Der inoffizielle Bundesheer-Spot war so dumm wie wirkungsvoll. Die Botschaft, dass es lässiger sei, einen Panzer zu lenken, als einen Sportwagen, fiel auf fruchtbaren Boden: Das Heer erwartet heuer einen Rekord an Freiwilligen (was natürlich auch an der schwierigen Arbeitsmarktsituation für Junge liegt). Verteidigungsminister Darabos hat diesen Zuspruch jedenfalls als Zeichen betrachtet, dass das Bundesheer „allen Unkenrufen zum Trotz hohes Ansehen in der Bevölkerung“ genießt. Das sagte er im Juni. Jetzt haben wir Juli und eine heiße Sommerdebatte, ob die Wehrpflicht – wie in den meisten EU-Staaten – ganz abgeschafft werden sollte.
Darabos hat messerscharf erkannt, dass wohl „kein Panzerkrieg im Marchfeld“ zu erwarten sei, daher will er sich auf Auslandseinsätze und Katastrophenhilfe konzentrieren. Aber in diesem Fall gehört die Wehrpflicht sofort weg, und es muss über einen verpflichtenden Sozialdienst für alle – Burschen wie Mädchen – geredet werden sowie über einen Katastrophendienst. In Deutschland heißt das „Technisches Hilfswerk“ und funktioniert hervorragend. Für Auslandseinsätze gäbe es ein Berufsheer. Der jetzt schon überdimensionierte militärische Verwaltungsapparat müsste verkleinert werden. Ein Teil des Personals könnte zur (dann wohl eher polizeilichen) Grenzüberwachungstruppe abkommandiert werden, die der Politik so wichtig ist.
Österreich muss sich außerdem klar dazu bekennen, zumindest theoretisch Teil einer europäischen Verteidigungspolitik zu sein. Deswegen hat man einst die Eurofighter angeschafft, die nun – ihres eigentlichen Zwecks (nämlich im Rahmen internationaler Missionen zu fliegen) beraubt – eine teure Sinnlosigkeit sind. Die Vorstellung eines „neutralen“ Heers, das nur mehr Kugelschreiber und Spaten statt Waffen und immer weniger Geld braucht, ist fahrlässig naiv. Bei internationalen Einsätzen oder wenn Europas Grenzen bedroht wären, sind Profis gefragt.
Behält man aber den Grundwehrdienst bei, dann bitte in vernünftigerer Form. Theoretisch bietet dieser sogar die Chance, den Rekruten etwas beizubringen, das sie bis dahin nicht erfahren haben: Staatsbürgerkunde, Körperbewusstsein, Manieren – und warum nicht auch Fertigkeiten wie Knopf annähen. Leider lernen die jungen Männer beim Heer derzeit aber vor allem eins: Zeit totzuschlagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)















