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Joschka for President

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Der Unterschied könnte nicht größer sein.

Hier die USA: Der zukünftige Präsident wird nach einem Wahlkampf gekürt, der von Leidenschaft geprägt ist. Wer sich für einen Kandidaten engagiert, wird aktiver Teil einer Wahlbewegung. Vor allem das Internet ermöglicht es, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und andere zu überzeugen. Vor allem Obamas Kandidatur hat eines erreicht: Eine Jugend, die als politikverdrossen galt, meldet sich zu Wort. Politik ist wieder „in“.

Und Europa? Wie war es hier geplant, den „Ratspräsidenten“ zu küren? Irgendwo zwischen Paris, Berlin und Brüssel hätten Regierungschefs eine Person, die ihnen politisch gepasst hätte, gekürt. Nach dem Nein der Iren ist es ohnehin hinfällig.

Bezeichnend war der Schwerpunkt der öffentlichen Debatte über diesen neuen Ratspräsidenten in Österreich. Nicht das absurd vordemokratische Verfahren war Thema, sondern die Frage, ob „unser“ Schüssel dabei Chancen hätte.

Deswegen wäre das der wichtigste Schritt einer Demokratisierung der EU: Die Wahl eines Präsidenten: 400 Mio. EU-Bürger wählen zwischen einem konservativen Polen, einer sozialdemokratischen Irin, einem französischen Liberalen und einem grünen Deutschen „ihren“ Präsidenten. Für den Grünen ein Vorschlag: Joschka Fischer, europäischer Visionär und begnadeter Redner. Mehrsprachige Wahlauftritte in allen Ländern, grenzüberschreitende Kampagnen, Außenpolitik wird Innenpolitik.

Und die Verfassung? Ja, das demokratische Europa braucht eine. Aber nicht durch 27 Volksabstimmungen, sondern durch eine europäische. Am selben Tag, gleichzeitig in allen Ländern. Sagt die Mehrheit ja, gilt sie. Wenn nein, bleibt die EU ein Elitenprojekt wie bisher.


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2008)


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1 Kommentar
 
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Von Gast: Bösewicht am 23.06.2008 um 21:38

Joschka for President?

Bei einer Direktwahl des Präsidenten würde ich dann wohl für den Herrn Westenthaler votieren. Dafür gibt es mindestens drei Gründe:
* Herr Westenthaler kommt nicht aus einem Umfeld mit terroristischer Vergangenheit und hat auch selbst nie öffentlich randaliert und Polizisten verprügelt.
* Herr Westenthaler hat nie versucht, eine demokratisch gewählte Regierung abzuerkennen, weil er es halt besser gewusst hat als das Wahlvolk. Und Sanktionen gegen ein Land mit einer demokratisch gewählten Regierung hat Herr Westenthaler auch niemals gefördert und sich aktiv daran beteiligt.
* Und schließlich ist das intellektuelle Niveau des Herrn Westenthaler ein Hochhaus über dem des im Artikel genannten Favoriten - auch wenn Herr W. in der Rige der österreichischen Parteichefs womöglich nur den 5 Rang belegt.

Grün ist totalitär. Herr Joschka ist DER Protagonist für dieses Gedankengut.

 
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