Man könnte sagen, es ist gutes Timing. Man könnte sagen, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Sommerferien, schließlich sind alle urlaubsreif: Hannah, 12, die sonst immer vor mir wach wird, drückt jetzt morgens noch einmal ihre Nase fest ins Polster und murrt – und Marlene will schon gar nicht mehr aufstehen, nicht einmal, wenn sie weiß, dass sie mit der Klasse ins Theater geht. Als sie sich neulich ins Freundschaftsbuch der Banknachbarin eintragen musste, hat sie die Frage „Was magst du gar nicht?“ eiskalt mit „Die doofe Schule!“ beantwortet.
Ach ja: Doof mit nur einem o. Und bei uns zuhause sagt man eigentlich blöd!
„So ein Saustall“ Und ich? Ich werfe die Nerven weg, nur weil Hannah ihr Anmeldeformular für Klavier verbummelt hat oder weil ich die 15 Euro für den Elternverein schon am Dienstag abgezählt in ein Kuvert getan und Marlene in die Hand gedrückt habe: Aber heute ist Donnerstag und Marlene findet das Kuvert nicht mehr, statt es in die Schultasche zu stecken, hat sie es auf ihren Schreibtisch gelegt, oder aufs Nachtkasterl oder auf Hannahs Schreibtisch oder auf Hannahs Nachtkasterl, irgendwohin halt. „So ein Saustall“, rufe ich: „Ich habe die Nase voll, voll, voll!“.
Nein, ich mag auch nicht mehr: Den Wecker klingeln hören, die Jause richten, Hausaufgaben kontrollieren, Elternbriefe unterschreiben, Kleingeld zusammensuchen und in Kuverts stecken, Formulare ausfüllen. Der Sommer kann kommen, muss kommen, jetzt sofort.
Das Anstrengende sind die Ausflüge. Verblüffend ist nur, dass es immer dasselbe ist, jedes Jahr Mitte Juni macht sich diese große Müdigkeit breit, obwohl die Kinder eigentlich eh nicht mehr viel zu tun haben: Die Noten stehen de facto fest, die Italienischlehrerin geht mit den Kindern Pizza essen, im Sachunterricht wird ein Film angeschaut, es gibt Theaterbesuche und Schulfeste und Hort-Abschluss-Picknicks...
Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Kinder gar nicht so sehr von der Schule erschöpft sind, sondern von diesen ganzen Schulabschlussaktivitäten! Dass vielleicht so ein Theaterbesuch viel anstrengender ist als ein normaler Dienstag mit Religion und Zeichnen und GU, vor allem natürlich, wenn das Kind nicht richtig ausgeschlafen ist, denn ich muss gestehen, dass wir an dieser Vorurlaubsmüdigkeit nicht ganz unschuldig sind: Zwei Wochen vor Schulschluss sind wir nicht mehr so streng – da kann es abends schon einmal später werden.
Sind eh bald Ferien.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2012)















