Neulich wachte Marlene glückstrahlend auf, richtig springlebendig war meine Kleine, die sich sonst morgens immer lange räkelt und noch einmal in den Polster kuschelt, ganz tief hinein, dass sie nichts von der Welt sehen muss, und von ihrer Mama auch nichts. „Ich hab was geträumt!“, rief sie. „Was Tolles, den allertollsten Traum, den ich jemals geträumt habe.“ Sie war in einem Holzhaus, in einem tief verschneiten Wald, so weit, so idyllisch und so vorweihnachtlich – „und dieses Haus war voll mit lauter iPads und iPhones. Und MP3-Player gab es dort auch!“
Ein A4-Block für den Brief ans Christkind. Ja, so ist sie, unsere Kleine. Und vor Weihnachten noch viel mehr. „Was wünscht sich denn Marlene?“, fragt mich mein Vater (und fragen meine Mutter und meine Schwester und meine Schwiegermutter und meine Schwägerin). „Alles“, sage ich: „Die Playmobil-Ritterburg mit dem grünen Drachen, ein Barbie-Pferd mit blonder Mähne, Schleich-Tiere, einen Computer, einen elektrischen Hund, der bellt und Lulu macht, ...“ „Und Hannah, was möchte die?“ „Nichts. Hat sie nicht gesagt. Irgendwas.“
Denn unsere Große, die ist das glatte Gegenteil ihrer konsumorientierten Schwester. Wo die eine für den Brief ans Christkind einen ganzen A4-Block brauchen würde, genügte der anderen ein Eckerl, auf das sie „Eine Überraschung“ schreibt, was die Sache auch nicht einfacher macht. Das sehen auch mein Vater und meine Mutter und meine Schwester und meine Schwiegermutter und meine Schwägerin so. Die können mit diesem „Alles“ und „Nichts“ wenig anfangen. „Geh, bitte“, sagen sie, „kannst du sie noch einmal fragen? Ich ruf dann wieder an.“
Wie Dagobert mit seinen Dukaten. Und beim Abendessen frage ich, und Marlene schwelgt in ihren Wünschen wie Dagobert in seinen Golddukaten. Ihr ist noch eingefallen, dass sie unbedingt auch das Super-Mario-Galaxie-Spiel und den neuen Nintendo DSi XL braucht, den auch die Becci und die Feli haben, dafür verzichtet sie gern auf die Ritterburg, obwohl, eigentlich will sie die Ritterburg auch! Und natürlich den Drachen. Hannah sagt: „Ich wünsche mir aufladbare Batterien.“ – „Was??“, frage ich.
In dem Moment ruft meine Mutter an, und mein Vater mailt, und meine Schwester schickt mir ein SMS, und so unter Druck fällt mir doch noch was richtig Tolles ein (ich verrate nicht was, die Große liest die Kolumne). Jedenfalls: Es ist geschafft!
Da hat Hannah noch eine Frage: „Sag, Mama: Was wünscht eigentlich du dir zu Weihnachten? Papa hat gesagt, er will nichts.“
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2011)















