08.11.2009 12:12 | Meine Presse Merkliste0

Geschenk der Euro: Ring frei

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Kann sich noch jemand Staus in der Kärntner Straße vorstellen?

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Frage: Was haben Österreichs größter Streiktag, heftiger Schneefall sowie die Euro 08 gemeinsam? Antwort: die total unterschätzte Intelligenz der Autofahrer.

Die EM ist vorbei, der Ring ist seit Wochen für den Autoverkehr gesperrt, ein heilloses Chaos, kilometerlange Staus wurden vorhergesagt, und was davon trat ein? Nichts. Wie von plötzlicher Weisheit geleitet, stiegen viele Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel um, holten ihr Fahrrad aus dem Keller oder wichen großräumig aus.

Warum erkennen Stadtrat Schicker und Bürgermeister Häupl eine Grundeigenschaft urbanen Verkehrs nicht: Dieser ist unglaublich flexibel. Erinnern wir uns an jenen Tag vor ein paar Jahren, als sowohl die ÖBB als auch die Wiener Linien streikten. Jetzt, aber jetzt müsse doch, so damals einhellig alle Experten, das Megachaos ausbrechen. Ergebnis: Menschen fanden sich entweder zu Fahrgemeinschaften zusammen, gingen zu Fuß und vor allem: Sie stiegen zu Tausenden aufs Rad um. Bis heute ist dieser Tag unerreichte Spitze der Wiener Fahrradnutzung, der Megastau blieb aus.

Ähnlich diese unglaubliche Flexibilität an schneereichen Wintertagen. Parkplätze sind von Schneehaufen verstellt, in vielen steilen Straßen gibts kein Weiterkommen, weil notorische Sommerreifen-Nutzer hängen bleiben und diese verstopfen. Und die Folge: Die Menschen stellen sich darauf ein, lassen ihr Auto stehen und steigen in die Öffis um. Folge auch hier: Der Autoverkehr geht drastisch zurück.

Deswegen sollen, nein, müssen wir dieses wunderbare Geschenk der Euro annehmen: Eine vom Autoverkehr befreite Ringstraße, die natürlich nicht von Zäunen umgrenzt, für Fußgänger, Radler, Kinder, Touristen und natürlich die Straßenbahn geöffnet ist. Die Universität, das Parlament sind endlich wirklich mit der Stadt verbunden: Ungefährdet können Fußgänger den Ring queren. Das jetzt mögliche Flanieren mitten auf der Ringstraße eröffnet ein völlig neues Wien-Gefühl, das man bisher nur auf der Prater-Hauptallee hatte.

Und der Autoverkehr? Verneigen wir uns vor der Intelligenz und der Flexibilität der Autofahrer. Sie haben sich darauf eingestellt. Nur ein bisschen Fantasie und Mut ist nötig: Dann wird es bald dem Ring so ergehen wie der Kärntner Straße. Niemand wird sich mehr vorstellen können, dass hier einmal Autos zu Tausenden gestaut haben.


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)

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7 Kommentare
Gast: CE
30.06.2008 21:41
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Dämlicher Vorschlag,...

genauso dämlich, wie wenn jemand vor ca. 130 Jahren ein Verbot von Kutschen und Droschken (damaliger Individualverkehr) an Ring gefordert hätte. Autofahrer sind genauso Teilnehmer am Verkehrsgeschehen und haben ein RECHT am Ring unbeschränkt unterwegs zu sein wie Fussgänger, Radfahrer, Öffi-Fahrer. Die Fusswege und Radwege sind ja nicht mal jetzt ausgelastet, da bringt eine gut ausgelastete Strasse den besten Nutzen. Überall Radwege hinbauen, die vielleicht 3 Monate im Jahr halbwegs benutzt werden, ist ja auch eine ideologische Zwangsbeglückung. Überhaupt ist diese Diskussion um Autos nur eine reine Neiddiskussion. Das "Problem" ist nicht das Auto, sondern der derzeit übliche Verbrennungsmotor. Und der dürfte sich Dank des teureren Öls bald erledigt haben. Gehts dann halt mit Strom. Aber obacht: Ich warte dann nur auf die Öko-Faschisten, die dann selbstherrlich über "guten" und "schlechten" Stromverbrauch richten werden. Am besten die Chorherrs und "Knofls" nicht beachten....

joquer
01.07.2008 12:54
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Autos, Probleme

Ein Hauptproblem des Autos ist der Verbrennungsmotor, keine Frage.
Ein zweites Hauptproblem des Autos ist allerdings auch der Platzverbrauch auf Strassen und Parkplätzen - ich würde gern einmal eine Aufstellung sehen, wie groß der Anteil von primär Autos vorbehaltenen Flächen an der Gesamtheit der (urbanen) öffentlichen Flächen ist...

Antworten Antworten Gast: CE
02.07.2008 22:25
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Re: Autos, Probleme

1., Klar, Autos brauchen Platz. Ich bin auch dafür zu haben, dass bei Autosteuern nicht nur Hubraum, sondern auch Länge/Breite die Steuer bestimmen. Zahlt man halt mit einem Smart keine Steuern, bei einem SUV mehr. Das macht Sinn, nicht ein dämlich ideologisches Hinhauen aufs Auto. 2., Es ist ja nicht so, dass Autofahren und Autohalten gratis sind. Da zockt der Staat über MÖSt, USt, Parkgebühren, Versicherungsteuer, etc. etc. ordentlich mit. Also wird für die Benutzung des öffentliches Raums SEHR WOHL von jedem Autobesitzer gezahlt. Das die Bezahlung nicht direkt zurechenbar ist, ist ein Problem, da sich Feinde des Individualverkehrs scheinheilig hinstellen und meinen, für den öffentlichen Raum wird ja nichts bezahlt! Soll doch der Hr. Chorherr mal schlau erklären, wie dann die Radfahrer, nachdem Autos verboten wurden, den Staat Ö finanziell am Leben halten! Da werden Steuern aufs Radln eingeführt, so schnell kann keiner schauen, schon gar ned der Hr. Chorherr.

Gast: Bösewicht
29.06.2008 20:33
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Homo insanis insanis

Man könnte den privaten Autoverkehr überhaupt verbieten. Dann würden gar keine Autos mehr fahren. Leidet Herr C. an Morbus Knoflacherensis?

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Re: Homo insanis insanis

nein, er hat vollkommen recht, auf manchen straßen braucht man einfach keine autos, das zerstört die lebensqualität

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vor der Intelligenz

( mancher ) Autofahrer kann man sich verneigen, aber vor der des bereits etwas senilen Schreiber(ling)s ????

Antworten Gast: radfahrer
30.06.2008 09:02
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Re: vor der Intelligenz

was ist senil an zukunfts gewandter verkehrspolitik, wie sie chorherr formuliert. was spricht gegen einen autofreien ring? was gegen eine autofreie mariahilferstr? haben sie irgendwelche argumente?

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