Randerscheinung: Kindergeburtstag mit Trillerpfeiferl

Der Jüngste hat da also neulich von einer Geburtstagsparty ein Trillerpfeiferl mit nach Hause gebracht.

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Ich habe sicher schon öfter darüber geschrieben, darum diesmal nur mehr so viel: Die unterschiedliche Art, wie heute Kindergeburtstage ausgerichtet werden, gäbe genug Forschungsstoff für einen eigenen Lehrstuhl an einer sozialwissenschaftlichen Fakultät her. Das neue Blasinstrument macht dem Buben jedenfalls hörbar eine Riesenfreude. Als gerade wieder ein Pfeifmarathon zu Ende gegangen ist, schaut der Bub das Pfeiferl an, dreht es in den Händen hin und her, überlegt und fragt dann: „Du, Papa, wo kann man das eigentlich aufladen, wenn der Akku leer ist?“ Die Vorstellung, es gäbe Dinge, die keine Batterie brauchen und trotzdem Spaß machen, ist offenbar dramatisch im Schwinden begriffen. Den Mittleren beschäftigt unterdessen die nun heraufdräuende Nationalratswahl, an der teilzunehmen er erstmals berechtigt ist. Eine große Sache, fühlt er sich doch damit von der Gesellschaft als Erwachsener wahrgenommen. Um seiner Bürgerpflicht auch verantwortungsvoll nachkommen zu können, hat er daher begonnen, sich intensiver über die politischen Lager zu informieren. In der Früh höre ich ein Rascheln aus dem Wohnzimmer. Auf der Couch sitzt der Neowahlberechtigte und kämpft mit der Papierzeitung: „Es steht ja viel Interessantes drinnen, aber sie ist so groß, unhandlich und gleich völlig durcheinander.“ Als Zeitungsredakteur muss ich kurz schlucken und beginne dann wie automatisch, die vielen ­Vorzüge aufzuzählen, bis mich eine Trillerpfeife unterbricht: „Ach ja, und eine Zeitung braucht auch keine Batterie“, sage ich, gehe in die Küche und nehme dem Jüngsten das Pfeiferl aus dem Mund. Noch zwei Legislaturperioden, und er darf wählen gehen.

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