Verschwörungstheoretiker verpassen eine Chance

Die neue Plakatserie der ÖVP ist DIE Chance für alle, die ständig an irgendwelche Verschwörungen glauben, ein Gerücht in Umlauf zu bringen.

Was ist los mit den üblichen verdächtigen Verschwörungstheoretikern in diesem Land? Sie müssten doch angesichts der neuen Plakatserie der ÖVP (www.oevp.at) in heller Aufregung schon längst das jüngste Gerücht verbreiten oder es zumindest für wahr halten: Hier kann es sich nur um eine Verschwörung der "Linken" handeln, die mit Hilfe der Internationalen in der ÖVP einen sogenannten "Maulwurf" plaziert hat, dem es dann gelungen ist ÖVP-Chef Michael Spindelegger eine deutsche Werbeagentur einzureden, die bisher laut eigenen Aussagen (siehe "Presse" vom 22.Mai) nicht nur "aus einem anderen Land" ist, sondern "für die SPD Wahlwerbung gemacht" hat.

Da hat die vom ÖVP-Auftrag "überraschte" deutsche Agentur "Butter" im Auftrag des linken "Maulwurfs" bei den Konservativen ganze Arbeit geleistet. So oder ähnlich muss das Verschwörungsgerücht lauten. Der Schwerpunkt der ÖVP "Tradition" wurde nämlich so interpretiert, dass diese bestenfalls bis in die 80iger Jahre zurückreichen kann, denn so muten die Plakate optisch an. "Testimonials" dieser Art von irgendwelchen Bürgern ohne besonderen Sympathiefaktor mit einem Text, den kein Mensch im Vorübergehen oder -fahren lesen kann, waren gestern - und da schon nicht besonders erfolgreich. Dazu noch der völlig unglaubwürdige Anspruch, dass Verantwortung, Vertrauen, Zusammenhalt, Offenheit Werte "aus Österreich" sind, so nach dem Motto: Bier "aus Österreich", Gemüse "aus Österreich", made in Austria also, ganz so als gäbe es in anderen Ländern keine Verantwortung und kein Gemüse.

Zur totalen Hochform in unfreiwilliger Komik wahrscheinlich aus Unkenntnis der landesüblichen Gebräuche ist die Agentur beim Begriff "Tatkraft" aufgelaufen: "Wer mutig anpackt, dem darf der Staat keine Hürden in den Weg stellen." Einer, der dabei herzhaft lachen müsste, ist der ehemalige Obmann der ÖVP, Wilhelm Molterer. Als dieser sich nämlich nach seiner Niederlage 2008 und vor seinem Posten als Vizepräsident  der Europäischen Investitionsbank selbständig machen wollte, klagte er einmal wortreich, wie schwierig, unglaublich bürokratisch und langwierig der Weg in die Selbständigkeit sei. Voller Hürden wahrscheinlich. Der Mann war immerhin Vizekanzler und Finanzminister, jahrelang in Regierung und Parlament. Wer hat ihn in dieser Zeit daran gehindert, jene Hürden, die er dann bejammerte, zu beseitigen? Willkommen im wirklichen Leben, war die einzig passende Antwort. Aber jetzt gibt es ja die plakatierte "Tatkraft".

Offenbar nicht ganz ortskundig, hat die deutsche Agentur  hinterlistig gemeint, Österreich habe auch etwas mit Lederhosen zu tun und die Kombination mit Laptop könne auch hier funktionieren. Flugs war der Spruch: "Ob am Laptop, im Betrieb oder auf dem Feld, wer hart arbeitet soll auch etwas davon haben." Laptop und Feld, das hat schon was Bayrisches. 

Diese Kombination von Unansehnlichkeit und Unlesbarkeit der ÖVP-Plakate kann nur eine Falle der "Linken", also der SPÖ, gewesen sein. So eine Verschwörungstheorie hat schon was, meinen Sie nicht?

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