21.11.2009 15:12 | Meine Presse Merkliste0

Stadtplan: Audimax, neue Demokratie?

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Was ist eigentlich die Rolle der österreichischen Universitäten?

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Zu allen Zeiten waren Universitäten Brennpunkte gesellschaftlicher Neuerungen. Was derzeit im Audimax der Uni Wien ihr Zentrum findet, hat irreversible Veränderungen angestoßen. Endlich, und allein dafür sei den Studierenden gedankt, werden kraftvoll und lautstark die richtigen Fragen gestellt, nämlich jene nach Aufgaben und Zielen der Universität in unserem Gemeinwesen. Die Zustände sind derart unerträglich, dass es unverständlich ist, wie lange sie ertragen wurden.

Ausgangspunkt ist eine im Vergleich zu fast allen anderen reichen Industrienationen chronische Unterfinanzierung. Es bedürfte einer Milliarde Euro mehr, um an jenes Niveau anzuschließen, das international Standard ist. Aber es geht um mehr als nur ums Geld.

Als Fragen gestellt:

Muss eine Studieneingangsphase wirklich langweilig und „multiple-choice-orientiert“ sein, mit dem offensichtlichen Ziel, möglichst viele junge Menschen abzuschrecken, statt ihnen Lust aufs Denken und Forschen zu machen?

Welchen Sinn hat es, weite Teile des angehenden Uni-Personals mit prekären Dienstverhältnissen kurzzuhalten und so die Besten unter ihnen zur Emigration zu zwingen?

Wie lässt sich das Ziel, viele internationale Studierende in Österreich zu haben, ohne Qualitätseinbußen und soziale Selektion finanzieren?

Sollten nicht in allen Studienrichtungen Geistes- und Sozialwissenschaften auch als Orientierungswissen Eingang finden?

Sollten nicht statt zunehmender Verschulung wieder mehr Freiräume beim Studieren geboten werden?

Wie kann inneruniversitäre Demokratie auch im Alltag wiederbelebt werden?

Kurz: Was sind eigentlich die Rolle, die Ausgestaltung und der Stellenwert der Universitäten in Österreich?

Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig und bedarf vor allem eines: Zeit. Darum an dieser Stelle ein konkreter Vorschlag: Die Regierung ist weder willens noch fähig, eine solche Debatte sinnstiftend zu führen. Sollte da nicht das Parlament die Initiative an sich reißen und eine Enquete-Kommission gründen, die über Monate hinweg gemeinsam mit Studierenden und Lehrpersonal neue politische Grundlagen unserer Universitäten ausführlich diskutiert und am Ende ein großes Reformpaket vorlegt?

Wenn solches gelänge, könnten die Spätherbsttage 2009 als Beginn einer neuen Demokratiebewegung in die Geschichtsbücher eingehen.

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)

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5 Kommentare
Gast: Mani
06.11.2009 10:44
1 0

Danke für diesen Artikel

Herr Dr. Chorherr. Endlich einmal einer, der weiß, dass die Zukunft des Landes nicht bei der nächsten Wahl oder der nächsten Subvention endet.

Gast: Sabine
05.11.2009 12:33
0 0

Sabine

Wie Herr Chorherr so schoen sagte: "Ausgangspunkt ist eine im Vergleich zu fast allen anderen reichen Industrienationen chronische Unterfinanzierung." Aber was bis jetzt in keiner der Kommentare, Proteste, usw. erwaehnt wurde, ist dass in vielen Industrienationen das Studium auf der Uni NICHT kostenlos ist. Im Gegenteil, es kostet bedeutend mehr als die bereits abgeschafftet, sehr laeperliche Studiengebuehr die Oesterreich fuer kurze Zeit hatte (wurde so wie so fuer viele durch die Studienbeihilfe abgedeckt). Und die Oesterreicher die den Studenten Recht geben; seid Ihr bereit eine Steuererhoehung anzunehmen um das kostenlose Studium zu finanzieren?? Z.zt. duerfen Studenten von unserem Nachbarland mit der Numerus Klausus nach Oesterreich kommen und kostenlos studieren. Werden diese Studenten auch in Oesterrich ihren Beruf ausueben und brav hier zu Lande Steuern, Sozial- und Pensionsversicherung zahlen, oder bilden wir Leute auf unsere Kosten aus und ein anderes Land geniesst das Wissen und die Einnahmen? Die einzige Ausbildung die Oesterreich den Studenten/Schuelern "schuldet", ist eine allegemeine Bildung (da waeren wir wieder bei einem anderen spannenden Thema) die bis zur Matura (Maturaniveau) geht. Erkundigt Euch mal wie das so in anderen Industrienationen funktioniert, wie z.b. Kanada, und dann schaut mal weiter.

Gast: Gast
02.11.2009 22:16
0 0

Übersehen

Man übersieht manchmal meiner Meinung nach das wesentliche und zwar, dass Uni nicht nur die Forscher und Lehrenden dieses Landes (aus-)bilden soll, sondern auch Menschen die durch dieses Wissen in der Praxis tätig sein wollen. Ich persönlich will z.B. nie forschen werd aber ohne Uniabschluss weder Steuerprüfer, Notar, Richter, Anwalt, Mediziner etc. weil man das einfach braucht. Studium kann auch Bildung sein ist aber halt auch bei gewissen Bereichen Ausbildung.

junius
02.11.2009 17:57
0 0

um gottes willen, was ist los?

die presse wird doch nicht anfangen, sich mit dem uni-problem auseinanderzusetzen!

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ich

bin dafür

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