22.05.2013 01:27 Merkliste 0

Über Frauen und ihre Lebensentwürfe

von Bettina Steiner (Die Presse)

"Also ich finde schon, dass ein Kind das Recht hat auf eine gescheite Mahlzeit, wenn es von der Schule kommt", sagt Rita.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Aus dem Archiv:

Erste Szene, im Park. „Also genau genommen geht mich das gar nichts an“, sagt Rita zu mir. „Und natürlich weiß ich, dass du eine Menge um die Ohren hast. Aber bist du dir sicher, dass die Kinder da nicht zu kurz kommen? Ich weiß ja nur, was die Lara mir so erzählt, und es kann natürlich sein, dass sie übertreibt. (Haha, Kinder, du weißt jawie die sind). Jedenfalls hat die Lara mir gesagt, dass die Hannah jetzt schon dreimal hintereinander ihr Anmeldeformular vergessen hat, immer mit einer anderen Ausrede. Und dann hat sie gesagt, dass die Hannah zu Mittag immer nur Nudeln bekommt, meistens noch dazu die Nudeln vom Vortag, und wenn sie was anderes essen will, macht sie sich eine Eierspeise. Also ich finde, ein Kind hat schon das Recht auf eine richtige Mahlzeit, wenn es von der Schule heimkommt, ich meine: Ohne was Gescheites im Magen kann ein Kind doch nicht lernen!“ Pause. „Wie geht es Hannah eigentlich so in der Schule?“

Zweite Szene, ebenfalls im Park. „Also wenn du mich fragst“, sage ich zu Rita, obwohl sie mich gar nicht gefragt hat: „Also wenn du mich fragst, wirken deine Kinder ziemlich unselbstständig. Es muss ja nicht unbedingt damit zu tun haben, dass du seit der Geburt immer zu Hause warst, und ich meine, ich verstehe schon, dass man da den Kindern das eine oder andere abnimmt. Aber wie oft hast du der Lara heuer das Turnsackerl nachgetragen?“

Dritte Szene, vor der Schule. „Hast du gehört“, sagt Gudrun: „Die Monika hat ihre Tochter nicht gestillt. Sie sagt, ihre Brust sei entzündet gewesen, aber da kann man ja was dagegen tun! Also ich glaube, die wollte sich in Wirklichkeit den Busen nicht ruinieren. Es ist unglaublich: Kann einer Mutter der Busen wirklich wichtiger sein als die Entwicklung ihres Kindes? Kann er das?“


Glucken gegen Rabenmütter? Jetzt könnte ich mir noch eine Szene einfallen lassen, in der das Wort „egoistisch“ vorkommt oder das Wort „Hausmütterchen“. Tatsache ist: Ich habe all diese Szenen frei erfunden. Frauen reden nämlich nicht so miteinander. Ja, Frauen denken nicht einmal so übereinander, jedenfalls nicht die Frauen, die ich kenne.

Mag sein, es gibt irgendwo da draußen, in der Welt der Talkshows und der Bestseller-Pamphlete, wirklich „Glucken“, die über „Rabenmütter“ herziehen, mag sein, da bringen „Latte-macchiato-Mütter“ ihre Windelrucksäcke gegen Karrierefrauen in Stellung und die kinderlose Vorstandsvorsitzende bedroht die Mehrfach-Mama mit ihren Pumps, was sicher interessant aussieht und für Diskussionen sorgt.

Aber in Wirklichkeit hauen wir Frauen uns die unterschiedlichen Lebensentwürfe nicht um die Ohren, allein deshalb schon, weil wir hier kein Leben entwerfen: Wir leben es wirklich.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Aus dem Archiv:

7 Kommentare
Gast: frau
10.06.2012 16:57
7 2

subtil zieht da die Karrierefrau Bettina her über die Glucken ...

"Mag sein, es gibt irgendwo da draußen, in der Welt der Talkshows und der Bestseller-Pamphlete, wirklich „Glucken“, die über „Rabenmütter“ herziehen"

In der Welt der Medien wurden uns in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich "Karrierefrauen die alles unter einen Hut bringen" propagandamäßig gezeigt und die einzige Frau die es wagte dem zu widersprechen (und auf die Sie anspielen dürften - Eva Herman) wurde von Geschlechtsgenossinnen nieder gemacht !

Ich möchte zu diesem Thema gar nichts mehr hören und schon gar nicht wieder von jenen Karrieremüttern die sich mit fremden Federn schmücken (nämlich jener Betreuungsarbeit die sie andere -Omis, Kindermädchen etc machen lassen) und dann von "Doppelbelastung" reden ohne jegliche Ahnung was es zB heißt ein krankes Kind täglich jahrelang rund um die Uhr zu betreuen (und dafür nicht eine Minute längere Pensionszeit angerechnet zu bekommen als jene Karrierefrau die Pensionszeiten doppelt angerechnet erhält - für ihre Erwersbarbeit und für Kinderbetreuung die sie delegieren kann).

Re: subtil zieht da die Karrierefrau Bettina her über die Glucken ...

ich möchte v.a. von keinen aufrechnungen der widerlichen art lesen wie: karrieremutter gegen mutter, die jahrelang ein krankes kind betreut.

Die Wendung "Aufrechnungen der widerlichen Art" ...

... sagt einiges über Sie aus.

Re: Die Wendung "Aufrechnungen der widerlichen Art" ...

wenn Sie glauben, dass kranke kinder instrumentalisiert werden müssen, um "karrieremütter" ins schlechte licht zu rücken - sagt einiges über Sie aus.

Re: Re: Die Wendung "Aufrechnungen der widerlichen Art" ...

Der Ausdruck widerlich in diesem Zusammenhang ist widerlich, sorry. Die Erstkommentatorin hat hundertprozentig recht.

Gast: Karenzpapa
10.06.2012 11:36
2 0

wie sich die Zeiten ändern

Ich war vor 10 Jahren für ein Jahr in Karenz und dementsprechend oft am Spielplatz. Das ein oder andere Gespräch habe ich da schon mitgehört. Kann ja sein, dass es jetzt anders ist. Damals waren Dialoge, den ersten beiden Passagen durchaus dabei.

Ja, Frauen denken nicht einmal so


jetzt wirds unheimlich.

Mehr Weiberrede:

  • Am Herd
    Sexismus: Soll ich oder soll ich nicht darüber schreiben? Es geht doch nur um eine Disney-Prinzessin! Ich tue es trotzdem. Für meine beiden Töchter.
    Am Herd
    Elternsprechtag: Die Eltern kommen nach Hause mit heruntergeklappter Kinnlade, und man kann die Sekunden zählen, bis sie losbrüllen.
    Am Herd
    »Das ist Politik. Sie können sich ja beschweren«, meinte der Bankberater. Über einen Freund, sein kleines Unternehmen und eine große Bank, die ihm keinen Kredit geben will.
  • Am Herd
    Weil alle auf die Babyboomer schimpfen, hier mein Dank: Ihretwegen muss ich mich nicht in ein Twinset zwingen, und für sie werden einmal die Ampeln umgestellt.
    Am Herd
    Ich will ja nicht sexistisch klingen und ich arbeite gern mit Männern zusammen, aber manchmal reagieren sie doch emotional etwas überschießend.
    Am Herd
    Nach der Karenz war ich entschlossen, meinen Job zu kündigen. »Überlegen Sie es sich gut«, warnte der Mitarbeiter der Arbeiterkammer. Er hatte recht. Und dann wieder nicht.
  • Am Herd
    Die Vorarlberger mit ihrem Funken sind schuld, dass ich noch immer nicht im Schanigarten sitzen kann: Sie haben die Wintervertreibung verbockt. Und ich weiß auch wie.
    Was alles zu erledigen ist
    Was alles zu erledigen ist, bevor ich Tschechisch lerne oder einen Krimi schreibe: Kaffeemaschine entkalken, Arbeitnehmer- veranlagung ausfüllen, Sommerurlaub buchen.
    Nein
    Nein, ich koche nicht mehr, sollen die Kinder Butterbrot essen. Nein, ich fülle das Formular für den Schulskikurs nicht aus. Gerügt wird eh meine Tochter.

Top-News