Ein Leben ohne Internet via Handy? Unvorstellbar!

Neue Technologien sparen Lebenszeit. Eine Binsenweisheit. Ich habe ein App, daher bin ich. Nicht mehr cogito ergo sum. Ein kurzer Erfahrungsbericht.

Eigentlich hatte ich ja eine Auszeit von drei Wochen für diesen Blog angekündigt, jedenfalls von dem zur österreichischen Innenpolitik. Aber habe ich schon erwähnt, dass ich das Internet liebe? Im letzten Eintrag zum SPÖ-Parteitag in St. Pölten, nicht wahr?

So ist es. Auch jetzt auf einer Reise durch acht US-Staaten, um an Universitäten eine Dokumentation über Menschenhandel zu zeigen - über ein Thema also, von dem auch Österreich als Ziel- und Transitland betroffen ist, das aber hier kaum auf Interesse stößt. Nicht einmal dann, wenn Menschenhändler einer Richterin im Gerichtssaal applaudieren, weil sie mit erstaunlich milden Strafen davon gekommen sind. Die Straftat: Etwa 30 Bulgarinnen auf den Wiener Strich „verkauft".

Aber ich schweife ab. Die Frage, die sich im Zusammenhang mit dieser Vortragsreise aufdrängt, hat auch mit dem Internet zu tun: Was war das für ein Leben vor der Erfindung des Handys, der Smartphones und damit der verschiedenen Applications, vom GPS ganz zu schweigen? Wie viele Abfahrten von der Autobahn hat man früher versäumt, weil sich die Blicke auf Straßenkarte und Verkehrsschilder in einem fremden Land nicht koordinieren ließen! Wie viel Lebenszeit wurde da vergeudet!

Von der Mühsal der etwas komplizierteren Reiseorganisation ganz zu schweigen. Gab es wirklich ein Leben vor der App, die ein naheliegendes Einkaufszentrum anzeigt? Und was war das für eines, wenn man nicht die letzten Bewertungen und Beschreibungen des übernächsten Motels schon im vornhinein wusste?

Und überhaupt: Wie konnte man früher denn je herausfinden, wo Frauen für Obama oder, von mir aus auch, für Romney, die beste Party in der Stadt organisieren, um die letzte Konfrontation vor der Wahl gemeinsam im TV zu verfolgen? Jetzt ist dank der unterschiedlichsten Apps und der sogenannten Social Media alles kein Problem mehr. http://diepresse.com/home/video/

Vorstellbar ist ein Prä-Handy-Leben also nicht mehr. Es hat es aber gegeben. Und es musste auch organisiert werden. Nur wie? Die Lebenszeit, die jetzt eingespart wird, kann man dazu verwenden, darüber zu sinnieren - oder die aller neueste App zu einem "Politiker in Ihrer Nähe" zu kaufen.

 

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