Fahrbericht

Yamaha-Härtetest im Zentrum von Rom

Die Vespa ist der beliebteste Roller aller Zeiten. Italien ihr Heimatland. Das juckt Yamaha nur wenig und schickt ihre neuen Roller mit einer spannenden Aufgabe in die Ewige Stadt.

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Mit dem Roller durch Rom – (c) alessio barbanti

Vespa-Fans fiebern jedem neuen Modell entgegen, als sei es eine göttliche Offenbarung. Seit 1946 wurden weltweit über 18 Millionen Stück verkauft – damit ist die Vespa vom italienischen Hersteller Piaggio der beliebteste Roller aller Zeiten. Vor allem in Österreich hat sie Tradition: In keinem anderen Land kann Vespa auf einen so hohen Marktanteil verweisen wie hierzulande.

Keine leichte Ausgangssituation für Yamaha also. Wenn der japanische Motorrad-Hersteller neue Roller präsentiert sorgt das für wenig Aufregung. Spannend wird es erst bei der Kombination: So hat sich das Unternehmen ausgerechnet Rom für den Test seines "Urban Mobility-Rollerprogramms" ausgesucht.

Die Verkehrshölle duftet nach Jasmin

Die Aufgabe: Knapp 40 Kilometer durch Rom düsen und in vier ausgewählten Feinkostläden (Er Cimotto, Gargani, G.Antonini und Volpetti) Zutaten für das Abendessen besorgen – so kann auch gleich den Stauraum der Roller auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Strecke führte vorbei an den bekanntesten Touristenzielen: vom Kolosseum, über den Vatikan, zur spanischen Treppe, vorbei an Trevi-Brunnen, Pantheon, Forum Romanum und über die Piazza del Popolo. Die Sonne schien, die Jasminblüten dufteten und die Verkehrslage war die Hölle. Vergleiche "wie früher die Mariahilferstraße am letzten Einkaufssamstag vor Weihnachten" oder "Gürtel mal drei" treffen es wahrscheinlich am besten. Trotzdem war ich froh am Roller zu sitzen, nur so kommt man flott durch den römischen Verkehr.

D'elight 125 sorgt für Italo-Feeling

Meine Wahl für die ersten Kilometer fiel auf den D'elight 125. Rein optisch taugt er nämlich am ehesten für italienischen Momente. Er sieht süß aus, ist leicht nostalgisch angehaucht und erfreut das Auge mit einem klassischen Cockpit, das gut ablesbar ist. Zum Retro-Look passt, dass dieser Roller noch einen echten Durchstieg besitzt, in dem man seine Füße bequem abstellen oder auch eine Kiste Bier transportieren kann.

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(c) alessio barbanti

Die 12-Zoll-Räder sorgen für eine etwas ruckelige Fahrt – besonders wenn die Fahrt über Pflastersteine geht. Dank ordentlich dimensioniertem Staufach unter der Sitzbank (37,3 Liter) ist er ideal für kleine Besorgungen, denn Parkplatzsorgen kennt dieses wendigen Zweirad nicht. So richtig gestört hat mich der Blinker, der einfach billig und wenig bedienerfreundlich verarbeitet ist. Mit nur 99 Kilogramm, kompakten Abmessungen und 8,4 PS starkem Einzylinder zählt der D'elight 125 zu den wirtschaftlichen Modellen. Die Preise starten ab 2.400 Euro.

Yamaha-Bestseller überzeugt

Danach ging die Fahrt auf dem Yamaha-Bestseller NMAX 125/155 weiter. Für mich fühlte sich das gleich stabiler an, dank der stärkeren Beschleunigung kam ich auch schnell aus brenzligen Situationen. Eigenlich wollte ich gar nicht mehr absteigen. Das sehen auch andere so: 2016 wurden in Europa 12.000 Stück von diesem Modell verkauft. Auch international läuft es gut. In Indonesien etwa wurden im selben Zeitraum 150.000 Modelle abgesetzt. Aber nicht nur die Zahlen sind eindrucksvoll. Mich persönlich hat besonders das Fahrwerk überzeugt: Egal wie holprig der Untergrund war, also Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen oder geflickter Asphalt – ich habe mich immer sicher gefühlt.

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(c) alessio barbanti

Ein Pluspunkt ist hier das serienmäßige ABS, das bei Neueinsteigern (wie mir) viel Vertrauen schafft. Der leicht nach hinten geschwungene Lenker liegt gut in der Hand, die Füße könnten mehr Platz haben. Die geringe Masse von 127 macht die NMAX jedenfalls auch für Ungeübte leicht beherrschbar. Neu sind die Doppelscheinwerfer mit LED-Licht und die breiteren 13-Zoll-Reifen.

Nicht oberflächlich werden

Über die Optik lässt sich streiten. Die Designabteilung hat sich an den großen Yamaha-Motorrädern orientiert. Denn viele Biker legen sich zusätzlich zur großen Maschine auch einen Roller für die Stadt zu. Das muss dann natürlich zusammenpassen. Ob ein Roller wirklich solche Linien braucht, naja. Mit einem Preis von rund 3000 Euro ist der NMAX jedenfalls nicht überteuert. Zum Vergleich: Die günstigste Vespa GTS startet bei 5400 Euro.

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(c) alessio barbanti

Viel Aufsehen um ein Dreirad

Zum Abschluss durfte ich noch das Dreirad Tricity 125/155 testen. Egal ob an der Ampel, auf der Hauptstraße oder in engen Gassen: Dieses Gefährt zog in Rom alle Blicke auf sich. Kein Wunder, sind Dreiräder im Straßenverkehr noch nicht wirklich üblich. Mein Fazit: Egal wie eng die Kurve ist - umfallen kann man nicht, aber einparken will gelernt sein. Ich jedenfalls hatte meine Probleme das 164 kg schwere Tricity korrekt in eine der engen Parklücken Roms zu manövrieren. Damit wären leider auch wieder einmal alle Vorurteile gegenüber Frauen und Parken bestätigt (tut mir leid...).

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(c) Alessio Barbanti

Nun noch zu den technischen Details: Der überarbeitet Tricity kommt mit einen flüssigkeitsgekühlten Motor (Blue Core) daher und punktet trotz geringerem Kraftstoffverbrauch und reduziertem Schadstoffausstoß mit mehr Leistung (Tricity 125: 12,2 PS, 155: 15 PS). Das Hinterrad wuchs von 12 auf 13 Zoll für mehr Abrollkomfort, ein längerer Radstand bringt mehr Platz für Fahrer und Stauraum. Die Preise starten ab 4300 Euro.

Darf ich überhaupt einen 125 ccm Roller fahren?

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis, für alle die keinen Motorrad-Führerschein haben: In Österreich können Leichtmotorräder bis 125 ccm auch mit B-Führerschein gelenkt werden - ohne eine Motorrad-Prüfung ablegen zu müssen. Das sind die Voraussetzungen:

  • Mindestens 5 Jahre ununterbrochener Besitz einer gültigen Lenkberechtigung der Klasse B

  • Nachweis des praktischen Fahrunterrichtes im Ausmaß von insgesamt mindestens 6 Stunden in Fahrschulen oder bei einem Autofahrerclub. Die Kosten dafür liegen beim ÖAMTC bei rund 240 Euro.

  • Ausstellung eines neuen Führerscheines mit dem Code 111
    (Vorher darf nicht gefahren werden! Ist übrigens im Preis des Fahrtrainings inkludiert.)
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