25.05.2012 13:10 | Meine Presse Merkliste 0

Gibt es ein Leben nach der Politik?

28.08.2010 | 18:21 |  von Martina Salomon (Die Presse)

Österreich schwankt bei den Jobs für Expolitiker zwischen Versorgung und Verdammung.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In den Bundesländern funktionieren solche Rochaden meist völlig geräuschlos: Politfunktionäre wechseln bevorzugt in Energieversorgungsbetriebe, wie zum Beispiel der frühere oberösterreichische SPÖ-Chef Erich Haider oder der ehemalige FPÖ-Politiker Mathias Reichhold. Ex-NÖ-Landesrat Ernest Gabmann (ÖVP) wiederum wurde über Nacht Flughafen-Vorstand.

Doch jetzt stört plötzlich jemand diese reibungslose Jobmaschinerie: Voestalpine-Chef Wolfgang Eder verweigert der 33-jährigen SPÖ-Nachwuchshoffnung Christian Forsterleitner einen Posten, der ihm offenbar schon versprochen war. Die Landes-SPÖ tobt. Der Politiker wollte sich mit einem auf zwei Jahre befristeten Voest-Job offenbar für höhere politische Weihen empfehlen. Aber ein börsenotiertes Unternehmen könne es sich nicht leisten, den Anschein zu erwecken, dass es politischen Parteien verpflichtet sei, sagte Eder. Das ist wahr – und eine ziemlich unösterreichische Ansage. Andere Firmen sind da weit weniger jungfräulich, weil das für künftige Aufträge meist nicht von Schaden ist.

Grund zum Jubeln – oder zum Verdammen – gibt allerdings weder das eine noch das andere Modell. Denn wir wollen doch auch nicht Berufspolitiker, die ihr Leben lang keinen anderen Job ausüben (dürfen)? Vor allem ehemalige Spitzenpolitiker tun sich schwer, anderswo Fuß zu fassen. Wolfgang Schüssel und Wilhelm Molterer könnten ihre Fähigkeiten sinnvoller einsetzen als parlamentarische Hinterbänkler zu sein.

Es gibt keine geordneten Ein- und Ausstiegsszenarien für die Politik – mit unheilvollen Auswirkungen auf den Politiknachwuchs. Wer wohlbestallter Manager oder Freiberufler ist, muss verrückt sein, sich einen Politjob anzutun. Hier gilt man in null Komma nix auf dem Arbeitsmarkt als unvermittelbar – und ist damit auch abhängig von der Politik. Folgerichtig regieren nun Berufspolitiker, Beamte und Sozialpartnerfunktionäre. Wer das schrecklich findet, darf sich nicht gleichzeitig darüber aufregen, dass Politiker in der Wirtschaft auftauchen – etwa bei Hans-Peter Haselsteiners Strabag oder Frank Stronachs Magna. Nicht in Ordnung ist allerdings, wenn (staatsnahe) Firmen von Parteien als Recruiting-, Gehaltsstelle und Zwischenbahnhof missbraucht werden – am besten gleich in guter alter rot-schwarzer Proporzmanier. Politiker sind keine besseren Menschen – aber auch keine schlechteren.

martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Tom93
01.09.2010 13:19
0 1

gibt es ein leben nach salomon?

für die presse: vielleicht
für den kurier: hoffentlich! je nachdem wie stark martina s. ihre manien und fixierungen in die blattlinie einfließen lassen können wird. ich drücke dem kurier die daumen, bisher war er eine ganz brauchbare zeitung, und wenn er die salomon überlebt, dann kann ihn wahrscheinlich nichts mehr umbringen!

Antworten modestus
04.10.2010 18:08
0 1

Re: gibt es ein leben nach salomon?

trottel

Antworten Antworten Tom93
05.10.2010 10:50
0 1

Re: Re: gibt es ein leben nach salomon?

das kompliment kann ich gerne zurückgeben.

ihr schreibstil wird übrigens immer brillanter! gratuliere!

Antworten Antworten Antworten modestus
05.10.2010 13:49
0 1

Re: Re: Re: gibt es ein leben nach salomon?

es war der versuch mit ihnen auf ihrem niveau zu kommunizieren.

Antworten Antworten Antworten Antworten Tom93
05.10.2010 14:17
0 1

Re: Re: Re: Re: gibt es ein leben nach salomon?

leider werden sie nie irgendein "niveau" erreichen - weder meines noch sonst irgendeines.


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten modestus
05.10.2010 16:39
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: gibt es ein leben nach salomon?

ihr niveau zu erreichen ist schier unmöglich...es sei denn man fährt in den hades..tiefer geht es wohl nicht mehr

nicht feststellen kann ich, ob sie nur ein dummer parteibloger sind, oder ob sie eine auto-obsession plagt

Gast: gastgast12122
01.09.2010 11:38
0 0

Versorgung

Die Qualifikation und nicht irgendeine Protektion sollte in JEDEM Fall auschlaggebend sein.

Mehr Salomonisch:

  • Aufgeschnappt: Neues von Rot und Schwarz
    Neues von Rot und Schwarz. Rochade Wehsely/Schieder? Geht Burgstaller nach Wien? Und wie kommt das Häupl-Plakat der ÖVP an?
    Im Reich des Bösen
    Großbauern, Föderalismus, Eurofighter, Reiche: Wen die Österreicher gar nicht mögen.
    Frauen an die Macht
    Aufholjagd oder Rückschlag? Warum Mädchen in Österreich manchmal nach Amerika schauen sollten.
  • Einseitige Betrachtung
    Oft lohnt ein zweiter Blick, um politische und mediale Empörungswellen als Sturm im Wasserglas zu entlarven.
    Firlefanz-Interviews
    Der Hochsommer bringt sinnlose journalistische »Beiwagerln« bei Politikergesprächen.
    Wahlgeschenk für die SPÖ
    Das blau-orange Debakel verhindert eine Auseinandersetzung mit rot-schwarzem Filz.
  • Durchgecheckt
    Durchgecheckt. Sind wir noch zu retten? Aber sicher. Wir sorgen ja vor.
    Politisch korrekt
    Wer gegen Aids und für Arigona Zogaj demonstriert, kann kein schlechter Mensch sein.
    Wozu ein Heer?
    Zum lustigen Panzerfahren, Schneeschaufeln, Zeittotschlagen? Österreich drückt sich um eine Debatte.

Top-News