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Wahlgeschenk für die SPÖ

07.08.2010 | 18:29 |  von Martina Salomon (Die Presse)

Das blau-orange Debakel verhindert eine Auseinandersetzung mit rot-schwarzem Filz.

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Das System Haider ist gescheitert“, heißt es derzeit an jeder (medialen) Ecke. Das ist richtig – aber das Triumphgeheul jener, die vor mehr als einem Jahrzehnt ihren Machtverlust gar nicht fassen konnten, stimmt skeptisch. Eine Regierung ohne die stimmenstärkste Partei: Das war ein Tabubruch, galt in manchen Kreisen gar als „illegitim“. Natürlich stimmte das nicht, aber im Nachhinein ist klar, dass Blau(-Orange) weder über geeignetes Personal noch über genügend moralische Standfestigkeit verfügte. Gegen die Unverfrorenheit der „Buberl-Partie“ half auch nicht die Disziplin und der missionarische Reformwille Wolfgang Schüssels. Sein größter Fehler war, die schwarz-blaue Achterbahnfahrt auch 2003 noch einmal fortzusetzen und die historische Chance auszulassen, mit den Grünen eine Koalition zu bilden. Natürlich wäre auch das kein Honiglecken gewesen, stehen die Grünen doch der SPÖ ideologisch weit näher. Aber sie hätten bei Staatsgeldern wohl kaum so frech zugegriffen wie die Blau-Orangen. Und es gelänge den Sozialdemokraten nicht so leicht, die gesamte Ära Schüssel als historischen Fehler zu qualifizieren. Daraus lässt sich bis heute hervorragend politisches Kleingeld schlagen. Der jetzige Wirbel könnte dafür sorgen, dass Michael Häupl die Absolute in Wien behält.

Das blau-orange Debakel kommt einigen zupass, verhindert es doch, dass man sich mit dem Machtmissbrauch von Landesfürsten und den seit Jahrzehnten proporzmäßig aufgeteilten Posten und Pfründen auseinandersetzt. Die Große Koalition unter Viktor Klima war 1999 am Ende – und ist auch unter Werner Faymann und Josef Pröll kaum harmonischer. Ein gemeinsames Reformziel ist nicht sichtbar. Aber es gibt zum derzeitigen Regierungszustand leider keine Alternative. Die FPÖ unter Heinz-Christian Strache wird vielleicht in der Steiermark mitregieren, hat aber bundesweit keinerlei Personalreserven und ist auf Rabiat-Opposition abonniert – mit deutlich weniger Themenbreite als Jörg Haider. Die Grünen wiederum sind zu schwach, um mit Rot oder Schwarz auch nur in die Nähe einer absoluten Mehrheit zu kommen.

Die – vielleicht – gottgewollte, jedenfalls kleinformat- und präsidentenunterstützte österreichische Realverfassung sieht offenbar eine Große Koalition unter sozialdemokratischer Führung im Bund und eine rote Wiener Landesregierung vor. In alle Ewigkeit.

martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2010)

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7 Kommentare
Gast: scheinheiligkeit
21.08.2010 08:39
0 0

doppelmoral

na liab, was in wien schlimm ist passt aber für sie in nö und dergleichen sehr gut....eine doppelmoral die sie an den tag legen, das ist ja fast unglaublich.

im übrigen hat die övp unter der schwarz/blau regierung ja sicher nicht zugegriffen. immer fest die anderen beschmutzen, der eigene mist stinkt dann weniger oder wie soll man diesen kadavergehorsam deuten.

eines muss man vielen spö wählern lassen, sie sind sich wenigstens im klaren, dass ihre partei genauso mist baut, die konservativen können sich das noch immer nicht eingestehen. vielleicht wäre das ja der erste weg zur besserung. ich glaube nicht dran, man weiß ja wie schnell veränderungen in der övp welt zu greifen beginnen.

Gast: Gast
10.08.2010 23:30
1 0

So naiv - lernen Sie endlich österreichische Vorwahlperioden endlich zu verstehen!

Sie schrieben (letzter Satz, erster Absatz):
"Der jetzige Wirbel könnte dafür sorgen, dass Michael Häupl die Absolute in Wien behält."

Dieser Wirbel SOLL dafür sorgen, dass Häupl seine Absolute behält!!!
Glauben Sie denn ernsthaft, dass da etwas anderes dahinter steckt?
Beispiele aus der Vergangenheit gibt es zur Genüge (Minibsp.: Schüssels Pflegerin)

Mit ebenso zahmen wie braven Journalisten wird es auch schwer, das "demokratisch" zementierte Unrecht (große Koalition, "Realverfassung") zu entsorgen!

Cicero
08.08.2010 22:51
2 0

Haben wir es hier mit Geschichtsklitterung zu tun oder ist es gnädiges Vergessen der Realitäten?

Ja, Frau Salomon, irren ist menschlich!

Es sagt sich leicht, jetzt 8 Jahre später, Schüssel hätte mit den Grünen die Regierung Schüssel II gründen sollen. Das ist richtig und Schüssel wollte auch.

Aber, 2000 war es Nürnberger, der die Neuauflage Klima-Schüssel verhinderte. Es war Nürnberger, der die SPÖ aus der Regierung verdrängte.

Und 2002 waren es die Herren Öllinger und Kogler, die eine Regierungsbeteiligung der Grünen verhinderten. Der Beschwichtigungshofrat Van der Bellen ließ es geschehen.

Das war auch der Beginn des Abstieges der Grünen. Ganz einfach, jeder Wähler wünscht die Partei, die er wählt in der Regierung wieder zu finden. Die Herren Öllinger und Kogler hätten nur ein wenig ihre linksgedrallte Ideologie einbremsen müssen. Als der kleinere Partner kann man eben nicht alles haben. Das hätten auch die Grünwähler verstanden, nur Öllinger und Kogler haben es nicht verstanden.

Den Rest des Grünenabstieges besorgte dann die Emanzentruppe rund um Glawischnig. Voggenhuber wurde ausgebootet, aber von Lunacek hört man nichts, nur als typisches Beispiel. Das ist die Malaise der Grünen, von der sie sich so schnell nicht wieder erholen werden. Charakteristisch für den gegenwärtigen Zustand der Grünen, Van der Bellen muß den Wiener Wahlkampf retten, das aber ist aussichtslos.

Die Hoffnung für Österreich: Rot und Schwarz bauen bei der nächsten Wahl so ab, daß in beiden Parteien die Großkoalitionäre mit nassen Fetzen davongejagt werden, weil sie deutlich erkennbar versagt haben.

Gast: MH
08.08.2010 13:37
1 0

Verhinderung roten (Wahl-)Debakels und Debatte um aktuelle Probleme

sind ja Sinn der medialen Auferstehung Jörg Haiders!

Und WahlGESCHENK der Medien an die SPÖ sind diese Art der "Bericht"erstattung nicht, sondern meist teuer bezahlte Kampagnen und linke Blattln mit gut bezahlten linken "Chef"redakteuren durch die SPÖ allerdings aus dem Steuertopf...


Gast: Soferne
08.08.2010 09:37
0 0

die Saddam Hussein Gadaffi Blase

nicht vor dem 10.Oktober platzt

Gast: Lukas
07.08.2010 20:45
3 0

ein Wahlgeschenk der Journalisten an SPÖVP

ist die Scheindebatte über blau-orange. Schwarz-blau war für die SPÖ ein fürchterlicher Tabubruch und sie wehrte sich mit ebenso fürchterlicher Fundamentalopposition und schreckte auch nicht davor zurück Österreichs Ansehen in der Welt zu beschädigen. Die Sanktionen der EU waren so eine Folge. Der SPÖVP-Filz, mit deren Vorfeldorganisationen, den Bünden und Kammern ist nur in einer großen Koalition möglich. Jede andere Koalitionsmöglichkeit wird deshalb verteufelt und Österreichs Einheitsmedienlandschaft unterstützt diese Vernaderung nach besten Kräften. Für läppische Presseförderung und Großinserate von SPÖVP erlauben wir uns die schwächste Regierung aller Zeiten...

Antworten Ilka
09.08.2010 10:56
1 0

Re: ein Wahlgeschenk der Journalisten an SPÖVP

"Jede andere Koalitionsmöglichkeit wird deshalb verteufelt und Österreichs Einheitsmedienlandschaft unterstützt diese Vernaderung nach besten Kräften. Für läppische Presseförderung und Großinserate von SPÖVP erlauben wir uns die schwächste Regierung aller Zeiten... "

Wie wahr! Stimme voll zu!

Glaube, schätze, hoffe aber, dass immer mehr mündige Wähler dieses offensichtlich "Spiel" durchschauen!

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