Einmal wollte ich in puncto Technik allen voraus sein. Sonst bin ich immer hintennach: Ich war die Letzte, die sich in Österreich einen Videorecorder kaufte, die Vorletzte in Europa, die einen CD-Player ihr Eigen nannte, saß mit einem kiloschweren Camcorder in der Schulaufführung, während alle anderen den Nachwuchs mit ihren zigarettenschachtelkleinen Digitalkameras filmten; und als ich ein Smartphone bekam, hatten sieben Achtel von Hannahs Freundinnen längst eins in ihren Jackentaschen.
Aber diesmal sollte es anders werden, diesmal wollte ich Avantgarde sein. Ich würde nämlich das E-Book propagieren, während sich die anderen mit ihren „Aber wie geht das in der Badewanne“-Einwänden und ihren „Aber Bücher riechen so gut“-Argumenten als hoffnungslos altmodisch outen würden. „Hey!“, wollte ich rufen, „wer braucht schon Papier! Freiheit für die Wände! Ordnung für mein Nachtkasterl! Und dann auch noch der ganze Wilhelm Busch gratis! Es lebe das E-Book.“
Gefangen in der Endlosschleife. Dann habe ich mir einen E-Reader gekauft. Als der Verkäufer ihn mir in die Hand legte, hielt ich ehrfürchtig die Luft an: Leichter als ein Reclam-Heft! Kleiner als ein Taschenbuch! Speicherplatz für Milliarden Bücher. Und eine Akkuleistung von Äonen!
So lange habe ich auch gebraucht, um das Ding in Betrieb zu nehmen: Ich habe Programme installiert und mich bei Adobe registriert, ich habe Kennwörter und Passwörter eingegeben, mich in den Tiefen der Menüführung herumgetrieben, bis mich die Unterverzeichnisse höhnisch mit „Du schon wieder“ begrüßten . . . Schließlich landete ich in einer Endlosschleife: „Sie wollen den Reader autorisieren?“ – „Ja, ich will.“ – „Sie haben den Reader erfolgreich autorisiert!“ – „Super!“ – „Sie wollen den Reader autorisieren?“ – „Noch einmal: Ich will!!“ – „Sie haben den Reader erfolgreich autorisiert!“ – „Na, endlich!“ – „Wollen Sie den Reader autorisieren?“
Ein Honeymoon schaut anders aus.
Der gordische Knoten. Ich bin dann in eines dieser zahlreichen Internetforen gewechselt, in denen Nutzer digitaler Geräte fluchen und Tipps austauschen. Ich bekam ein Dutzend Ratschläge, zwei davon brauchbar: Der erste betraf die Endlosschleife – die löst man ähnlich rabiat auf wie den gordischen Knoten. Der zweite betraf die Ländereinstellung: Um in Österreich Bücher ausborgen zu können, muss man dem Reader nämlich weismachen, er befinde sich in den USA. Ist ein bisschen weit weg. Hat aber absurderweise geklappt.
Wenn mir noch einer mit der Logik von Computern kommt, werfe ich meinen E-Reader in die Badewanne.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2012)















