Neulich in der Redaktion. „Du hast ja die gleiche Handtasche wie ich!“, sage ich zu unserer Lehrredakteurin. – „Hat mir meine Mutter geschenkt“, antwortet sie. „Ich habe den gleichen Geschmack wie deine Mutter?!“, frage ich. Und bin ein bisschen schockiert. Dabei kann es sein, dass ihre Mutter in meinem Alter ist. Kann sogar sein, sie ist jünger.
Immer häufiger treffe ich auf Kollegen, die meine Kinder sein könnten: Sie sind Anfang bis Mitte zwanzig, und wenn ich zu Mittag einkaufen gehe und sie mich bitten, einen Schokoriegel mitzubringen, dann ist mein erster Impuls, ihnen zu erklären, dass sich ein vernünftiges Mittagessen, bitte sehr, anders zusammensetzt. Aber das lasse ich natürlich bleiben, erstens weil überhaupt, zweitens weil ich ernährungsmäßig nur bedingt zum Vorbild tauge, und drittens: Ich hätte mir das in ihrem Alter auch verbeten. Schließlich bin ich mir damals schon sehr erwachsen vorgekommen: Ich hatte meine eigene Wohnung, ich hatte Sex, ich hatte mein eigenes Geld, ich habe geglaubt, das muss reichen. Heute denke ich, dass es einen Grund gibt, warum man bis 25 als „jugendlich“ gilt.
Angedrohte Watschn. Niko Pelinka ist 25 und möchte Büroleiter bei ORF-Generaldirektor Wrabetz werden. Literaturnobelpreisträgerin Jelinek verhöhnt ihn als „Kinderkönig“. Sein Vater Peter Pelinka, Journalist und ORF-Moderator, droht ihm via „Falter“ eine „Watschn“ an, falls er es wagen sollte, zu intervenieren. Journalisten schreiben über sein „rotblondes Haar“ (ja, er hat Haare! Auch Faymann hat Haare, und Spindelegger hat Haare, und ein paar Haare haben auch die Prölls, aber schreibt wer darüber?). Es ist nicht witzig, den eigenen Sohn wie eine Rotzpipen aussehen zu lassen. Ich finde, Elfriede Jelinek sollte ein Lehrstück über einen Generaldirektor schreiben, der sich hinter einem 25-Jährigen versteckt. Und Rotblond ist das neue Brünett. Das muss man nicht erwähnen.
PS: Meine Kolumne von letzter Woche über einen verzichtbaren Redenband von Ministerin Claudia Schmied ist sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Meine Tochter Hannah, zwölf, beklagte sich etwa, sie sei „fad“ gewesen. Der Pressesprecher von Claudia Schmied fand die Kolumne weniger langweilig als ungeheuerlich, eine „Pseudo-Rezension“ sei das und aus diesem Grunde, erklärte er meiner Kollegin Regina Pöll, werde er ihr auch nicht sagen, wer den Band finanziert hat. Informationen erhalten also nur jene Medien, die sich wohlverhalten. Zum Glück gibt es noch andere Quellen, und wenn ich diesen glauben kann, hat Claudia Schmied den Band aus der eigenen Tasche bezahlt. Wäre noch interessant zu wissen, ob sie die Reden auch selbst geschrieben hat.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)















