Uncool. Ich weiß, es ist uncool, sich über Werbespots zu ärgern. Und ich sag ja auch meistens nix: über die Mütter, die ihre Kinder mit Bonbons gefügig machen. Über Männer, die ihre Geliebten mit „Spendierhosen“ ködern. Über Frauen, deren Beine nachbearbeitet und gestreckt werden. So funktioniert Werbung, das sind halt die üblichen Klischees, das muss man den Kindern eben erklären. Außerdem sind wir im Besitz einer Fernbedienung: Mein Mann und ich halten allabendliche Wettkämpfe ab, wer die Spanne der Werbeblöcke am besten abzuschätzen weiß. Meistens gewinne ich. Ich schalte erst zu, wenn der Countdown schon zu sehen ist: vier, drei, zwei, eins. Na also.
Schokolade hilft gegen alles. Mein Mann ist leider weniger präzise, ganz zu schweigen von Marlene, die Werbung liebt und sich in eine Welt voller Nintendo-Spiele und Ritterburgen träumt. Deshalb kann ich die Spots nicht ganz vermeiden, und vor allem nicht diesen einen, der mich verfolgt. Er handelt von einer Mama, die ihr Töchterlein in die Schule schickt. Es ist ihr erster Tag, aber die Mutter hat – so sind Mütter eben – vorgesorgt: In der Schultasche steckt Schokolade.
So weit, so normal: Schokolade hilft im Fernsehen schließlich so ziemlich gegen alles: gegen Einsamkeit und nervige Freunde, gegen Langeweile und gegen Stress, gegen freche Kinder und blöde Lehrer und neugierige Nachbarn. Die Geschichte geht aber weiter. Die Mutter hat ein wichtiges Meeting, sie tritt auf im Business-Kostüm und mit Aktentasche, und was macht sie dann? Dann neigt sie das Köpfchen, macht eine Art Knicks und wirft den Männern in der Runde einen mitleidheischenden Blick zu, bevor sie die Schokolade entdeckt und demütig lächelt. Denn in der Werbung bleibt ein Weibchen ein Weibchen bleibt ein Weibchen. Dagegen richtet nicht einmal Schokolade etwas aus.
Postskriptum. Ich hätte die einzelnen Firmen und Produkte gern erwähnt. Ich habe nur leider vergessen, wie sie heißen. Am Ende erinnere ich mich nur daran, dass die Riegel der Schokolade einzeln abgepackt waren, dass die gefügig machenden Zauberbonbons in einer rechteckigen Schachtel steckten und dass aus den Taschen der Spendierhose bündelweise Scheine ragten. Weshalb ich die These aufstelle, dass Werbung gar nichts bewirkt außer der Zementierung antiquierter Frauenbilder. Und Kinderbilder. Und Männerbilder.
Postpostskriptum. Die Spendierhosen habe ich wenigstens auf YouTube gefunden. Sie werben für das Internetportal Check24, und wer glaubt, der Spot sei nicht sexistisch, der lese sich bitte die Kommentare („sabber“, „geile sau“) durch.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com DiePresse.com/amherd
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)















