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Einseitige Betrachtung

21.08.2010 | 18:17 |  von Martina Salomon (Die Presse)

Oft lohnt ein zweiter Blick, um politische und mediale Empörungswellen als Sturm im Wasserglas zu entlarven.

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Skandal: Zwei Drittel der Hausarbeit werden von Frauen erledigt. Das zeigt eine Studie, die letzte Woche vom Frauenministerium veröffentlicht wurde. Es stimmt schon: Die Zahl der genialen männlichen Haubenköche in privaten Haushalten ist deutlicher gestiegen als die Zahl der Ehemänner, die Mistkübel raustragen und Staub wischen. Trotzdem ist diese Umfrage bei näherer Betrachtung ein wenig tendenziös. Gemessen wurden Einkaufen, Kochen, Putzen, Wäschewaschen usw. Aber was wäre, wenn Hausbau, Glühbirnenwechseln, Ikea-Kästen zusammenbauen, Computer reparieren und Auto in die Werkstatt bringen auch mitgezählt worden wären? Klar: Die Haushaltszeituhr würde immer noch in Richtung der Frauen ausschlagen – aber wohl nicht mehr ganz so dramatisch.

Leise Zweifel beschleichen einen auch bei der Berichterstattung über die Studie eines Salzburger Zukunftsforschers, wonach die Österreicher mehr fürs Auto als für Kinder ausgeben – ebenfalls letzte Woche präsentiert. Böse Konsumgesellschaft! Aber in Wahrheit ist es völlig sinnlos, das eine mit dem anderen zu vergleichen. Die Dinks – double income no kids – sind sicherlich interessantere Kunden für die hochpreisige Autoindustrie als Menschen mit Kindern. Jede Wette, dass Eltern im Laufe ihres Lebens durchschnittlich mehr für ihren Nachwuchs als für den fahrbaren Untersatz ausgeben! Außerdem sei eine ketzerische Frage erlaubt: Zählen die Kosten für das Auto, das man dem Studentensohn finanziert, nun zu Kinder- oder zu Autokosten?

Doch auch die politische Empörung verläuft häufig recht einseitig, aktuelles Beispiel: Es ist richtig, dass das BZÖ in der Bundesregierung und im Land Kärnten öffentliche Gelder für Parteiwerbung unverschämt missbraucht hat – man erinnere sich nur an die orange eingefärbten Sozialminister-Sujets der BZÖ-Minister. Doch andere Parteien haben keine reinere Weste, nur weil sie weniger plump agieren: So steigt vor jeder Wien-Wahl die Zahl der SPÖ-Stadträte, die in Boulevardmedien die Leistungen der Stadt in den strahlendsten Farben anpreisen. Manches ist als Inserat gekennzeichnet, manches wahrscheinlich mit „redaktioneller Unterstützung“ erkauft. Wer ist nun gut – und wer böse? Das Leben ist leider nur selten schwarz-weiß, auch wenn das sowohl politische Kampagnen als auch die mediale Berichterstattung darüber sehr erleichtern würde.

martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2010)

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2 Kommentare
periskop
27.08.2010 15:37
0 0

Frau Salomon trifft wieder einmal den Nagel auf den Kopf!


Gast: Burgos
25.08.2010 05:34
0 0

Gratuliere!

Ich muss Ihnen wieder gratulieren, Ihr Talent zu differenzierten Betrachtungsweisen bereichert den österreichischen Journalismus enorm. Danke, und bitte fördern sie andere die auch dazu in der Lage sind. Denn was man sonst alles vorgesetzt bekommt...

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