25.05.2012 14:30 | Meine Presse Merkliste 0

Stadtplan: Ein Projekt für Europa

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Der europaweite Ausbau der Bahn kann doch nicht so schwer sein!

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Die Aschewolke des Unaussprechlichen hat sich verzogen. Flugzeuge starten und landen wieder, als wäre nichts gewesen. Die öffentlichen Debatten konzentrieren sich jetzt zu Recht auf die Ölpest im Golf von Mexiko und die griechische Tragödie. Vergessen scheint, dass es ernsthafte und spannende Debatten darüber gab, wie unser Leben aussähe, wenn für Monate, ja selbst ein ganzes Jahr kein Flugzeug aufsteigen könnte.

Versuchen wir eine Verknüpfung dieser drei Megaereignisse, Vulkan, Öldrama und Schuldenkrise, und leiten ein großes europäisches Projekt daraus ab. Dieses sollte uns unabhängiger von Flugverkehr und Erdöl machen und sinnvolle Impulse gegen die Wirtschaftskrise setzen. Da gäbe es etwas: die europäische Bahn.

Wer heute aus Wien oder aus jeder beliebigen anderen europäischen Stadt in eine andere reisen möchte, denkt sofort ans Auto oder an das Flugzeug. Denn die Bahn ist langsam, umständlich, oft unzuverlässig und mit ihrem Kundenservice veraltet. Zwei Beispiele aus Wiener Sicht. 1989 fiel der eiserne Vorhang. Von Wien nach Bratislava sind es 65km. Die Bahnstrecke war nicht einmal elektrifiziert, und man benötigte rund eine Stunde, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 80km/h entspricht. Und heute? Die Situation ist unverändert, die schnellste Verbindung dauert 57Minuten, bloß sind die damals schon alten Garnituren noch 20Jahre älter. Oder von Wien nach Prag: Auch heute noch zuckelt ein Zug viele Stunden lang dahin. Meist muss man sogar umsteigen.

Attraktive Angebote werden jedoch sofort angenommen. Die gar nicht billige Schiffsverbindung von Wien nach Bratislava ist ein Renner. Denn es geht nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Komfort und ein Fahrerlebnis. Dieses große europäische Projekt ist überfällig. Ausbau der Bahnverbindungen, um jedenfalls eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ohnehin bescheidenen 130km/h zu garantieren; ein wirklicher High Speed Train a là TGV wäre das ohnehin nicht. Und dazu: attraktive Nachtverbindungen mit individuellen Schlafmöglichkeiten samt wirklich guten Restaurants in den Zügen. Dann steigt man so um 19Uhr am Abend in den Zug und kommt am nächsten Tag in der Früh an seinem Ziel an – ob nach London, Rom oder Kopenhagen. Übrigens. Die mit Abstand meisten Flieger, die in Schwechat starten, haben Strecken kürzer als 1200km, wären also mit derartigen Zugsnachtverbindungen leicht zu ersetzen. Liebes Europa, das kann doch nicht so schwer sein!

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2010)

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8 Kommentare
Gast: Dui
07.05.2010 14:39
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Jedes Kind weiß, in welche Richtung es geht.

Die "heilige Kuh" Auto verliert ihren Status und wird zu einem Verkehrsmittel unter vielen, die Bahn boomt weltweit, und sobald die unfaire Nicht-Besteuerung von Kerosin aufhört, wird das Fliegen auch deutlich unattraktiver. Es geht in die richtige Richtung, das kann jeder sehen - nur leider dauert's recht lang, bis sich eingefahrene Verhaltensmuster ändern.

Gast: Paul Matusek
05.05.2010 09:09
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Mehr Bahn – aber bitte mit Sahne!

Keine Frage, dass die Bahn die bessere Alternative zu Auto oder Flug wäre. Man schaut ja meistens auch nur auf die Netto-Flugzeit, berechnet man aber Zu- und Abfahrt von Flughäfen und die Kosten dazu schaut das ganz anders aus, einmal abgesehen von den lähmenden und zunehmend mehr entwürdigenden Kontrollen (die ich aber begrüsse, denn lieber fliege ich sicher als unsicher). Im Zug kann ich dagegen arbeiten und vor allem: denken – eine Disziplin, die in unserer Zeit sträflich zu kurz kommt. Das kann ich beim Selber-Lenkrad-Drehen ganz sicher nicht.

Was aber dazu gehören würde wären nicht nur die schnellen Verbindungen, sondern auch gut angebundene Bahnhöfe, jedenfalls nicht so wie beim neuerlichen Neben-die-U-Bahn-Bauen des Wiener Südbahnhofs, jedenfalls nicht so wie beim Auslassen der Station Hütteldorf in Wien, die halb Wien zum unnötigen Verkehrsaufkommen zwingt weil man erst mühsam zum wie erwähnt nicht direkt an der U-Bahn liegenden Zentralbahnhof durch halb Wien fahren muss, jedenfalls nicht so, dass man keine Handy-Verbindung im Zug hat, jedenfalls nicht so, dass es zB keine Handy-Abteile und Nicht-Handy-Abteile gibt, also kurz gefasst: nicht aus der Perspektive des Fahrgasts gedacht wird.


Gast: Martin S
03.05.2010 12:20
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Wieso "Europa" ?

An diesen kathastrophalen verhältnissen ist doch "Unsere ÖBB" schuld, auf die wir doch so "stolz sein müssen".... Das Ganze ist also ein "ÖBB-Projekt". Am besten, Sie schreiben den roten ÖBB manager, dem roten ÖBB Betriebsrat und der zuständigen roten Ministerin einen entsprechenden brief, der sicher für Heiterkeit ebendort sorgen wird. für mehr auch nicht!

periskop
03.05.2010 12:13
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"leicht zu ersetzen"?

Abgesehen davon, dass die Bahn völlig außerstande ist, den Straßenfernverkehr zu ersetzen, ja nicht einmal fähig ist, die zusätzlichen Passagiere bei einem größeren Ausfall von Flugverbindungen zu befördern, ist das Haupthindernis für den Bau von leistungsfähigeren Bahnverbindungen, dass dies astronomische Kosten verursachen würde!
Schon das bestehende, dürftige Angebot würde wahrscheinlich gar nicht genützt werden, wenn der Fahrpreis die wirklichen betriebswirtschaftlichen Kosten abdecken müsste. Bahnbetrieb ist überhaupt nur als Milliardengrab für das Budget möglich. Das Bahndefizit bringt ja keinerlei Nutzen, dieses Geld fehlt im Gegenteil für nützliche Investitionen und ist deshalb volkswirtschaftlich schädlich! Ein noch stärkerer Bahnausbau bedeutete einen um so viel größeren volkswirtschaftlichen Schaden als der durch das bestehende Netz verursachte, dass er völlig ruinös für die Staatsfinanzen wäre!

Antworten Gast: Rueueu
07.05.2010 14:37
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Re:

Die astronomischen Kosten, die der Straßenverkehr verursacht, sind dir offenbar wurscht.

Und: erstaunlich, dass es immer noch hängengebliebene Neoliberale gibt, die sich einbilden, der Sinn einer Eisenbahn wäre es, Gewinn zu machen. Was ganz einfach ein Blödsinn ist. Oder würdest du sagen, auch der Sinn des Straßenverkehrs sei es gesamtwirtschaftlich "Gewinn zu machen"?

Antworten Antworten periskop
07.05.2010 18:47
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Re: Re:

"Die astronomischen Kosten, die der Straßenverkehr verursacht" kann man nur erzeugen, indem man "externe Kosten" berechnet. Das sind praktisch immer solche, für die kein Mensch auch nur einen Cent hinlegen muss. Da reale Zahlungsströme fehlen, ist hier der Willkür Tür und Tor geöffnet! Es wäre spielend leicht, für die Eisenbahn noch viel höhere "Kosten" zu errechnen, aber dafür gibt es halt keine passende Ideologie!
Kosten, Verlust oder Gewinn allein, genügen bei der Beurteilung einer Sache nicht, nur eine Kosten-Nutzen-Analyse führt weiter. Da man aber auch dort gerne mit "externen Kosten", die in Wirklichkeit gar keine sind, arbeitet, kann man auch denen nicht trauen!

Antworten Antworten Antworten Gast: raumplaner
08.05.2010 18:03
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Re: Re: Re:

Denken Sie bitte an die externen Kosten wenn sie sich über die nächste Steuererhöhung aufregen weil beispielsweise die Krankenkassen saniert werden müssen. Denn für die Unfallkosten und Gesundheitsfolgekosten der Anrainer kommen meines Wissens nach nicht die Autofahrer, sondern die Steuerzahler auf.

Antworten Antworten Antworten Antworten periskop
09.05.2010 09:22
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Re: Re: Re: Re:

Was die Steuern betrifft, so sind die Autofahrer sowieso "die Melkkuh der Nation" und finanzieren mit ihren gewaltigen Steuerleistungen alles Mögliche und Unmögliche! Wenn es den Autoverkehr nicht geben würde, müsste es zu empfndlichen Erhöhungen bei anderen Steuern, oder zu Einschränkungen kommen!
Kennen Sie die "Österreichische Unfallfolgekostenrechnung"? Die ist genau so abenteuerlich wie die Berechnung der Kosten des Straßenverkehrs! Es wird z. B. darauf "vergessen", dass Heilungs- und Reparaturkosten das BIP und deshalb den Wohlstand erhöhen. Auch berechnet man als Schaden, was die Getöteten noch alles hätten produzieren können, "vergisst" aber wieder, dass Tote nichts brauchen und nichts kaufen, sodass auch die zusätzliche Produktion überflüssig wäre!
Aber das Thema von Christoph Chorherr ist ja gar nicht der Straßenverkehr, sondern der Ausbau der Eisenbahn. Da werden ohnehin schon ungeheure Summen wider jede Vernunft investiert, denn der Anteil der Bahn an der gesamten Transportleistung geht immer weiter zurück! Vor 150 Jahren war der Bahntransport ein großer Fortschritt, heute ist der Schienenverkehr für Personen nur mehr in Ballungszentren und zu deren Verbindung sinnvoll, ferner für schwere Massengüter, bei denen Fahrzeit und Umladekosten keine Rolle spielen. Aber gerade dort wird kaum ausgebaut, die Milliarden werden in völlig sinnlosen Projekten (z. B. Koralmtunnel, auch Hauptbahnhof ohne U-Bahnanschluss) verbraten!

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