08.11.2009 00:28 | Meine Presse Merkliste0

Stadtplan: Ach, wir Wiener

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Würde nicht die Weltwirtschaftskrise die Medien dominieren, hätte dies vorige Woche für Schlagzeilen gesorgt.

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t: Die renommierte Internationale Energieagentur trat mit drastischen Warnungen in ihrem mit Spannung erwarteten „World Energy Outlook“ an die Öffentlichkeit.

Das Tempo, mit dem sich die Ölproduktion in den bestehenden Feldern erschöpft, ist deutlich höher als bisher angenommen. „Wenn der Energieverbrauch so weiterwächst, bräuchten wir vier weitere Saudiarabien“, meinte Fatih Birol, Chefökonom der IEA.

Bei der Weltfinanzkrise fragen heute viele zu Recht, ob man das nicht hat kommen sehen. Man hat. Nur wurden die offensichtlichen Zeichen an allen möglichen Wänden negiert.

Jetzt sind alle betäubt vom deutlich gefallenen Ölpreis. Womit einmal mehr belegt ist, dass die Weltmärkte ausschließlich kurzfristig orientiert sind. Wer ein bisschen nachrechnet, weiß: Die nächste Ölpreisrallye nach oben ist nur eine Frage der Zeit. Denn: Der weltweite Autobestand wird weiter deutlich wachsen. Erst recht, wenn nächstes Jahr der indische Autoproduzent Tata seinen Nano herausbringt. Er soll weniger als 2000 Euro kosten. Heute gibt es weltweit etwa 800 Millionen. Lakonisch heißt es dazu im „Economist“: „The question is not whether the world can cope with three billion cars – but how.“ Allerdings: Woher der Sprit für eine Vervierfachung des weltweiten Autobestands kommen soll, bleibt ein Rätsel.

Schlicht zu hoffen, dass wir vier Saudiarabien finden, ist ziemlich fahrlässig. Deshalb verlangt die IEA so lautstark eine Energiewende.

Und auch die Auswirkungen aufs Klima sind ein starker Grund für eine solche Energiewende. Und deswegen ist es völlig falsch, die strengen Umweltstandards, welche die EU der Autoindustrie verordnen wollte, jetzt aufzuweichen.

Konsumenten sind da klüger: In den USA, in der EU geht der Benzinverbrauch deutlich zurück. Es wird weniger gefahren, kleinere Autos werden gekauft.

Überall?

Nein: In Wien stieg(!) der Verkauf Sprit saufender, teurer SUVs heuer so stark wie nirgendwo in Österreich. Hier in Wien berührt uns keine Krise, es lebt sich einfach gut: „Verkauft's mei G'wand, i foa in Himmel.“

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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4 Kommentare
Gast: Walter G.
17.11.2008 20:53
0 0

Kommentar von Herrn Chorherr ist falsch

Im Oktober 2008 sind in Wien auf den Plätzen 1 bis 18 der Zulassungsstatisk eher kompakte-sparsame KFZ. Erst auf Platz 19 kommt ein SUV, nämlich der VW-Tiguan. Sieht man sich die Österreich-Statistik Jänner-Oktober-08 kumuliert an, dann stellt man fest, dass erst auf Platz 21 das erste SUV aufscheint.
Wie kommt Herr Chorherr auf Grund dieser Fakten zum Schluss, dass der Verkauf von SUVs stark angestiegen ist? Das ist doch Unsinn.

Raphae1
18.11.2008 15:03
0 0

Re: Kommentar von Herrn Chorherr ist falsch



http://static.twoday.net/chorherr/images/SUV-10-2008_2-0011.jpg

Murray
17.11.2008 09:43
0 0

Das Öl reicht nur noch für vierzig Jahre

So hieß es allerdings vor dreißig Jahren, vor zwanzig und vor zehn Jahren auch. Welcher Prognose soll man also glauben? Irgendwann ist es aus, das ist klar. In der Zwischenzeit werden die Spritpreise so stark steigen, dass sich andere Formen der Energiespeicherung lohnen werden. Worin liegt jetzt das Problem?
Und im übrigen erinnert mich das an die Vorhersagen von vor 20 Jahren, die behauptet haben, das Internet könne kein Massenphänomen werden, weil die Weltkupfervorräte nicht für die notwendigen Verkabelungen ausreichen...

Raphae1
19.11.2008 14:36
0 0

Re: Das Öl reicht nur noch für vierzig Jahre

Das Problem liegt darin, dass Energie teurer wird. Warum sollten wir darauf warten, dass die OPEC die Preise drastisch anhebt bevor wir in Maßnahmen zur Energieeinsparung und die Entwicklung alternativer Energiequellen investieren? Werden uns diese Investitionen leichter fallen, wenn die Energiepreise unsere Wirtschaft bereits massiv belasten?

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