08.11.2009 12:19 | Meine Presse Merkliste0

Schicksal Kindergarten

von Christoph Chorherr (DiePresse.com)

Ypsilanti ist ein kleiner Ort in den USA. Dieser kleine Ort hat mit einem Bildungsexperiment Geschichte geschrieben, dessen Ergebnis eigentlich alle Erziehungsysteme verändern sollte.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Das kam so: Anfang der 60er Jahre startete das “Perry Preschool Project”, das leider noch immer viel zuwenig bekannt ist. Man identifizierte 123 Kleinstkinder aus afro-amerikanischen Elternhäusern. Deren Mütter hatten oft keine Arbeit, viele waren alleinerziehend, wenig gebildet und hatten oft die Schule abgebrochen.
Diese 123 Kinder teilte man dann in zwei Gruppen.Die eine Gruppe der Drei- und Vierjährigen erhielt eine hervorragende Bildung in einem Kindergarten. Die anderen gingen schlicht ihren gewohnten Weg. Diese Kinder, heute sind sie schon in ihren 50ern wurden auf ihrem Lebensweg beobachtet. Die Unterschiede sind gewaltig:

Jene, die vorschulische Erziehung genossen, wurde später deutlich seltener kriminell, erzielten höhere Schulabschlüsse, verdienten mehr Geld und hatten halb so oft Drogenprobleme wie die anderen.

James Hackmann, Nobelpreisträger für Ökonomie aus dem Jahr 2000 wollte erst diesen Zahlen nicht trauen. Heute weist er auf einen weiteren Aspekt hin.
Für jeden Dollar, der hier investiert wurde, kamen mehr als 15 Dollar zurück: geringere Ausgaben für Gefängnis und Arbeitslose, und vor allem höhere Steuereinnahmen durch bessere Einkommen.

Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit: Es gibt keine wirksamere soziale Massnahme, als Kleinkindern aus bildungsfernen Schichten in qualtitätsorientierten Kindergärten Bildung zu ermöglichen. Niederschmetternd ist, dass dies heute nicht der Regelfall sondern die Ausnahme darstellt. Denn eines zeigt unser Bildungsystem mit ungeheurer Brutalität:Sag mir den Bildungsstand deiner Eltern, und ich sage dir, wie dein Bildungsweg verlaufen wird.
Klar: Kindern, denen vorgelesen und mit denen Gespräch geführt werden, haben andere Startchancen, als jene, wo nur der Fernseher “erzieht”.
Diese Unterschiede könnnen vom Schulsystem zementiert werden, wie derzeit, oder, siehe Ypsilanti, abgemildert werden.

Verfehlt ist eine Kindergartendebatte, die ausschliesslich den (sicherlich auch wichtigen) Betreuungseffekt nicht jedoch den Bildungsstandard dieser so wichtigen Institution in den Mittelpunkt stellt.

PS: Genaue Daten zu diesem Experiment finden sich auf meinem Blog: chorherr.twoday.net

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
0 0

Schreibt da der Chorherr?

Oder bezahlt er hier wen fuer's schreiben, und liest es vor der Abgabe in der Redaktion nicht durch?

Ich haette mir naemlich nur sehr schwer vorstellen koennen, mit ihm einmal uebereinzustimmen. Und hier hat er vollkommen recht.

Mehr Stadtplan:

Top-News