31.07.2010 06:57 | Meine Presse Merkliste0

Wenn schon, denn schon!

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Manchmal wünscht man sich in der Politik den berühmten Hieb, der den Gordischen Knoten durchschlägt.

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Und selten, ganz selten lässt sich die schlichte Chuzpe eines Alexander, der ihn einfach mit dem Schwert durchgehauen hat, sprichwörtlich auf ein verworrenes, ungemein teures Problem anwenden: den österreichischen Förderalismus.

Wenn zwei Spitäler wenige Kilometer nebeneinander betrieben werden, dann heißt das Föderalismus. Wenn Bundesländer „Landeslehrer“ vom Bund bestellen und dem Bund gleich die Rechnung überlassen, ebenso. Teuer und unsinnig ist ebenfalls, sich neun Mal unterschiedliche Jugendschutzgesetze zu leisten. Ähnliche Logik durchzieht neun Bauordnungen, durch die jeweils unterschiedlich, um nur ein Beispiel zu nennen, die Stiegenhöhen geregelt sind.

Beispiel ORF. Wo gibt es eigentlich ein westliches Land, in dem sich „Landesfürsten“ ein gesetzlich finanziertes Propagandafernsehen leisten; gezählte neun Mal einem Land, das nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft deutlich kleiner als das deutsche Bundesland Bayern ist. Klar ist: Schon die kleinste Kompetenzbereinigung, vom Spitals- bis zum Schulwesen, wird allseits zwar für unbedingt notwendig gehalten, bloß: Keiner glaubt daran, denn da sind sich die Landeshauptleute ob rot, schwarz oder orange/blau einig: Njet.

Drum sei hier ernsthaft folgende Strategie zur Diskussion gestellt. Schreien werden sie auf jeden Fall. Und all ihre Verhinderungsmacht schon beim kleinsten Reformschritt einsetzen. Dann gehen wir doch gleich aufs Ganze und treten in die Fußstapfen Alexanders: Ganz weg mit den Bundesländern. Drei Verwaltungseinheiten sind ausreichend: Gemeinden fürs so wichtige Kommunale und für die lokale Identität, dann die nationalstaatliche Ebene, dann die EU.

Demnächst wird es einen wichtigen Anlass geben: Die öffentlichen Hände werden sparen müssen. Also einfach weg mit der Verschwendungsebene Bundesland. Unsere Schulen und Spitäler, der Wohnbau und die Sozialversicherungen, der Tierschutz und die Verkehrsstrafen, das kann wunderbar der Bund regeln.

Mit den vielen Milliarden, die das einspart, leisten wir uns jene Bildungs-, Uni- und Forschungsinvestitionen, die wir so dringend brauchen.

Ja, die Landeshäuptlinge werden laut aufjaulen. Wer den Mut hat, solches zu entscheiden? Wie wär's bei dieser wirklich großen Weichenstellung mit einer Volksabstimmung?

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2010)

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9 Kommentare
Gast: GG
21.02.2010 00:23
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Danke

ich hoffe es folgen noch mehr Artikel wie dieser, vielleicht begreift die Bevölkerung endlich wie wichtig dieser Schritt ist!

Gast: ADAXL
07.02.2010 10:17
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Ich stimme zu

Die Länder in der bestehenden Form sind ein Anachronismus. Sie sind zu teuer, sie verleiten die Landespolitiker zur Geldverschwendung und zu gefährlichen Spekulationen (siehe Kärnten) und sie schaffen Doppelgleisigkeiten. Wir sollten die Länder abschaffen und mit dem gesparten Geld unser Defizit in Ordnung bringen.

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Danke für diesen mutigen Kommentar!


petarius
28.01.2010 23:47
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Schaffen wir Demokratie ab

und die EU kann uns genauso regieren.

Gast: karl die socke
27.01.2010 18:06
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bravo

gefällt mir das alte wie mache ich dem Föderalismus den Garaus Spiel einmal von einer anderen Seite angefasst wird und eine neue auf jeden Fall überlegenswerte Idee auf den Tisch bringt.

Gast: mike
26.01.2010 10:37
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Da ist

Herrn C. Chorherr ( zur Abwechslung ) völlig zuzustimmen.

Geldfux
25.01.2010 17:00
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Christoph Chorherr hat Recht,


periskop
25.01.2010 11:42
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Diesmal hat Christoph Chorherr Recht!

Als sich Kelsen die österreichische Verfassung ausdachte, hatte er sicher noch die kulturell und klimatisch erheblich unterschiedlichen Kronländer im Kopf, anders ist nicht zu erklären, dass er den Hauptleuten recht kleiner Gebiete so viel Macht zuwies. Er hat damit den Traumjob "Landeshauptmann" geschaffen, der Geld, dass er nicht selbst eintreiben muss, mit vollen Händen hinauswerfen darf. Neben den von Christoph Chorherr angeführten Sinnwidrigkeiten ist als jüngstes Beispiel die großzügige Übernahme der schwer defizitären Neben- und Schmalspurbahnen Niederösterreichs durch das Land zu nennen. Das ist nur möglich, weil Pröll darauf vertrauen kann, dass die Steuerzahler ganz Österreichs die Defizite ausgleichen werden. Den Schaden hat der Finanzminister, während Pröll sich als Wohltäter sonnen kann!
In den nächsten Jahren, vielleicht Jahrzehnten, muss den Steuerzahlern die Abtragung der gewaltigen Staatsschulden aufgebürdet werden, was nicht ohne gleichzeitige Abschaffung der Unsinnigkeiten in der Verwaltung gelingen wird. Leider ist zu fürchten, dass die Macht der Landeshauptleute erst dann durch eine Verfassungsänderung gebrochen werden kann, wenn sich Österreich in eine finanziellen Notlage, viel schlimmer als die, in die Griechenland heute geraten ist, hineinmanövriert hat!

P.S.: Ist das Wort "Förderalismus" nur ein Schreibfehler? Es passt hervorragend auf österreichische Zustände!

Geldfux
25.01.2010 17:18
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Re: Diesmal hat Christoph Chorherr Recht!

Ich unterstütze auch die Meinung von "periskop", die föderalistische Bundsverfassung ist für Österreich finanziell viel zu teuer und gibt den Bürgern aller neun Bundesländer nur mehr Bürokratie statt demokratische Mitbestimmung oder andere Vorteile.
Die Deutsche Bundesrepublik hat mehr als 80 Millionen Bürger, also zehn mal soviel wie Österreich, aber nur 16 Bundesländer. Für Österreich genügt ein Bundesland und eine Bundeshauptstadt Wien. Es gibt aber in jedem Bundesland Politiker, die für ein paar Landtagssitzung pro Jahr in jedem Bundesland als Landtagsabgeordnete gewählt werden, die aber de facto nichts Wesentliches beschließen dürfen. Über den Unsinn des österreichischen Föderalismus kann man nur Romane und Satiren schreiben, sonst nichts!!

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