20.05.2013 08:39 Merkliste 0

Wenn sich Frank Stronach Sorgen um Österreich macht. . .

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

. . . dann muss man sich zumindest um ihn und sein materielles Wohl keine Sorgen machen. Über Philosophie und Praxis des Mannes, der aus der großen weiten Welt zurück in die kleine kam.

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Frank Stronach blättert, wie er uns mitteilt, regelmäßig verschiedene österreichische Tageszeitungen und Magazine durch. In letzter Zeit allerdings gar nicht mehr so gern: Da lese ich immer nur von verschiedenen politischen Prozessen vor Gericht, von Untersuchungsausschuss, Bestechung und mangelnder Transparenz. O nein, meint der Mann, der aus der großen weiten Welt zurück in die kleine kam, so kann es nicht mehr weitergehen! Wir befinden uns auf keinem guten Weg! Ich mache mir große Sorgen um Österreich!

Deswegen also hat Frank Stronach ein Hochglanzmanifest drucken und via „Krone“ und „Heute“ unters Volk werfen lassen. Keine schnöde Wahlwerbung, sondern ein Wegweiser. Denn das Land kann von Glück reden, dass es Männer wie Stronach gibt. Die nicht davonrennen, wenn sie gebraucht werden. Unternehmer mit Verantwortungsgefühl. Die fest an Österreich glauben. Ich möchte dabei helfen, den Menschen die Augen zu öffnen. Wir brauchen eine Revolution des Denkens. Es braucht gewisse moralische Werte, um Österreich wieder auf ein gutes Fundament zu führen.

Selbstverständlich braucht Österreich dafür eine neue Art Politiker. Politiker wie ihn. Politiker, die nicht an Untersuchungsausschuss, Bestechung und mangelnder Transparenz anstreifen. Die nicht an sich selbst und den eigenen materiellen Vorteil denken, sondern ausschließlich an Altruismus und Moral. Politiker zu sein, heißt seinem Land zu dienen. Politik sollte eine ehrenhafte Aufgabe sein. Weil es mir um Österreich geht.

Weil es Stronach um Österreich geht, versteuert er sein Geld wohl auch nicht hier, sondern in der Schweiz. Im Kanton Zug, dem Steuerparadies. Was ihn jedes Jahr wieder in die Liste der „300 reichsten Menschen der Schweiz“ bringt. Schon vor acht Jahren beschrieb die Wochenzeitung „Falter“ Stronachs lukratives Geldkarussell, das uns mittlerweile, vom ausdauernden Durchblättern verschiedener Tageszeitungen und Magazine, ziemlich vertraut erscheint: Beraterhonorare in Millionenhöhe kommen da vor, das Schweizer Bankgeheimnis, Firmengeflechte samt Treuhändern, wohlbehütete Briefkastenfirmen und diskrete Konten auf der Kanalinsel Jersey.

Womit sich ein paar Fragen aufdrängen: Worin genau besteht hier die Revolution des Denkens? Was genau unterscheidet diese neue, ehrenhafte Art Politiker von jener Art, die wir bereits zur Genüge kennen?

Und wohin genau will uns Stronachs Wegweiser weisen? Nach Zug? In den Schnellsiedekurs „Steueroptimierung für jedermann?“ Es darf nicht sein, dass sich Bürger vor Finanzbeamten oder der Steuerprüfung fürchten müssen!, schreibt Stronach auf der Website seines Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit. Also kriegt jeder, der sich große Sorgen um Österreich macht, zum Zweck der sozialökonomischen Gerechtigkeit ein Nummernkonto auf einer Kanalinsel?

Vielleicht ist das alles zu profan formuliert. Sicher denkt ein Mann wie Stronach in größeren Zusammenhängen. Balance ist ein ganz wichtiger Begriff für mich und eigentlich betrifft er alle Lebensbereiche: Körper und Seele harmonieren. Damit sich das Rad optimal dreht. Es ist wichtig, als Person ausbalanziert zu sein. Ausbalanziert? Ob er Balance meint, oder eher Bilanz? Auch schon wurscht.
(Die kursiven Zitate entstammen der Website www.stronachinstitut.at und Stronachs Werbefolder.)


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zur Autorin:

Sibylle Hamann
ist Journalistin in Wien. Ihr jüngstes Buch: „Saubere Dienste“ (Residenz Verlag).

Ihre website:

www.sibyllehamann.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2012)

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24 Kommentare
Gast: Andreas Kitzenberger
11.08.2012 11:58
0 0

Bravo!

Den Schweizern ist ihr ärmlich wohnender "Mitbürger" auch schon aufgefallen. Zumindest sein Hinterhofdomizil, wo Elender hausen möchte.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Der-Revolutionaer-mit-Steuerdomizil-Zug/story/25875054

Wenn verlangt wird,

... dass Unternehmer den Straßenräubern ihre Barschaft andienen, um Politiker werden zu können, werden weiterhin die Straßenräuber Politik machen.
Recht hat Herr Stronach. Wenn ich denke, was dem Staat aus seinen Betrieben an Steuergeld zufließt (KÖST, KEST, LOHNABGABE DG und DN, Kommunalabgaben), denke ich, dass das reicht.
Es müssen keine Angestellten von Betrieben daherkommen, die ohne Subventionen keinen Tag überleben würden, um ihn zu kritisieren.

Einfach großartig!!!!!!!Pfiffig, witzig,unterhaltsam und leider wahr!

Gratulation, Frau Hamann!

Besuch der Alten Dame

Bei Stronach muß ich immer ein wenig an Dürrenmatts Besuch der Alten Dame denken. Eine kritische Auseinandersetzung mit Franz Strohsack und seinen Ambitionen in Österreich (diese ist ja nicht die erste) ist aber sehr notwendig.

Insoferen greift Sybille Hamann einmal mehr ein richtiges Thema auf, um aber sogleich doch in ihre üblichen Stereotypen zu geraten und ihre etwas eigenartigen Ansichten zu verbreiten.

Die Auseinandersetzung mit Stronach sollte doch wesentlich dahingehen, daß er nicht selbst irgendein politisches Amt annehmen wird, aber sehr wohl bestimmen will, wer von seinen Gnaden ein solches bekommen soll. Und es wäre auch die demokratische Grundhaltung dieses stets freundlich lächelnden Mannes zu hinterfragen.

Re: Besuch der Alten Dame

sein vater war ein erzkommunist
strohsack ist ohne demokratisches verständnis aufgewachsen

Gast: ggggggg
09.05.2012 17:51
9 6

Bemitleidenswert...

Arme Frau Hamann. In diesem so typisch ´österreichischen´ Artikel (und in den zustimmenden postings) zeigt sich ein Kleingeist, der fast schon wieder rührend, jedenfalls sehr bemitleidenswert - und schlußendlich einfach peinlich ist. Alle Gesellschaften leben von Menschen wie Stronach, die hart arbeiten, kreativ sind, Visionen haben, größte Initiative (Tatkraft) besitzen, produktiv sind, aus ´Nichts´ etwas machen - und immense Steuern zahlen, von denen die weniger Tüchtigen - und auch z.B. (viele, wenn auch nicht alle) linke SchwätzerInnen - per Umverteilung leben. Pardon: aber niemand braucht Frau Hamann, aber jeder Staat braucht Menschen wie Stronach. Ohne unternehmerisch denkende und handelnde Personen gibt es keine funktionierende Gesellschaft. Wäre Stronach in Österreich geblieben wäre er versumpert. Ja, Frau Hamann: Stronach ist ein Mann der großen weiten Welt. Deren Horizont ist einfach viel - viel - zu groß für Leute wie Sie. Sorry.

Re: Bemitleidenswert...

ihr lobesang auf stronach ist fast schon peinlich. Sie werden doch nicht etwa bei magna in lohn und brot stehen?

Antworten Antworten Gast: Till vom Ulenspiegel
11.05.2012 05:50
1 1

Der besingt nicht Frank

sondern tüchtige, tatkräftige Menschen, die es zu etwas bringen. In diesem Sinne hat mein 22 jähriger Bauleiter, der 11 Baustellen gleichzeitig führt, einen unendlich größeren Wert für die Gesellschaft, als die Hamann, mit ihrer peinlich linken Vorstellungswelt, die sie im Auftrag von Laura jede Woche hier abkochen muss.

Re: Der besingt nicht Frank

Ihrem tüchtigen bauleiter kann ich nur wünschen, dass er sich ehebaldigst selbstständig macht.

Gast: Saubermann
09.05.2012 14:06
3 10

Lesenswert

und Aufklärend!

10 0

Re.: "Im Kanton Zug, dem Steuerparadies"


Wer Steueroasen als vermeintliches Argument bringt, anerkennt zugleich den Sachverhalt der umliegenden Wüste.

Bezüglich "sozialökonomischer Gerechtigkeit" sind derartige Paradiese selbstverständlich die blanke Hölle. Ein herzliches Danke an die Autorin fürs Entlarven dieses Euphemismus'.

Re: Re.: "Im Kanton Zug, dem Steuerparadies"

wer steuerparadiese als ort, wo andernorts geklautes aufbewahrt wird, interpretiert und für gut befindet, der findet es wohl auch super, wenn die eigene wohnung von dieben ausgeräumt wird.

"Stronachs lukratives Geldkarussell"

eigentlich unglaublich, wieviel karlheinz in den wenigen monaten bei magna gelernt hat...

Re: "Stronachs lukratives Geldkarussell"

Very good!

Gast: Viktor Panek
09.05.2012 10:58
0 9

Pravda

The truth is said by Stronach, but the limited intelligence and mass propaganda limits Austria's growth to deocracy. This totally corrupt country needs to be taken to the cleaners but diplomatic curtesy prohibts this, sad. The future generation will pay for this folly. Very sad. As they say in the Big Wide World: Kein schönes Land.

Re: Pravda

Ihre weltläufigkeit müssen Sie durch ein paar schwindlige sätzlein in englisch unter beweis stellen? wow, as they say in the big wide world.
"deocracy" ist aber echt süß.

Bravo

Wenn sie sich den richtigen Themen zuwendet, kann auch Frau Hamann gute Beiträge schreiben.

Dies ist einer davon.

Wer wissen will, wie Stronach Politik machen wird, braucht sich nur die Geschichte der Wiener Austria zu Gemüte zu führen.

Re: Bravo

dies ist Keiner davon

Dir Frage wäre doch ...

... warum sich Zug so niedrige Steuern leisten kann? Gehen die "kleinen Leute" dort am Bettelstab?

Re: Dir Frage wäre doch ...

in ZUG sind keine milliarden vor dem österreichischen fiscus versteckt...stronach ist von magna international auf 7% stimmanteil abgestiegen...die entschädigung dafür liegt in der schweiz..wo liegt da das problem von frau hamann??
reiner sozialneid

Re: Dir Frage wäre doch ...

das ist das schöne an mafia-organisationen, die andere bestehlen: sie kümmern sich auch um ihre einfachen mitglieder.
solange sie ihren paten und die caporegime nicht in frage stellen!

Gast: Luzifer
09.05.2012 01:27
1 1

Was wird Fr. Hamann erst sagen, wenn der unorthodoxe Stronach

bzw. seine neue Partei etwa einen KH Grasser als tüchtigen Finanzminister vorschlägt (allerdings erst, wenn die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden)?

Re: Was wird Fr. Hamann erst sagen, wenn der unorthodoxe Stronach

das wäre dann im leben des frank stronach eine steigerung: im gegensatz zu svetits und anderen fussball-managern würde der schöne karli ihn so richtig 'abräumen'!

Antworten Antworten Gast: Luzifer
09.05.2012 19:05
1 2

Re: Re: Was wird Fr. Hamann erst sagen, wenn der unorthodoxe Stronach

Keine Angst, den Vranitzky und andere Casher und Streicher hat der Stronach auch überstanden ....

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