22.05.2013 21:14 Merkliste 0

Geschafft! Wieder ein Schuljahr beendet, ohne etwas Neues zu lernen

SIBYLLE HAMANN (Die Presse)

Zentralmatura und Bildungsvolksbegehren abgewehrt, Gymnasium verteidigt: Von den AHS-„Professoren“ kann man sich die Kunst der Beharrung abschauen.

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Schulschluss. Grillpartys, Theateraufführungen, Sporttage. Die Noten stehen fest. Und die AHS-Lehrerinnen und Lehrer dürfen wieder mit dem befriedigenden Gefühl in die Ferien gehen, dass nach den Ferien alles weitergehen wird wie immer. Diese Kraft muss sich gut anfühlen, zu Sommerbeginn.

Herbst und Winter wird man rumkriegen, indem man einfach erstarrt; dann kommt der Frühling, der verfliegt eh immer so schnell, und schon wird wieder ein Schuljahr vorbei sein, ohne dass sich irgendetwas verändert hätte. Ohne gemeinsame Mittelschule. Ohne Abschaffung des 50-Minuten-Stundenplans. Ohne Zentralmatura oder sonst eine echte Neuerung.

Wegschauen, wenn man angesprochen wird, sich nicht gemeint fühlen; und wenn's knapp wird, erschrocken bedauern: „'Tschuldigen, Frau 'fessor, aber das geht sich jetzt wirklich nimmer aus.“ Vielleicht haben die Lehrer und Lehrerinnen diese Taktik ja von ihren Schülern und Schülerinnen gelernt. Am Beispiel der Zentralmatura wurde sie virtuos vorgeführt.

Seit vielen Jahren ist klar, dass die kommt, aber für Fortbildungen war wohl zu wenig Zeit. Theoretisch hätte man das Ziel und den Weg dorthin mitgestalten können. Aber wieso sollte man? Denen helfen, die einem ständig Lerneifer abringen wollen? Sollen sie doch schauen, wo sie bleiben. Ohne uns geht nämlich gar nix.

Chuzpe gehört ebenfalls zur Taktik – wie bei einem Schüler, der sagt, er habe die Hausübung bloß deswegen nicht gemacht, weil sie „viel zu einfach“ sei. Dann spricht man vom „drohenden Niveauverlust“ durch die Zentralmatura. Ein interessantes Argument. Was genau wäre für die um ihr Niveau besorgten Spitzenlehrer denn so tragisch, wenn ihre Spitzenschüler bei den „viel zu einfachen Fragen“ der Zentralmatura allesamt spitzenmäßig abschneiden? Lauter Einser, plus das wunderbare Gefühl, darüber hinaus noch jede Menge unabgeprüftes Wissen vermittelt zu haben, das das Leben bereichert – gar so schlimm kann dieser Zustand nicht sein. Es sei denn, die Sorge ums „ Niveau“ wäre nur vorgeschoben. Um zu verhindern, dass es tatsächlich mit dem Niveau anderswo verglichen wird.

Womit wir beim Vergleichen sind. Und dem wohl entscheidenden Punkt, der die Lehrerängste nährt. Dass Schüler verschieden sind, unterschiedlichen Hintergrund, Ehrgeiz, Neugier und Begabungen mitbringen, wissen wir – und Lehrer sind es gewöhnt, sie miteinander zu vergleichen, jeden Tag. Aber Lehrer und die Qualität des Unterrichts vergleichen? Das ist ein Tabu, wird aber mit der Zentralmatura plötzlich möglich sein.

Wenn sich etwa die mysteriöse Frage stellt, warum die Klasse X, die in Latein und Englisch super abschneidet, gerade in Französisch kollektiv nichts zusammenbringt. Oder warum die „schwierige Klasse“ Y, über die im Lehrerzimmer ständig gejammert wird, ausgerechnet in Mathematik überdurchschnittliche Leistungen erbringt.

Lernfähige und lernwillige Lehrer würden sich über dieses Aha-Erlebnis freuen und sich dafür interessieren, was der Mathematiklehrer mit den Y-Kindern anders macht als sie. Damit sie selbst besser werden, auf neue Ideen kommen. Man kann allerdings auch den Kopf zwischen die Schultern ziehen, so tun, als sei man gar nicht gemeint. Und hoffen, dass es möglichst bald klingelt, ohne dass man drangekommen ist.


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Zur Autorin:

Sibylle Hamann
ist Journalistin in Wien.

Ihre Website:

www.sibyllehamann.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2012)

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26 Kommentare
 
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Mies


Ohne Recherche, ohne Kenntnis der Thematik einfach Dinge behaupten, Geschwafel anderer Ahnungsloser unkritisch wiederkäuen, Vorurteile bedienen ...
Einfach toll, welche Beiträge eine "Qualitätszeitung" so zu bieten hat ...

Gast: Martin_S
22.06.2012 18:19
4 2

Hamann, wie Sie leibt und lebt!

Keine Ahnung, Klischees bedienend, vorgekautes nachgackern, ... wunderbar!

Gast: Shiny
22.06.2012 17:47
5 2

Danke!

Danke für diesen erhellenden Kommentar! Er bringt mich nämlich dazu, Ihre Zeitung nicht zu abonnieren. Von Qualitätsjournalismus erwartet man sich anderes, als Stammtischgejohle unter dem Deckmantel der Intellektualität auszubreiten. Recherche, Sachkenntnis und Empathie: Drei Säulen, auf denen niveauvoller Journalismus beruht. Dieser Text ist auf anderen Stützen gebaut: Neid, Populismus und Unkenntnis. Wie gesagt: Danke

Gast: grenzgänger
21.06.2012 21:51
0 0

Blick über die Grenze

Ein Blick zu den Tschechen wäre hilfreich für die Beurteilung des Aufschubs der Zentralmatura. Weil sie schlecht vorbereitet war (System, Lehrer, Schüler, Eltern), sind gleich einmal 25% "geflogen". Heuer waren es nur mehr 22% der Maturanten. Was lernen wir daraus?

Gast: yxcvbnm
21.06.2012 07:46
10 2

"Qualitäts"journalismus

... habe selten so viele dumme Cliches auf so wenig Raum gelesen!
Sie sind mehr als unglaubwürdig und disqualifizieren sich selbst, wenn sie sich vor der Produktion ihres Kommentars nicht vom schulischen Alltag ein persönliches Bild machen und schon jahrelang Vorgekautes kritiklos nachplappern ...

Gast: Gerne nur Gast
20.06.2012 22:31
6 1

Tolle Propaganda für


Gesamtschule, Niveaulosigkeit als "Fortschritt" und Märchen über den Erfolg schwieriger Klassen.

Hannes Androsch wird auf sie aufmerksam wedren und ihre Projekte fördern.

Und der LINK auf ihre HP unten dabei! Was will man mehr?!

Die richtige Antwort gibt Prof. Taschner!

Als ich die Fragen in Mathe für die Zantralmatura las, war ich im ersten Moment ratlos. Was sollen diese verdrehten Hintenherumfragen beinhalten. Dann kam die Erleuchtung: Einmal bedeutet das eine Kurvendiskussion (6. Klasse), dann eine Flächenberechnung (7. Klasse) usw. Warum ist keine normale Fragestellung möglich. z. B.: Folgende Gleichung ist ...

Manchmal verstehe ich die PISA Probleme. Sinnlose Sätze, die um den Brei herumreden, sollen eine einfache Antwort bewirken.

Antworten Gast: Didaktiker
20.06.2012 20:09
0 0

"Warum ist keine normale Fragestellung möglich"

Suchen Sie einmal im Internet nach "Hans Freudenthal", dann finden Sie die Antwort!

4 0

Re.: "Was genau wäre für die um ihr Niveau besorgten Spitzenlehrer denn so tragisch, wenn ihre Spitzenschüler bei den „viel zu einfachen Fragen“ der Zentralmatura allesamt spitzenmäßig abschneiden?"


Was genau (?!) wäre denn so tragisch, wenn auf jeder neuen Geburtsurkunde automatisch der Magister-Titel eingetragen würde?

Noch dazu, wo doch sowieso jeder genau (?!) weiß, die Person die vor einem steht verfüge über "jede Menge unabgeprüftes Wissen".

Ins Schwarze getroffen!


Das dafür allein die Lehrergewerkschaft zur Verantwortung zu ziehen ist liegt auf der Hand. Das die von den Lehrern dieses Landes gewählt werden und somit Sprachrohr derer sind, detto.

Aber warum die Regierung derart blöd ist, hier nicht eine Linie durchzuziehen und dem Lehrpersonal klarzumachen, dass Entwicklung und Weiterbildung in allen Berufssparten notwendig ist und in der Lehre noch viel mehr und das dafür gefälligst die Ferien heranzuziehen sind, das verstehe wer kann!

Das aktuelle Lehrpersonal hat meines Erachtens den Bezug zu jedweder Realität ausserhalb der Schule verloren und man sollte ihnen höflich behilflich sein, diesen wieder zufinden ;-))

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Re: Ins Schwarze getroffen!

"Das" oder doch "dass" ist die Frage, die Absolventen der schlechten früheren Schulen noch heute beantworten können. Sie sollten sic h auch informieren, bevor Sie so klug posten!

Antworten Gast: Lehrer 55+ , Migrantenanteil an meiner AHS 60%
23.06.2012 14:23
1 0

Re: Ins Schwarze getroffen!

Sg. herr nachdenker
ich also "Lehrpersonal" bilde mich diese Ferien insg. 15 Tage fort, mehr geht leider nicht, da die lieben Fortbilder (wie z.B. Salcher, Androsch, Schilcher......) leider auf Urlaub sind, die anderen Ausbilnder auch und die Quartiere lieber an gut zahlende Touristen vergeben werden.....aber viell. könnte Herr nachdenken diese Aufgabe übernehmen......Juli und August eh nix vor oder???????

anzuraten wäre herrn nachdenken viell. ein besuch in der realtität also einer AHS, stell mich gerne zur Verfügung......

bin noch 2 Wochen im Juli in der Schule, aufräulmen, Karten repariern, Teamsitzungen zur Neuen Matura besuchen.....also nur vorbeischauen.....

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Re: Ins Schwarze getroffen!

Tja, da stellt sich doch glatt die Frage, wer realitätsfremder ist: Regierung oder Lehrer.

Antworten Gast: asdfghjp
20.06.2012 20:03
0 1

Hallo Troll!

Wie geht's?

Gast: vergilius
20.06.2012 13:31
8 1

quergeschrieben?

bledsinn gschrieben! wie oft denn noch? wenn es keine ausgereiften rechtlichen grundlagen gibt, kann es keine neue matura geben! die lehrer wollten zu angekündigten seminaren, die aber abgesagt wurden, weil es wegen der fehlenden gesetzlichen regelungen nichts zu erzählen gab. da ist der gesetzgeber gefragt. aber leichter ist es - und linker auch - den ahs-lehrern den schwarzen peter zuzuschieben. dass man sich mit derartigem schwachsinn auseinandersetzen muss, ist himmelschreiend. aber den schmarrn kann man nicht immer so im raum stehen lassen.

egal welche interessenvertretung...

ALLE sehen ihre bestimmung darin, vor allem die interessen der unfähigen/faulen mitglieder zu vertreten. und sie nehmen dafür die anderen mitglieder, die eigentlich die mehrheit stellen, in geiselhaft: hoch lebe der corpsgeist!

Gast: Lisa
20.06.2012 11:01
2 13

welches Niveau?

Herzlichen Dank für Ihre klaren Worte Fr. Hamann. Die Lehrer(gewerkschaft) sorgen selbst dafür, dass der Beruf nicht mehr sehr attraktiv ist, indem sie alles verhindert, wie zB. höhere Einstiegsgehälter für Junglehrer.

Am besten finde ich immer das Killerargument "Niveauverlust". So schlecht, wie an unseren Schulen ausgebildet wird, kann es wohl nur mehr bergauf gehen.

Warum funktioniert eine Zentralmatura in England oder Frankreich einwandfrei? Die Ergebnisse jeder Schule, ja jeder einzelnen Maturaklasse werden dort sogar in den Zeitungen veröffentlicht! Schulen sind stolz darauf, dass sie möglichst viele gute SchülerInnen an den vordersten Plätzen finden.

Antworten Gast: Ahmed und Abdullah
23.06.2012 14:27
0 0

Re: welches Niveau?

liebe Lisa.........wirklich arg diese Ausbildung in Österreich, deshalb sind wir ja hierhergekommen.........weil die Jugendarbeitslosigkeit in EU hier die niedrigste ist.....

so eine katastrophale Bildungssituation.......

Gast: der ehemalige Student1
20.06.2012 09:52
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gut gekeift

bin kein Lehrer, meine Lebensgefährtin ist aber eine AHS-Lehrerin (darunter Mathe). sie hat heuer mit ihren Schülern keinen Vergleichstest mehr gemacht (Kängaruh, oder wie immer er heisst), weil es beim letzten Mal einfach nicht funktioniert hat. Die Schüler fragen: was habe ich davon? Der Lehrer darf den Test nicht als Leistungsfeststellung verwenden, darf die Schüler weder "belohnen" noch "bestrafen" (im Sinne davon, dass sich das Verhalten beim Test nicht auswirkt). Der Effekt war, dass 2 Schüler sich bemüht haben, der Rest der Klasse hatte viel Spaß beim Ausfüllen des Tests. Die Lehrerin musste ihn dann stundenlang beurteilen. Bei PISA läuft es genauso.
Meine Lebensgefährtin sieht sehr wohl, dass es viele Probleme in der Schule gibt (die meisten Kollegen stimmen da auch zu; sie sehen auch, dass der eine oder andere Kollege für den Beruf ungeeignet ist), jedoch haben die Maßnahmen des Ministeriums in den letzten Jahren an dem Zustand nix geändert, sie sind sinnlos bis kurios. Dass daher neue geniale Pläne von dort ehre blockiert als freudig aufgenommen werden, kann sich wohl jeder vorstellen.

Re: gut gekeift

da ich ihre lebensgefährtin nicht kenne, möchte ich ihr auch nicht nahetreten.
doch eine frage sei gestattet: kann sie sich auch sonst nur dann durchsetzen/unterrichten, wenn eine benotete leistungsfeststellung als druckmittel dient?

Antworten Antworten Gast: asdfghjk
20.06.2012 19:53
2 0

Es ist gut,

dass Sie - unabhängig von "Parkraumüberwachern" - NIE in die Versuchung kommen, falsch zu parken ;-)

Antworten Antworten Gast: belustigt
20.06.2012 16:37
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Re: Re: gut gekeift

meiner Ansicht haben SchülerInnen ein gutes Gespür für die trennung der Spreu vom Weizen, Unsinniges, wie Pisa Tests wird daher verweigert--so blöd- verbildet, wie Bildungsforscher können SchülerInnen meist gar nicht sein
und klüger als UnterrichtsministerInnen sind sie allemal-ihnen fehlt nämlich die Möglichkeit Milliarden bei Banken in den Sand zu setzen, bzw.Milliarden für sinnlose Projekte zu vergeuden, wenn bei wichtigen Projekten das Geld fehlt

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Bashing 2

(Bin auch kein Lehrer, wobei eigentlich traurig ist, dass man das vorausschicken muss.)
selten dämlicher Kommentar--eigentlich ist jeder Beitrag dazu überflüssig--
greebo dagegen ist zuzustimmen

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Bashing

(Bin kein Lehrer, wobei eigentlich traurig ist, dass man das vorausschicken muss.)

Liegt die fehlende Fortbildung für die Zentralmatura nicht daran, dass vom Ministerium entweder widersprüchliche oder gar keine Infos zu Details vor allem in Mathematik gekommen sind? Und dass die "Reformen" eine versteckte Verschlimmerung der Zustände sind?

Bei Beiträgen wie dem von Frau Hamann frage ich mich immer, wer sich in Zukunft den ach so tollen Lehrerberuf noch antun soll. Für mich wirkt er absolut nicht attraktiv - viel Verantwortung, wenig Wertschätzung für die Leistung, und permanentes Bashing weil sich jeder für einen Experten hält der jemals eine Schule von innen gesehen hat.

Ich fahr auch täglich mit dem Auto. Konstruieren könnte ich deswegen trotzdem keines.

Gast: asdfghjk
19.06.2012 19:54
6 0

Zentralmatura und kein Ende

Aber wahrscheinlich haben Sie keine Zeit fürs Recherchieren, Frau Hamann.
Die Zentralmatura ist nicht abgesagt, sondern verschoben worden!
http://diepresse.com/home/bildung/schule/hoehereschulen/762945/Zentralmatura-wird-um-ein-Jahr-verschoben?from=suche.intern.portal

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Re: Zentralmatura und kein Ende

und wenn sie abgesagt würde, wäre es auch nicht schade

 
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