Frauen an die Macht

Aufholjagd oder Rückschlag? Warum Mädchen in Österreich manchmal nach Amerika schauen sollten.

Aus den USA kommen interessante Nachrichten: Junge (allerdings kinderlose) Frauen zwischen 20 und 30 Jahren verdienen in zahlreichen amerikanischen Städten mehr als die Männer. Ein Trend, der sicher auch nach Österreich kommt: allerdings nur für gewisse Sozialschichten. Viele Mädchen wirken ausgeschlafener als ihre männlichen Schulkollegen, haben klarere Berufspläne, sind bereit, härter an sich zu arbeiten. Auch hierzulande haben die Frauen die Männer bei Matura- und Uni-Abschluss schon überholt. Warum befindet sich Österreich in Sachen Lohnschere dennoch im Schlussfeld der OECD-Staaten? Das dürfte drei Ursachen haben: das Bildungssystem, die in Österreich besonders langen Kinderpausen der Mütter und die Zuwanderung. Thilo Sarrazin hat in einem wesentlichen Punkt ja recht: Wir haben - wie Deutschland - zu viele schlecht qualifizierte Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen (nach)geholt. Diese haben in den Städten Subgesellschaften gebildet, in denen Frauen wenig Rechte, dafür aber viele Kinder haben.


Und die jungen Akademiker - männlich wie weiblich? Es fehlt die Zeit für Kinder, oder der passende Partner, oder die Entscheidung wird aufgeschoben, bis es zu spät ist. Vielleicht bekommt man auch nur ein einziges, gut behütetes Kind. Selbst mit wenig Begabung hat es beste Chancen. Gescheite Kinder von nicht bildungswilligen Eltern haben es hingegen im heimischen Schulwesen deutlich schwerer. Handelt es sich womöglich um streng muslimische Eltern, dann sind die Bildungs- und Berufsperspektiven der Mädchen überhaupt im Keller.


Bevor also das große feministische Gejammere über die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen am heimischen Arbeitsmarkt losbricht, muss man nüchtern feststellen: Es liegt auch an den Familien, die sich für ihre Töchter keinen anderen Job als Mutter oder Friseurin vorstellen können. Es liegt auch an den Frauen, die Studien wählen, die schlechtere Zukunftsaussichten bieten. Die jetzt zwanzigjährigen Mädchen scheinen da schon etwas klüger zu sein - zumindest jene aus der Mittel- und Oberschicht. Und die Mädchen aus der (migrantischen) Unterschicht? Kopftuch wegwerfen, lernen, sich von der Familie emanzipieren - und etwas von den selbstbewussten jungen Amerikanerinnen abpausen!


martina.salomon@diepresse.com

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