Es ist doch immer unterhaltsam, wenn TV-Stars oder Politiker – also Menschen, die es besser wissen müssten – völlig ignorieren, dass alles, was sie in der Öffentlichkeit sagen, gegen sie verwendet werden kann – und zwar auf YouTube. Designer John Galliano hat sich bei einer Liebeserklärung an Hitler filmen lassen, Mitt Romney wurde aufgenommen, als er über 47 Prozent der Amerikaner sagte, sie würden eh nur dem Staat auf der Tasche liegen. Jüngst hat es Angus T. Jones erwischt, der in der Serie „Two and a Half Men“ den halben Mann spielt, also den Teenager. Er erklärte in einem vertrauten Gespräch mit einem Prediger der Siebenten-Tags-Adventisten, „Two and a Half Men“ sei Dreck, die Serie zeige, wie trickreich der Teufel agiere: „Hört auf, sie zu sehen“, rief er seinem Publikum zu, von dem er glaubte, es seien ebenfalls lauter Adventisten, aber – huch – da sahen auch all die anderen zu. Seine Serienkollegen. Der Produzent. Sein Publikum. Ich.
„Die himmlische Familie“
Nun muss man zugeben: „Two and a Half Men“ ist nicht unbedingt „Die himmlische Familie“. Onkel Charlie hat auf seiner SIM-Card mehr Rufnummern von Prostituierten als von Freunden gespeichert, es wird viel getrunken, noch mehr gelogen und es gibt eine Menge vor-, nach- und nebenehelichen Sex. Wobei man mit einigem guten Willen die Tatsache, dass Charlie letztlich von einer U-Bahn überfahren wird, als Strafe des Himmels interpretieren könnte. Und wenn er fragt, warum ihm Gott einen Penis gegeben habe, wenn er nicht wolle, dass er ihn benutze, ist das nicht unbedingt Blasphemie: Recht betrachtet führt diese Pointe in die Mitte des theologischen Diskurses über den freien Willen und die Frage, warum Gott das Böse erschaffen hat, wenn er es doch genauso gut hätte bleiben lassen können.
Garantiert nicht gottesfürchtiger
Angus T. Jones wurde durch die Serie übrigens zum bestverdienenden minderjährigen Darsteller weltweit. Erst kürzlich – also nach seiner Läuterung – hat er den Vertrag für eine weitere Staffel unterschrieben, die garantiert nicht gottesfürchtiger ausfallen wird als die vorigen: Statt Charlie Sheen verschleppt nun Ashton Kutcher Frauen in seine Höhle und zeigt ihnen seinen Waschbrettbauch. Angus T. Jones unterstützt also das Werk des Teufels. Angst vor der Hölle hat er trotzdem keine: Er spiele, erklärte er, nur mit, weil Gott ihn dazu bewogen habe.
Mich erinnert das daran, dass ich als 13-Jährige geglaubt habe, Gott habe mir dabei geholfen, Schule zu schwänzen und meine Eltern zu belügen. Als Dank dafür bekam er übrigens ein Gebet. Oder zwei. Oder drei.
Für spätere Missetaten habe ich dann keine Hilfe mehr gebraucht.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2012)















