analysiert wie wenige andere. Jetzt sind die beiden Männer beinahe gleichzeitig gestorben. Dass sie einander in irgendeinem der infrage kommenden Jenseitse über den Weg laufen könnten, ist ausgeschlossen.


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Zur Autorin:

Sibylle Hamann ist Journalistin in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2011)

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22 Kommentare
gms_
21.12.2011 13:22
9 4

Re. ".. ganz links und ganz rechts zusammenpassen"


Solange Linke in Österreich und Deutschland die korrekte Bezeichnung "Nationalsozialismus" meiden wie die Pest, und sich statt dessen im infantilen "Nazi" üben, solange werden Linke auch weiterhin ostentativ Verblüffung darüber heucheln, wie blutsverwandt letztendlich alle Spielarten des Sozialismus' sind.

die hundertausenden in ganz europa von den ns ermordeten marxisten...

...hätten eben einfach ns werden sollen, denn laut hamann sind ja die ziele des ns und des marxismus eh' identisch. blöd, dass die damals keine hamann gelesen haben!




Antworten Gast: schlÄchter
21.12.2011 17:15
3 0

Re: die hundertausenden in ganz europa von den ns ermordeten marxisten...

sg herr fox!

was wäre wenn...

was passiert wäre, wenn ganz europa "marxistisch" geworden wäre - eine große sozialistische sovjet union - dann kann man anhand der entwicklung der sovjetunion erahnen, was das für opfer gefordert hätte.

gefährlich-ob links oder rechts - ist immer wenn eine ideologie einen neune menschen schaffen will - jene menschen, die nicht in dieses neue menschbild erfüllen können oder wollen. es ist einerlei, ob aus rassistischen gründen oder aus zugehörigkeit zu einer klasse oder schicht zur erreichung eines neune menschen, nichtkompatible "entsorgt" werden.

m betrübten g
s.

Antworten Antworten Arethas
21.12.2011 19:22
1 0

Re: Re: die hundertausenden in ganz europa von den ns ermordeten marxisten...

"was passiert wäre, wenn ganz europa "marxistisch" geworden wäre"

Ganz sicher haben Kommunisten mehr Kommunisten umgebracht als irgendjemand sonst...

Buchtipp: "Stalin - Am Hof des roten Zaren" von S. Montefiore

Weihnachtsgrüße

A.

Antworten Antworten Antworten Gast: schlÄchter
22.12.2011 13:22
1 0

Re: Re: Re: die hundertausenden in ganz europa von den ns ermordeten marxisten...

sg arethas!
da haben sie (wiedereinmal) völlig recht: zusätzliche schlagworte: chines. kulturrevolution, oder die div. auseinandersetzungen unter den verschiedenen marxistischen parteien/fraktionen im span. bürgerkrieg....
umgekehrt sollte man nie vergessen, dass hitler nicht nur millionen juden und hunderttausende zigeuner aus rassistischen gründen in todesfabriken ermordete und fast ganz europa unterdrückte sondern auch sein eigenes volk als unwürdig erachtete-sieh nerobefehl und das sinnlose "verheizen" an der front-ebenfalls millionenfacher indirekter mord.

danke für den buchtipp.
auch ihnen beste weihnachtsgrüße.

s.


klassenlose gesellschaft=tausenjähriges reich?


eine ebenso absurde wie niederträchtige gleichsetzung. dann ist die österreichische sozialdemokratie, die in ihren parteiprogrammen von 1926, 1958, 1978 und sogar noch 1998 für die klassenlose gesellschaft plädiert auch für das, was das ns-"1000-jährige reich" ausgemacht hätte?

der britische tory-premierminister john major, der als ziel seiner partei eine "Classless society" definierte ist auch ein böser totalitärer?

wissen sie eigentlich, was die ns in osteuropa gemacht haben, und welches schicksal sie in ihrem "1000-jährigen reich" für die hunderten MILLIONEN slawen vorgesehen hatten? können sie dann immer noch nicht den unterschied zwischen einer klassenlosen gesellschaft und der ns-rassenideologie erkennen?

man muss, wenn man hamann heißt keine ahnung von geschichte haben, aber manchmal könnte es nicht schaden.

Antworten Krenmayr
21.12.2011 17:10
7 0

Re: klassenlose gesellschaft=tausenjähriges reich?

Sie sind ziemlich am Punkt, bloß Ihre moralische Empörung hindert Sie, es zu verstehen:
Die Verheißung, alle Widrigkeiten des Lebens, darunter besonders die gesellschftliche Ungleichheit, durch Schaffung einer homogenen, entindividualisierten, egalitären Gesellschaft (bzw. eines sochen Volkskörpers) zu überwinden, scheint eine menschliche Ursehnsucht zu bedienen.
Auf diesem Markt sind nationale Sozialisten und internationale Sozialisten Konkurrenten und keine Feinde.

was ist marxistisch oder links an nordkorea?


hamann hat in dieser presse-konformen suada versucht das gemeinsam zwischen "totalitären phantasien von ganz rechts bis ganz links" aufzudecken. dann liefert sie eine beschreiebung der absurden juchte-ideologie, die sie als rassistisch qualifiziert.

und was hat das noch mit marx, marxismus oder der linken insgesamt zu tun? den nachweis kann sie nicht bieten, aber trotzdem behauptet sie am ende, was marxisten und ns fordern ist eh das gleiche, nur nennen sie es anders.

primitiver und ahnungslsoer gehts nicht mehr - der perfekte presse-kommentar. das rechtsex. forum und die chefredaktion lassen danken!

1 3

Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

gib dem affen zucker!

es ist doch höchst erfreulich, dass den presse-autoren der job so einfach gemacht wird: schreib einfach "böse marxisten" und schon johlt das forum...

das lernt man schon in der lehrredaktion (siehe neuwirths kommentar)

Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

frau hamann will wohl unbedingt sicherstellen, dass ihre kolumne verlängert wird. zu diesem zweck biedert sie sich bei den rechtsextr. hier an, das ist das sicherste mittel um viele klicks zu bekommen und endlich mal von der presse-leserschaft als eine der ihren angenommen zu werden. braaaav! überhaupt nicht angepasst! was für eine kritische, furchtlose journalistin! und soooo gebildet! sie weiß wirklich wovon sie schreibt, wenn sie marxismus und ns gleichsetzt. das hat ein intellektuelles niveau, da könnte auch ein michael jeannée nicht mithalten!

Antworten Antworten Antworten Gast: Grummelbart2
21.12.2011 16:23
6 0

Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Nix "gleichsetzen". Aber ähnliche Mechanismen ("aufgehen in der Masse", etc) sind vorhanden - und beide Systeme sind für "undesirables" nicht sonderlich lustig zum darin wohnen.

7 1

Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Ohne auf Ihre Beleidigungen und den dahinter vermuteten Grundhass auf alles von Ihrer Meinung Abweichende einzugehen (was das Charakteristikum politischen Extremismus ist, den Sie in selbstentlarvender Weise anderen unterstellen), äußere ich mich nur inhaltlich:

Nordkorea ist linksextrem aus einer Reihe von Gründen. Es ist ein Parteienstaat, es herrscht eine allgemeine Meinungsdiktatur, der einzelne muss sich der Masse unterordnen, es gibt keine individualen Abwehrrechte gegen den Staat, keine unternehmerische Freiheit, keinen freien Handel, keine bürgerlichen Freiheiten (Pressefr., Versammlungsfr., Religionsfr. usw.), der Staat ist antigeistlich, uniformistisch, aggressiv.

Rechte Fixsterne wie limited government, individual liberty, freies Unternehmertum, Freihandel, Subsidiaritätsprinzip, Konservatismus, Liberalismus, Verfassungsstaatlichkeit, Schutz der Religionen, Marktwirtschaft usw. finden sich nicht.

Wenn Ihnen weiterhin alles unklar sein sollte, dann bemühen Sie sich bitte darum, die Bedeutung politischer Begriffe zu verstehen, und unterlassen Sie es, andere, die das tun, anzufahren. Vielen Dank.

Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

das meiste von dem, was sie als "rechte fixsterne" bezeichnen könnte ich genausogut für die linke reklamieren.

umgekehrt hat die rechte, besonders in österreich, aber auch sonstwo auf der welt oft auf viele der angeblichen "rechten fixsterne" gepfiffen (verfassungsstaatlichkeit?dollfuß? a.h.?)

bürgerliche freiheiten hat etwa auch erst die linke erkämpfen müssen GEGEN den widerstand der rechten, gerade in österreich!

im obigen artikel ist aber besonders absurd, dass hamann wohl zu recht diese jucheideologie als im kern rassistisch qualifiziert um daraus dann die schlußfolgerung zu ziehen, dass linke und rechte dikaturen eh alle gleich sind, oder so ähnlich. das ist hanebüchener unfug. denn wenn das marx'sche denken etwas ist, dann ist es egalitär und an den werten der aufklärung orientiert und eben nicht rassistisch.

daher stelle ich in frage, ob man das nk-regime noch als links bezeichnen kann, wenn es den elementaren grundwert der marx. wie der nicht marxistischen linken, nämlich dem bekenntnis zur gleichheit ALLER menschen (nicht nur derjenigen einer best. nation oder rasse) so diametral widerspricht.

Antworten Antworten Antworten joquer
21.12.2011 12:22
4 0

Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Die Diskussion zeigt schön, wie überholt und nutzlos die Begriffe "rechts" und "links" sind.
Auch wenn das nordkoreanische Regime sicherlich aus der linken Tradition kommt ist die Anmerkung durchaus berechtigt, dass vieles dabei nicht mit der "linken Urlehre" übereinstimmt. Auf der anderen Seite muss dann aber auch auf der "rechten" Seite wesentlich mehr differenziert werden.
Im Endeffekt bleibt der Schluss übrig, dass eine vernünftige Diskussion nur auf der Basis genauerer Definitionen erfolgen kann.

Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

nein, rechts und links sind nicht überholte begriffe. es gibt tatsächlich fundamentale unterschiede im menschenbild, die sich am besten in den kategorien rechts und links definieren lassen.

aber dem nordkoreanischen regime taxfrei zuzugestehen, dass es "Links" wäre ist arg naiv. denn jenseits von pseudo-marxistischen phrasen ist dieses regime im jern rassitisch, nationalistisch und eine allem, was die linke ausmacht hohnsprechende diktatur. was an pseudo-linker rethorik noch übrig ist, dient nur als entkernte und sinnlos gewordenen rechtfertigungsideologie.

leute, die keine ahnung von der linken haben glauben natürlich gerne, wenn ihnen ein kim-il-irgendwass erzählt er sei der größte und wahrste marxist. aber das ist ebenso naiv wie intellektuell unredlich dem nordkoreanischen regime das abzukaufen.

man kann an marx oder am marxismus genug kritisieren, ohne auf die absurden rechtfertigungen einer rassitsisch-nationalistischen diktatur hereinzufallen. aber dazu müsste man marx halt LESEn und für viele rechte und leute wie hamann ist das zu anstrengend.

die stellen lieber die gleichung auf linke=marxismus=nordkorea=ns. fertig. so einfach kann die welt sein.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten joquer
21.12.2011 13:47
3 0

Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Dann führen Sie diese fundamentalen Unterschiede im Menschenbild doch bitte aus - vielleicht lerne ich dabei noch etwas dazu.
Dass das nordkoreanische Regime der linken Tradition entstammt werden Sie im übrigen trotzdem nicht wegdiskutieren können - wie auch immer pervertiert die Ideologie inzwischen wurde. Deswegen behauptet ja niemand, dass die Kims die reine Lehre Marx verfolgen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?


was die linke von der rechten unterscheidet ist der egalitarismus. die linke postuliert eine prinzipielle gleichheit aller menschen unabhängig von herkunft, geschlecht, religion oder ethnie. die lidealtypische linke versucht unterschiede in bezug auf einkommen und lebenschancen durch staatliches und gesellschaftlich-kollektives handeln zu minimieren.

die rechte hingegen ist in unterschiedlichen schattierungen anti-egalitär. das reicht von rassismus, der höhere und minderwertigere "rassen" definiert, über konservative, die die gesellschaftlichen verhältnisse , unrecht und ungleichheit als naturgegeben und unabänderlich ansehen, bis hin zu rechtsliberalen, die der auffassung sind, ungleichheit ist etwas gutes und alle bestrebungen sie zu verringern sind abzulehnen.

zu nordkorea: gerade in asien und afrika haben sich im laufe des kalten krieges alle möglichen gruppen als "marxistisch" und "kommunistisch" bezeichnet, deren hauptinhalt antikolonialismus und nationalismus war. sich als "kommunisten" zu deklarieren hat vielfach auch den sinn gehabt, sich gegen die kolonialmächte zu positionieren und unterstützung der SU und/oder chinas zu erhalten. daher sollte man solche selbstzuschreibungen nicht einfach so glauben, sondern kritisch hinterfragen was dahintersteckt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten joquer
21.12.2011 18:47
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Vielen Dank, mit dieser Erklärung habe ich tatsächlich dazugelernt.
Ohne Zweifel ist es auf Basis dieser Sichtweise leicht eine Einteilung zu treffen und es wundert mich nicht, dass Sie sich auf dieser Basis für die linke Seite entschieden haben.
Allerdings ist die Sichtweise auch ziemlich einseitig und übersieht dabei ein paar Dinge:
Liberale gehen in Wahrheit auch von der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen aus, sie stellen aber die Freiheit über die Gleichheit. Sie sind deswegen nicht gegen Gleichheit, wohl aber gegen Gleichmacherei.
Rassismus ist wiederum etwas, das sich in diesem Punkt genauso von Ihrer "Linken" wie vom Liberalismus unterscheidet, was in anderen Bereichen aber ganz gut nebenher existieren kann.
So betrachtet macht es Ihr Definitionsansatz zwar leicht, verschiedene Gruppen zu, ähm, definieren, ist aber für alles andere wenig hilfreich, da die dadurch entstehenden Gruppen in sich viel zu heterogen sind um daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen.
Zumindest nicht sobald Sie sich einen Schritt von den ideologischen Urvätern der verschiedenen Richtungen wegbewegen, deren reine Lehren nirgendwo auf der Welt auch nur ansatzweise umgesetzt wurden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Krenmayr
21.12.2011 16:26
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Ihre Unterscheidung R/L erscheint mir recht brauchbar, bringt uns aber bei der Unterscheidung NS/Linke nicht weiter: Letztere teilt die Menschheit nämlich in Klassen ein, deren Angehörige sich in ihrer Lebens(un)wertigkeit deutlich voneinander unterscheiden. Daß die Linke auf dem Weg in die klassenlose Gesellschaft daher durch "staatliches und gesellschaftlich-kollektives Handeln" die "einkommen und lebenschancen" mißliebiger Klassen (in letzter Konsequenz: Individuen) auf Null setzt, ist keine bedauerliche Entartung sondern Konsequenz, sofern man Sozialismus ernst nimmt.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

eben nicht! es gibt keine "lebensunwerte klassen", egal bei welcher spielart der linken.

wenn sie marxistische theoretiker jenseits der stalinisten lesen, werden sie dort keine einzige zeile finden, in der dazu aufgefordert wird irgeneine klasse, egal ob bürgerlich oder sonst wie physisch zu vernichten.

die marxistische, nicht stainistische linke hat immer wert darauf gelegt gegen den kapitalismus zu sein und nicht gegen kapitalisten. daher war schon das was die stalinisten während der kollektivierung der landwirtschaft in den1920er/30er-jahren als "vernichtung der kulaken" gepriesen haben eine pervetierung, auch des marxismus, und ist von der nicht-kommunistischen linken als solche kritisiert worden, damals wie heute.

auch wenn sich rasse so schön auf klasse reimt: man sollte sich die fähigkeit bewahren zu differenzieren und genau zu schauen, was linke und rechte genau gemeint haben. gleichsetzung des einen mit dem anderen ist zwar schön und simpel, aber falsch.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Krenmayr
21.12.2011 17:47
4 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Jenseits von Stalin ist z.B. der Marxist Lenin. Stalin hat aber nichts gemacht, was sich nicht duch ein Lenin-Zitat rechtfertigen ließe.
Beide waren Praktiker, irgendwann aber muß sich auch der große Theoretiker seiner Verantwortung stellen.
Daß die Radikalität innerhalb der Linken unterschiedlich ausgeprägt ist, beweist nichts und trifft auch auf die Rechte zu.
Daß L nicht gleich R ist, darüber waren wir uns schon einig. Gerade deshalb halte ich es für unstatthaft, linke Phänomene rechts zu verbuchen.

5 1

Re: Re: Re: was ist marxistisch oder links an nordkorea?

Marxismus ist aber nicht aufklärerisch. Es ist ein Gemenge von philosophischen, historischen, ökonomischen und polittheroetischen Gedanken, die in ihrer Summe einen klassischen ideologisch-religiösen Charakter haben. Philosophisch ist es schwach und sehr begrenzt, historisch einfach unrichtig vor allem in Bezug auf die Lehenswirtschaft, die er nicht verstanden hat, ökonomisch ist er total überholt und polittheoretisch gruslig, vor allem wenn man mal Popper gelesen hat begreift man wie redundant die Ideen des Marxismus sind.

Retristributive Systeme gab es immer wieder, das endet immer in einer Hierarchisierung, zwangsläufig. So sind die alten Hochkulturen Mesopotamiens übrigens entstanden. Glauben Sie, Kim Il Sung war einfach ein Despot? Nein, der glaubte an den Kommunismus, aber das ist nunmal das Ergebnis. Politik heißt nicht, ein gutes System verwirklichen zu wollen, sondern ein passables System, das dafür korrekturfähig ist.

Marx würde heute seine Lehre komplett verwerfen, er ging davon aus, dass die Menschen verarmen würden im Kapitalismus. Wenn er wüsste, wie heute Europa aussieht, er wäre Ludwig Ehrhardt um den Hals gefallen. "Gleichheit aller Menschen", davor habe ich Angst, es ist eine Distopie. Sieh dir doch die "Menschen" in NK an. Sie sind alle gleich, Bienen, Drohnen, keine Individuen. Aber Menschen sind nicht gleich, sie sind jeder für sich einzeln und verschieden. Und wie man das sieht, DAS markiert den Unterschied zwischen rechts und links.


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