23.02.2012 11:54 | Meine Presse Merkliste 0

Stadtplan: Big Teacher statt Big Brother

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Es gibt sie, die wirklich guten Lehrer, sie gehören dorthin, wo die Schwächsten sind.

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Das Experiment war umstritten, sein Ausgang überraschend und ermutigend. Die öffentlich-rechtliche schwedische Fernsehanstalt SVT suchte eine Problemklasse einer 9. Schulstufe mit schlechten Leistungen, häufigen Absenzen, geringer Motivation, mangelhafter Disziplin. Sie wollten zeigen, was „wirklich gute Lehrer” zu leisten imstande sind. In einem Verfahren wurden neun hervorragende Lehrer ausgesucht, die für ein halbes Jahr alle bisherigen ersetzten. Der Unterricht wurde gefilmt und ausgestrahlt.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Waren die Schülerleistungen, welche in Schweden durch einheitliche Prüfungen vergleichbar sind, inferior, steigerten sie sich nach einem halben Jahr zu einem der besten Resultate des Landes. Die Fernsehserie erzielte unglaubliche Einschaltquoten, v.a. der Mathematiklehrer stieg zum Kultstar des Landes auf. Die vielleicht wichtigste Konsequenz: Eine breite Bildungsdebatte, was „guter” Unterricht bzw. ein „wirklich guter Lehrer” eigentlich ist. Nun mag man streiten, was den größeren Einfluss auf die deutliche Leistungssteigerung ausgeübt hat, die hervorragenden Pädagogen oder die Präsenz der Fernsehkamera. Zweitere hatte einen zentralen Effekt: Bisher marginalisierte Jugendliche wurden wahr- und ernst genommen. Auch Lehrer meinten, dass weniger der Lehrstoff als der Aufbau von Selbstbewusstsein zu den wichtigsten Zielen gehörte. Vielen wurde durch diese Serie erst klar, wie schwierig Menschenbildung in Wirklichkeit ist. Wie sehr hebt sich dieses Experiment und die Debatte vom heimischen Gezänk ab! Die Botschaft des Experiments ist eindeutig: Es gibt sie, die „wirklich guten Lehrer”, und sie gehören vor allem dorthin, wo die schwächsten Schüler sind. Viel spräche dafür, dieses Experiment in einer Wiener Hauptschule zu versuchen. Statt „Starmania“ werden vor Publikum die besten Lehrer ausgesucht. Allein dies könnte unsere Bildungslandschaft verändern.

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2009)

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2 Kommentare
Murray
27.03.2009 08:40
0 0

Der Untergang des Abendlandes

Warum gehen junge Menschen in die Schule? Zum einen können sie während des Unterrichts anderswo keinen Unsinn anstellen, zum anderen könnten sie auf die Idee kommen, einmal ihr Gehirn einzuschalten und selbständig zu denken (rein hypothetisch).
Worin besteht die hier suggerierte Lösung? Man nehme den richtigen Anführer und alles wird gut. Hier ist es ein Lehrer, in den USA ein Barack Obama. Früher waren es halt ein Benito, ein FDR, ein Adolf, ein Jossif. Hauptsache, man hat jemanden zum Nachlaufen.
Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt.

Gast: Corvus
24.03.2009 11:08
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Die Idee ist gut...

Aber die guten Lehrer gehören nicht (nur) dahin, wo die schlechtesten Schüler sind. Gute Lehrer gehören überall hin, denn auch gute Schüler haben sich gute Lehrer verdient!

Dass es viele sehr gute und engagierte Lehrer gibt, steht außer Zweifel. Die Frage ist, wie finden wir die "schlechten" Lehrer, und was tun wir mit ihnen?

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