Stadtplan: Neue Plätze für die Stadt

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Wir Wiener lieben Plätze, soferne es sie gibt. Wir Wiener lieben Plätze, soferne es sie gibt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wer sich dieser Tage im Museumsquartier umtreibt, oder in den Innenhöfen des alten AKH verweilt, erkennt unschwer, was urbane Freiraumqualität heißt.

Plätze dieser Art gibt es jedoch viel zu wenige. Vor allem die Freiräume, die Kindern offenstehen, und Bewegungs-, Entdeckungs- und Begegnungsmöglichkeiten bieten.

Dieser mangelnde offene Raum für Kinder ist eines der Hauptargumente, warum noch immer werdende Eltern ins Umland ziehen, weil sie ihr Kind im Grünen aufwachsen lassen wollen. Damit machen sie sich zum Sklaven des Autos. Die Amerikaner haben dafür einen treffend traurigen Ausdruck gefunden. Soccermoms nennen sie jene Mütter, die für jeden Weg ihrer Kinder ins Auto gezwungen sind. Denn wo innerstädtisch Straßen- und U-Bahnen, aber auch das Fahrrad selbstbestimmte und umweltfreundliche Mobilität ermöglichen, ist so etwas im Speckgürtel unmöglich.

Gerade wegen des großen Erfolges und der unübersehbaren Akzeptanz der wenigen Wiener Plätze schreien zwei weitere danach, endlich den Bewohnern der Stadt zurückgegeben zu werden.

Da sind zum einen die wunderschönen Innenhöfe der Rossauer Kaserne. Nutzung derzeit: Überwiegend Parkplätze für Behörden jeglicher Art.

Wenige sind sich des Ausmaßes dieser Höfe bewusst. Sie haben eine Größe wie das Museumsquartier.

Ähnlich im siebenten Bezirk. Da werden die Innenhöfe der Stiftskaserne ebenso lieblos und absurd verschwenderisch als Parkplätze missbraucht, anstatt sie für die Anrainer, die in diesem Teil der Stadt über besonders wenig Frei- und Grünraum verfügen endlich zur Verfügung zu stellen.

Natürlich gibt es tausende bürokratische Gründe, warum das nicht gehen kann. Staatliche Behörden finden immer Argumente, die Notwendigkeiten aus ihrem wuchernden Innenleben begründen und müssen nachdrücklich daran erinnert werden, dass sie nicht Selbstzweck sondern dienendes Organ der Bevölkerung sind.

Die Initiative zur Öffnung muss von den Anrainern kommen, denn die Stadtregierung scheint das wenig zu interessieren. Kreative Aktionen gibt es zuhauf, um als ersten Schritt diese Freiräume ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Wenn es vor Jahrzehnten möglich war, gegen erbitterten Widerstand die Kärntner Straße und den Graben zur Fußgängerzone umzugestalten, sollte eine urbanes Lebensgefühl auch diese zwei Freiräume von Autos befreien, und dem Souverän der Stadt wieder zur zurückgeben.

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare
Gast: Ritury
24.08.2009 12:44
0

Richtig

Voellig richtig - gerade in der Stadt muss man LEBENSraum schaffen, wo die Leute einfach Mensch sein koennen, und nicht immer nur Verkehrsteilnehmer und/oder Konsument. Der Strassenverkehr der Staedte hat sicher nichts mit "Menschlichkeit" zu tun, sondern viel mehr mit eine Maschinerie.

Leider muss jede Massnahme gegen den (Auto-)Verkehr hart erkaempft werden. Und heute wehren sich die Wirtschaftsleute gegen jede Verkehrseinschraenkung, genauso wie sie vor einiger Zeit die Errichtung von Fussgaengerzonen als Todesurteil fuer die ansaessigen Laeden bekaempft haben (natuerlich voellig zu Unrecht, wie wir heute wissen).

Top-News

  • Die Post-Wende-Generation
    Welche Klammer hält die Generation unter dreißig zusammen? Wie wurde sie politisiert? Eine Nachforschung unter Jungpolitikern, aus denen noch was werden könnte.
    Generation Y: Was die Jugendlichen ausmacht
    Noch nie war die Jugend so gut ausgebildet wie heute. Dafür stehen junge Menschen unter Druck wie kaum eine Generation vor ihnen.
    Ukraine: Wahlkampf am Rand des Krieges
    In der Hafenstadt Mariupol im Süden des Donbass befürchtet man ein Überschwappen des Konflikts. Bei den ukrainischen Parlamentswahlen dürfte dem früheren Donezker Gouverneur Serhij Taruta ein Mandat sicher sein.
    Die ''Österreicher des Jahres''
    Zum elften Mal wählten die Leser der "Presse" die "Österreicher des Jahres". Hier sehen Sie die Bilder der Gala in den Sofiensälen.
    Wiener Misstöne: Schiefe Geschäfte mit der Klassik
    Ein Verein namens Mahler Philharmoniker lockte weltweit Berufsmusiker zur Fortbildung nach Österreich. Den hohen Gebühren stand wenig Leistung gegenüber. Die Organisatoren sind untergetaucht.
    Superhit "Lambada": Alles nur geklaut
    Vor 25 Jahren erreichte „Lambada“ Platz eins der österreichischen Hitliste. Das Lied war eines der dreistesten Plagiate der Musikgeschichte. Zu Besuch beim Urheber in Bolivien.
AnmeldenAnmelden