t: Die renommierte Internationale Energieagentur trat mit drastischen Warnungen in ihrem mit Spannung erwarteten „World Energy Outlook“ an die Öffentlichkeit.
Das Tempo, mit dem sich die Ölproduktion in den bestehenden Feldern erschöpft, ist deutlich höher als bisher angenommen. „Wenn der Energieverbrauch so weiterwächst, bräuchten wir vier weitere Saudiarabien“, meinte Fatih Birol, Chefökonom der IEA.
Bei der Weltfinanzkrise fragen heute viele zu Recht, ob man das nicht hat kommen sehen. Man hat. Nur wurden die offensichtlichen Zeichen an allen möglichen Wänden negiert.
Jetzt sind alle betäubt vom deutlich gefallenen Ölpreis. Womit einmal mehr belegt ist, dass die Weltmärkte ausschließlich kurzfristig orientiert sind. Wer ein bisschen nachrechnet, weiß: Die nächste Ölpreisrallye nach oben ist nur eine Frage der Zeit. Denn: Der weltweite Autobestand wird weiter deutlich wachsen. Erst recht, wenn nächstes Jahr der indische Autoproduzent Tata seinen Nano herausbringt. Er soll weniger als 2000 Euro kosten. Heute gibt es weltweit etwa 800 Millionen. Lakonisch heißt es dazu im „Economist“: „The question is not whether the world can cope with three billion cars – but how.“ Allerdings: Woher der Sprit für eine Vervierfachung des weltweiten Autobestands kommen soll, bleibt ein Rätsel.
Schlicht zu hoffen, dass wir vier Saudiarabien finden, ist ziemlich fahrlässig. Deshalb verlangt die IEA so lautstark eine Energiewende.
Und auch die Auswirkungen aufs Klima sind ein starker Grund für eine solche Energiewende. Und deswegen ist es völlig falsch, die strengen Umweltstandards, welche die EU der Autoindustrie verordnen wollte, jetzt aufzuweichen.
Konsumenten sind da klüger: In den USA, in der EU geht der Benzinverbrauch deutlich zurück. Es wird weniger gefahren, kleinere Autos werden gekauft.
Überall?
Nein: In Wien stieg(!) der Verkauf Sprit saufender, teurer SUVs heuer so stark wie nirgendwo in Österreich. Hier in Wien berührt uns keine Krise, es lebt sich einfach gut: „Verkauft's mei G'wand, i foa in Himmel.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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