Wenn einer eine Reise tut: Der Prius auf der Langstrecke

Der Toyota Prius ist ein faszinierendes Auto – seine besondere Eignung für die Stadt spricht ihm niemand ab. Doch wie verhält es sich, wenn reichlich Autobahnkilometer zu verdauen sind? Eine Reise nach Dänemark.

Ist es jetzt eigentlich die Nordsee oder schon die Ostsee? Jedenfalls: Der Prius nördlich von Kopenhagen. Frisch!
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Ist es jetzt eigentlich die Nordsee oder schon die Ostsee? Jedenfalls: Der Prius nördlich von Kopenhagen. Frisch!
Ist es jetzt eigentlich die Nordsee oder schon die Ostsee? Jedenfalls: Der Prius nördlich von Kopenhagen. Frisch! – (c) Juergen Skarwan

Wien/Aarhus. Es gibt fast keine Prius-Diskussion, vor allem mit Nicht-Prius-Fahrern, die nicht auf ein „Ja, aber“ hinausläuft. Denn dass der Hybrid unter den Automobilen ein vorbildlicher Stadtbewohner ist, mag kaum jemand infrage stellen.

Er verbraucht weniger als Dieselautos, ohne sich mit deren Abgasverhalten unbeliebt zu machen, zudem ist er leise, absolviert kurze Etappen auch rein elektrisch und rollt aufgrund seiner speziellen Bereifung besonders geräuscharm ab. Er ist schlicht das Gegenteil von Diesel-SUVs, wie sie in der Werbung immer noch gern für „urbane Abenteuer“ angepriesen werden.

Spät, aber doch haben diese Tugenden den Toyota auch als ideales Taxi empfohlen – ein Unding, dass die Branche ausgerechnet von Dieselautos dominiert ist, deren Abgasreinigung unter den Fahrumständen gar nicht oder kaum aktiv ist, nicht selten unter Mithilfe des Betreibers, der durch Manipulation am Steuergerät und das Entfernen von lästigen Filtern Sprit sparen kann. Wer schaut ihm schon auf die Finger? Dass Autos halt stinken, so lernt man es bei uns, ist gottgegeben. In London übrigens sind ab 2018 Neuzulassungen von Diesel-Pkw, egal welchen Baujahres, als Taxi untersagt.

 

Nicht von allen verehrt

Der Prius ist trotzdem nicht Everybody's Darling. Manchen stößt der Impetus des politisch Korrekten auf – die Wahl des Autos als Ausdruck einer Weltanschauung –, anderen die doch eigenwillige Form, die mit der neuen Generation noch akzentuiert wurde.

Im redaktionellen Testbetrieb fiel zudem auf, dass die Attraktivität des Prius mit der zu erwartenden Kilometerleistung signifikant abnimmt. Sprich: Für weiter reichende Ausflüge wird in aller Regel das Diesel-SUV präferiert, so eines zur Verfügung steht. Damit sind wir bei der eingangs erwähnten Diskussion: Nicht persönlich gemeint, aber das Hybridauto tauge eben nicht für den Langstreckenbetrieb. Wo der Elektromotor keinen Support bieten kann, im Fahrspurengefecht der Autobahn, müht sich ein kleiner Benziner ab, der darob zu saufen beginnt.

Fakt oder Fake? Wir haben den Prius auf die Reise geschickt, Mission: Ermitteln des Realverbrauchs unter erschwerten Bedingungen und unter Besuch namhafter Museen für Moderne Kunst im Staate Dänemark. Dorthin ist es bekanntlich ein gutes Stück, und dieses führt maßgeblich über deutsche Autobahnen – zusätzliche Brisanz einer Reise, die in voller Besetzung angetreten wurde. Fünf Personen, darunter kein Kind, verteilten sich und ihr Gepäck im Innern des Prius. Als einzige Erleichterung wurden noch schnell Sommerreifen aufgezogen. Ist es Einbildung, dass diese härter und gar nicht leiser abrollen als die weicheren Wintergummis? Es fühlt sich so an.

Die Route führte von Wien über Prag, Dresden, Berlin und Hamburg nach Aarhus, diesjährige Kulturhauptstadt, bis zur dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wobei diese Etappe auf dem Schiff zurückgelegt wurde – und retour. Am Ende standen 3100 Kilometer im Protokoll. Der Gesamtverbrauch wurde ohne Auslitern, aber unter genauer Buchführung und unter Abgleich mit den Werten des Bordcomputers erhoben. Doch zunächst zum Leben an Bord.

Dass fünf Menschen auf viereinhalb Metern Außenlänge dauerhaft das Auslangen finden, spricht für die hohe Raumausbeute, die dem Format entrungen wurde: Beschwerde gab es keine einzige. Speziell der kombiartige Kofferraum unter der großen Heckklappe überrascht immer wieder aufs Neue. Der Fahrer aktiviert frühestmöglich den Tempomat samt Abstandshalter und kann sich so ein wenig die Zeit mit dem Bordsystem vertreiben. Zu den neuen Features zählt eine übersichtliche Abrechnung von gefahrenen Kilometern und dem Verbrauch der letzten Tage. Notiz: Die jammernde Drehzahl, bedingt durch das stufenlose Getriebe, wird bei hohen Autobahntempi bald lästig. Wer hauptsächlich so verkehrt, wird sich mit dem Prius nie anfreunden. Die Überholspur wurde speziell in Deutschland nur für Kurzbesuche genutzt, bei 183 km/h auf dem Tacho regelt der Prius ab, mehr erscheint ihm nicht statthaft. Es spricht für die herausragende Aerodynamik, dass ihn die nicht üppige Motorleistung dazu befähigt. Das Tempo ist aber auch in Deutschland bei Weitem nicht flächendeckend zulässig, so pendelte sich die Fahrgeschwindigkeit in der Nähe des auch bei uns Erlaubten ein. Nicht nur jene 6,1 Liter/100 km, die aus dem Fahrexperiment resultierten, haben dem Prius den Schrecken der Langstrecke genommen. Auch dass die Fünf als Freunde auseinandergingen, rechnen wir dem Hybriden hoch an. (tiv)

TOYOTA PRIUS 1,8 VVT-I LOUNGE

Maße. L/B/H: 4540/1760/1470 mm.

Radstand: 2700 mm. Leergewicht: 1375 kg.

Ladevolumen: 343–1557 Liter.

Frontantrieb.

Motor.

Benzinmotor: R4-Zylinder-Otto, 1798 cm3.

Max. Leistung: 72 kW (98 PS) bei 5200/min.
Max. Drehmoment 142 Nm bei 5200/min.

E-Motor: max. Leistung: 53 kW, Drehmoment: max. 163 Nm ab 0/min. Systemleistung: 122 PS.

Energiespeicher: Nickelmetallhybridakku, 6,5 A/h.

Getriebe: stufenlos variable Automatik.

0–100 km/h in 10,6 Sek. Vmax: 183 km/h.

Testverbrauch: 5,2 l/100 km (vorläufige Gesamtbilanz).

Preis. Ab 31.140 Euro („Lounge“).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2017)

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