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Stadtplan: Wo bleibt Leadership?

CHRISTOPH CHORHERR (Die Presse)

Leadership, fehlt sie nicht in nahezu allen Bereichen der Politik?

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Kaum jemand kann sich die Summe wirklich vorstellen: 750Mrd. Euro waren da. Plötzlich, innerhalb einer Nacht. Zur Rettung des Euro, sagen die Wohlmeinenden. Damit die großen Geldvermögen weiter Zinsen bekommen und nicht gefährdet sind, die Kritiker. Jedenfalls: „Die Politik“ hat einen überraschenden Kraftakt gesetzt. Es roch kurz nach „Leadership“.

„Leadership“, übersetzen wir es als kraftvolle, mutige Führungsstärke, fehlt sie nicht in nahezu allen Bereichen der Politik?

Wenn (nicht nur, aber auch) in Österreich seit Jahrzehnten das Vertrauen in „das Politische“ sinkt, die Reaktion weiter Teile der Bevölkerung zwischen Enttäuschung, Gleichgültigkeit und Zorn oszilliert, dann wohl weniger deshalb, weil so viel, möglicherweise falsche „Leadership“ gezeigt wird, sondern gar keine.

Die Probe aufs Exempel: Seit Jahren, nein, seit Jahrzehnten sollen „grundlegend reformiert“ werden: unser Gesundheitssystem, unser Schulwesen, der Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern, unsere Hochschulen, und eine persönliche Priorität sei auch noch erwähnt: der Klimaschutz.

In all diesen Bereichen wäre Leadership notwendig. Leadership, die Beharrungskräfte in die Schranken weist, die die Bevölkerung motiviert, sogar für „das Öffentliche“ begeistert und geschickt Allianzen schmiedet.

Das enorme Dilemma unserer Demokratie liegt darin, dass fast niemand unseren Eliten derartige Leadership zutraut. Aber wenn sie sich nicht erneuert, ihre Leistungskraft beweist, dann ist sie gefährdet, akut gefährdet.

Eine These, ein Beispiel: Politik soll sich da erneuern, wo sie herkommt, da, wo es vergleichsweise leicht ist, auf der kommunalen Ebene. Sprechen wir von Wien. Das ganz bewusst gewählte Beispiel, die Reform der Pflichtschulen.

Die besten Lehrer werden gesucht und motiviert, in jene Schulen zu gehen, in denen Kinder besondere Unterstützung brauchen, weil sie vom Elternhaus kaum gefördert werden. Zur Leitung der Schule werden ausgewiesene Führungspersönlichkeiten (unbeschadet der Parteizugehörigkeit) ernannt. Den Schulen wird Freiheit gegeben, ihre Methoden, ihre Zeiteinteilung selbst zu wählen. Ziel: Mit 15 Jahren können alle sinnstiftend lesen und schreiben und beherrschen Deutsch sowie zumindest eine weitere Sprache.

Das zu erreichen bräuchte bloß ein wenig Leadership. Aber wo ist sie?
PS: Dies ist, so der Wunsch der „Presse“, bis zur Wahl am 10.Oktober meine letzte Kolumne.

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2010)

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11 Kommentare

So aktuell wie vor drei Jahren

vielleicht sogar noch mehr, wenn man an die vergangene und die kommende Volksbefragung denkt. Politiker mit Gestaltungswillen sucht man heute vergeblich, alle hängen ihr Fähnchen in den Wind und exekutieren, was das "Volk" ihnen zuruft...

Das Problem ist nicht,

unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen. Der ESM ist das Ideale Beispiel dafür (Und bevor der shitstorm losgeht ich bin auch kein Freund davon). Das Problem ist das ein Ziel fehlt für das man "kämpfen" mus /soll. Die politische Vision fehlt. Und ja mir ist bewusst das unsere Politiker Kasperln sind ändert aber am Problem nix

Gast: Zyklotrop
11.05.2012 10:15
1 1

Ist der Artikel wirklich so gut,

dass er jatzt schon fast 2 Jahre hier aufbewahrt wird?

Gast: 0560
07.01.2011 17:55
3 2

Wenn Herr Chorherr

schon einen passenden deutschen Ausdruck für "leadership" weiß, warum verwendet er ihn nicht ?

ja, und genau da liegt das problem

unter motorradfahrern wuerde man unsere regierung als "schoenwetterfahrer" bezeichnen.
regieren macht natuerlich mehr spass, wenn es geld zu verteilen gibt. sobald allerdings unpopulaere dinge durchgesetzt werden muessen, wird gekniffen und das wort volksbefragung/-abstimmung bemueht, denn da traut man sich dann doch nicht drueber! diese leute haben nicht verstanden, dass das volk sie mit macht ausgestattet hat. und diese macht ist nicht auf belaemmert-in-die-kamera-grinsen beschraenkt, sondern erfordert halt manchmal auch rueckgrat, was unserer regierung durch die bank fehlt!
mir ist klar, dass der gedanke ein wenig naiv erscheinen mag, aber ich denke, dass wirkliche persoenlichkeiten auch weniger populaere entscheidungen durchsetzen koennen, ohne vor dem naechsten volksentscheid (oder "kronen zeitung"-artikel) zittern zu muessen!

1 0

bloß ein wenig Leadership

. . . da müssten Fachleute, Experten und Wissenschaftler werken, doch nicht eingesessene Politiker.

"DIE leadership"?

Bitte um Gnade! Einigen wir uns doch einfach auf "das Lederschiff"!

Gast: Gast: Leser
18.07.2010 11:55
1 1

Verwaltungsreform

"Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern"? Ja, das würde viel Geld sparen. Aber da müsste ja der Neffe gegen den Onkel ... horribile dictu! Da erhöhen wir lieber die Steuern, die sind ja eh so niedrig und die Leuite haben zu viel Geld (wir haben ja "über unsere Verhältnisse" gelebt - das muss abgestellt werden!).

Das tut mir aber wirklich leid, dass ich Christoph Chorherr für 5 Monate vermissen muss! Keiner ist ein besserer Reibebaum, als er!


Gast: Martin S
18.05.2010 12:02
2 1

Nun,

am Leadership (schönes neudeutsches Wort!) mangelt es ja gerade auch bei den Grünen.. Ich würde Herrn C. vorschlagen, mal vor der EIGENEN Tür auszumisten und DANN erst gute Ratschläge abzusondern!

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
11.06.2010 19:02
1 1

Re: Nun,

würde das nicht voraussetzen, überhaupt erst
mal den Mut zu haben, den Deutschen Ausdruck
dafür zu verwenden ?

Das kommt mir so vor, als ob ein Dreizehnjähriger
einem Mädl am Busen grapschen möchte , aber sich
das Wort Busen nichtmal auszusprechen traut.

Noch viel krasser wirds beim Ausdruck "Human Resources".
Das haben die Amis 1:1 von den NAZIS übernommen
(Menschenmaterial) und die ganze Welt plappert es nach.
Als ob es im Englischen weniger Menschenverachtend
wäre.

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