Heftige Debatte unter Freunden. Sehr heftige Debatte, vielleicht zu heftig, es ging um die Kopftücher, und mein Standpunkt war dezidierter, als es einer gepflegten Diskussion in einem gepflegten Wiener Café guttut: Ich finde – nein, ich bin überzeugt davon, dass Kopftücher in der Schule nichts verloren haben. Was die Erwachsenen machen, ist mir egal. Wer sich ohne Kopftuch nackt vorkommt oder unbehaglich, der möge sich bedecken, ob Mann oder Frau. Aber die Kinder, die soll man wenigstens in der Schule in Ruhe lassen, damit sie sich als Erwachsene frei entscheiden können. Weil frei entscheiden kann nur, wer beides kennt – und beides gewohnt ist.
Bin ich jetzt intolerant? Jedenfalls verteufle ich nicht den Islam. Ich behaupte nur, dass er gezähmt werden muss, wie auch das Christentum gezähmt werden musste, weil Religionen sich eben gern dem Fortschritt widersetzen: weil sie nicht wissen wollen, dass die Erde sich um die Sonne dreht, weil sie es ungehörig finden, dass der Mensch von einem affenähnlichen Wesen abstammt, weil sie wollen, dass alles bleibt, wie es ist, und darum die Freiheit jener beschränken, die neugieriger sind – oder einfach nur zufällig weiblich.
Das anatomische Theater in Padua. In Padua stand einst die berühmteste Universität der Welt, dort forschte Galilei, dort gab es das erste „anatomische Theater“, einen fensterlosen Raum, in dem zu Lehrzwecken Leichen seziert wurden. Was verboten war. Die katholische Obrigkeit war streng dagegen. Darum gab es eine Falltüre: Sollten unangekündigt Vertreter des Klerus vorbeikommen, konnte man den Leichnam rasch im darunter vorbeiziehenden Fluss entsorgen. Für diesen Fall stand außerdem der Kadaver einer Katze oder eines Hundes zur Verfügung. Die durfte man aufschneiden – einen Menschen nicht.
Die Wissenschaft hat sich durchgesetzt. Nicht endgültig natürlich, die Kreationisten sind hartnäckig und wehrhaft, doch sie führen Rückzugsgefechte. Der Katholizismus ist so weit Privatsache, er tröstet und gibt Geborgenheit, dient manchem, auch manchem Wissenschaftler, als moralischer Gradmesser – aber seine Kraft, auch Ungläubigen und Andersgläubigen Vorschriften zu machen, schwindet.
So weit hätte ich den Islam auch gern.
Gegendarstellung. Ich habe letzte Woche davon geschrieben, dass meine ältere Tochter „in der Pubertät ist, besser: die Pubertät ist in meiner Tochter, und die Pubertät kennt keinen Spaß“. Meine Tochter, die regelmäßig meine Kolumnen liest, was mich sehr freut, begehrt eine Richtigstellung. Also: Diese Behauptung war falsch, und ich entschuldige mich hiermit. Liebe Hannah, das mach ich gern.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)















