12.02.2012 05:59 | Meine Presse Merkliste0

Was heißt hier Ausländer?

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Manche politischen Auseinandersetzungen bekommen schon durch die Wortwahl eine eindeutige, oft bewusst missverständliche Prägung.

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Nicht bloß Xenophobe, auch Medien, die um Ausgewogenheit bemüht sind, benutzen oft folgende Diktion: „Mehr als die Hälfte der Kinder in Wiener Volksschulen sind nicht deutscher Muttersprache”, womit assoziiert werden soll, sie seien des Deutschen nicht mächtig. Schon gedeiht das „Ausländerproblem”.

Tatsache ist: Der überwiegende Teil jener Wienerinnen und Wiener, bei denen zu Hause auch z.B. türkisch, serbokroatisch oder ungarisch gesprochen wird, beherrscht selbstverständlich ebenso das Deutsche. Zweisprachig aufzuwachsen, also die Muttersprache so zu beherrschen wie Deutsch, ist für viele längst kein Problem.

Wenn in Wiens teuerster Schule, der „international school” bei der UNO-City der größte Teil der Diplomatenkinder nicht Deutsch kann, schreit auch niemand „Ausländerghetto”. Offensichtlich handelt es sich viel mehr um ein Klassen-, als um ein Ausländerproblem.

Hier soll nicht verniedlicht werden. Wenn tatsächlich, und diese Fälle gibt es leider, ein großer Teil von Kindern in einigen Volks- oder Hauptschulen der deutschen Sprache nicht mächtig ist, so können Lernfortschritte sehr schwer erzielt werden. Jedoch: Die Anzahl dieser Kinder bewegt sich in der ersten Klasse Volksschule bei deutlich weniger als 20 Prozent.

Und vor allem: Dieses Sprachdefizit muss und kann behoben werden. Dass es geht, beweisen engagierte Lehrerinnen (es sind überwiegend Frauen). Wer sträflich versagt, ist die Politik. Hätte man in den letzten Jahren ausreichend Sprach- und Stützlehrer/innen eingestellt, diesen Bereich als zentrale Investitionsaufgabe des Staates verstanden und Gelder bereitgestellt, jedem „Ausländerwahlkampf” wäre die Grundlage entzogen.

Denn in der Tat ist es die Schule, wo gemeinsam gelernt, und selbstverständlich auch Deutsch erlernt werden muss. Deswegen müsste Alfred Gusenbauer heftiger als für seinen Studiengebührenumfaller dafür kritisiert werden, dass er sich für den Schulbereich in den Koalitionsverhandlungen mit läppischen 35 Mio. abspeisen ließ.

Das ist schon für den Integrationsbereich viel zu wenig.


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2007)

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2 Kommentare
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Kraut und Rüben wirr vermischt

Die "International School" wird primär von Diplomatenkindern aus allen Herren Länder frequentiert. Deren GEMEINSAME Unterrichtssprache ist Englisch; denn das versteht dort jeder! Zudem ist der Aufenthalt dieser Kinder in Österreich zeitlich begrenzt; nach einigen Jahren ziehen ihre Eltern ganz wo anders hin! Als "Beispiel" für Chorherrs Argumentaton nützen sie jedenfalls wenig! Die türkischen Immigrantenkinder hingegen BLEIBEN für eine sehr, sehr lange Zeit bei uns! Und dennoch wird ihr Deutsch immer schlechter, je größer diese Community wird: Man bleibt einfacht unter sich; weil man sich dadurch auf keine neue (unislamische) Kultur einlassen muß. In klassischen Auswanderländern brechen die Zugereisten mehr oder weniger die Brücken zu ihrer Hiemat ab. In Europa lesen sie türkische Zeitungen und sehen türkische TV-Sender. Ihre Frauen holen sie aus der Türkei, bzw. werden Mädchen in der Heimat verkuppelt. Auf diese Weise werden die Immigranten NIE echte Österreicher, Herr Chorherr!

Gast: Austriacus
28.02.2007 13:51
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Bemühtes Gutmenschentum

hilft in der Sache wenig.
Es geht nicht darum, wie viel Prozent laut Statistik Deutsch behrrschen oder nicht, sondern darum, wie es in der Realität aussieht.
Wer nicht Deutsch beherrschet, kommt in der Schule nicht mit. Wer sowieso nicht mitkommt, stört, sodass die anderen nicht weiterkommen. Von "kulturellen Prägungen", d.h. einem anderen Verhältnis zwischen den Geschlechtern, einem anderen Verhältnis zu Macht und Gewalt überhaupt abgesehen.
Herr Chorherr täte gut daran, seine Ideale nicht für die Wirklichkeit zu halten und von seinem hohen Ross herabzusteigen. Die Menschen klagen nicht über Probleme, weil sie "xenophob" sind, sondern weil es Probleme gibt (in der Realität, nicht in ideologisch gefärbten Traumwelten).
Davon abgesehen, sehe ich durchaus ein, dass Menschen einwandern, weil sie sich hier eine bessere Zukunft erhoffen. Dass ihre Integration eine Dienstleistung ist, die die österreichischen Steuerzahler in unbegrenztem Ausmass zu finanzieren haben, sehe ich nicht ein

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