Fahrbericht

E-Klasse 250 T-Modell: Inbegriff des feinen Kombis

Die Runderneuerung, die bei Mercedes im Gange ist, betrifft auch die goldene Mitte der Marke – die E-Klasse, zumal als Kombi. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich eine Alternative zum Diesel inspizieren.

Schließen
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

In den vergangenen Jahren ist bei Mercedes kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Dass strategisch offenbar an den richtigen Stellen angesetzt wurde, mag man auch an dem Umstand ablesen, dass die Marke im Vorjahr am ewigen Rivalen BMW vorbeigezogen ist. Der Abschied aus der Altherrenecke, mithin die Verjüngung der Klientel ist vor allem auf das kompakte Format mit seiner kaum noch überschaubaren Derivatenvielfalt zurückzuführen, Motto: „Mercedes würden ja viele fahren wollen, wenn es nur etwas in der Preisklasse gäbe.“ Billig sind auch die kleinen Benzen nicht, aber immerhin erschwinglich – und begehrt, nicht zuletzt in China.

Schließen
So sieht keine Altherrenecke aus: Interieur der neuen E-Klasse. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Außerdem wurde die Designabteilung über die Jahre nochmals aufgewertet, unter ihrem Boss Gorden Wagener arbeitet eine motivierte Hundertschaft, die kühn und visionär zeichnen und formen darf (und die Kunden trotzdem mit Experimenten verschont). Auf die neue A-Klasse darf man gespannt sein.

Schließen
Wunderschöne Details, in diesem Fall nicht ganz stimmig in der Bedienung: Manuelles Interface des E-Klasse-Bordsystems. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Schön in der Mitte

Die E-Klasse steht bei alldem schön in der Mitte, so zwischen Tradition und Neuem – zumal als T-Modell vulgo Kombi. Hier kreuzen sich Business und Familie, Nutzwert und Lifestyle, Prestige und Bodenständigkeit.

 

Schließen
Zwischen Prestige und Bodenständigkeit - mit einem gerüttelt Maß Dynamik im Ausdruck. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Von der frühen Kantigkeit ist im Mercedes-Universum nichts mehr geblieben, der Kombi ist da keine Ausnahme. Die Fensterlinie greift wie bei den Shooting-Brake-Varianten sportlich nach hinten, was sich natürlich nicht mit dem Ladevolumen spießen darf, da könnte Mercedes bei den Fans des T-Modells auf kein Verständnis hoffen. Neues Feature: Die Rücksitzbank lässt sich steiler stellen, was 30 Liter mehr Volumen im Gepäckraum bringt (gesamt: 670 Liter).

 

Schließen
Hervorragend auch im Abgang: Heck des T-Modells, hier als 250er-Benziner. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Was allgemein für die E-Klasse gilt: Die Rücklichter sind keine Problemzonen mehr, die Front weist ein gerüttelt Maß Imposanz auf, ohne einzuschüchtern, und an vielen Stellen offenbart sich eine bemerkenswerte Liebe zum Detail, bei den skulpturesken Scheinwerfern etwa und generell im Innenraum. Das Verhältnis von Radstand zu Gesamtlänge: schlicht vorbildlich (und signifikant besser als etwa beim Audi A6 Avant).

InlineBild (d3202ad9)
Was fehlt noch zum Kombiglück? Der richtige Motor. Was das ist, und was es nicht ist, darüber wird derzeit ja hingebungsvoll gestritten. Traditionell mehrheitlich steckt ein Diesel unter der Haube. Wir bewegten auf unseren Testfahrten jedoch den E?250, einen Zwei-Liter-Turbobenziner mit 211?PS: eine absolut brauchbare Alternative, wie wir finden (auch wenn die Empfehlung wegen der Allradoption in Richtung E200 mit 184 PS geht). Das volle Drehmoment steht noch deutlich früher als bei den Dieseln an.

InlineBild (d3202ad9)
Im Zusammenspiel mit der famosen Automatik, die sich geschmeidig durch die neun Gänge hantelt, ergibt sich daraus ein spritziger Vortrieb in größter Mühelosigkeit. An dieser Schraube lässt sich in beide Richtungen drehen, in Richtung Eco oder Sport. Die Wandlung im sportlichen Set-up ist wesentlich markanter als bei den Dieselmodellen, denn nun kommt das breitere Drehzahlband ins Spiel. Die Testfahrten, zu denen auch ausgedehnte Aufenthalte im Sportmodus und auf der Überholspur deutscher Autobahnen gehörten, schlossen wir mit neun Litern/100 km ab.

Schließen
Weiteres Beispiel für die schöne Detailarbeit: Ausströmer am Instrumententräger. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Hat Mercedes auch die gewisse Behäbigkeit der alten E-Klasse im Fahrgefühl wohltuend hinter sich gelassen, wurde doch nicht alles erneuert – über den Wahlhebel der Automatik, fingernahe am Lenkstock angebracht, freuen wir uns unverändert. Dass BMW das insgesamt bessere Bordsystem hinbekommt und man im neuen 5er mit Gesten Kommandos erteilen kann, damit muss man in der E-Klasse bis auf Weiteres leben. Es ist sicherlich kein Darben zu nennen.

 

Mercedes-Benz E 250 T-Modell

Maße: L/B/H: 4933/1852/1475 mm. Radstand: 2939 mm. Leergewicht: 1720 kg. Ladevolumen max.: 1820 Liter.

Motor: R4-Zylinder-Otto, Turbo, 1991 ccm. Leistung max.: 155 kW/211 PS bei 5500/min. Drehmoment max.: 350 Nm bei 1200–4000/min. Vmax: 243 km/h. Heckantrieb. Neungang-Automatik(Wandler).

Testverbrauch: 9,0 l/100 km.

Preis: ab 56.900 Euro.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    E-Klasse 250 T-Modell: Inbegriff des feinen Kombis

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.