Countryman, der Aufbruch aus Minimundus

Mini raufte lang zwischen der Drolligkeit, für die die Marke geliebt wird, und Praxiswert, der verlangt wird. Beides liefert der neue Countryman – nur Minimales nicht mehr.

Beileibe kein Zwergerl mehr: Mini Countryman in maximaler Ausformung – als 192 PS starker Cooper S mit Allradantrieb.
Schließen
Beileibe kein Zwergerl mehr: Mini Countryman in maximaler Ausformung – als 192 PS starker Cooper S mit Allradantrieb.
Beileibe kein Zwergerl mehr: Mini Countryman in maximaler Ausformung – als 192 PS starker Cooper S mit Allradantrieb. – (c) Henke

Kleinheit, das haben wir bei der Neuvorstellung des aktuellen Countryman schon festgehalten, ist dieser Tage auch für einen Mini keine Tugend mehr. Im Banne des SUV–Hypes gibt es nur eine Richtung: größer, schwerer, höher. So ist der Countryman um 20 Zentimeter in die Länge gewachsen und hat zum Vorgänger um etwa 100 kg an Lebendgewicht zugelegt.

Beklagen werden das aber allenfalls Markentraditionalisten – der Ur-Mini mit seinem genialen Packaging war ein Kind der Materialknappheit im Nachkriegsengland – und Kulturkritiker, die unserer Gesellschaft schlicht Größenwahn attestieren.

Andere werden erfreut feststellen, dass nun auch im Fond zwei Erwachsene ordentlich sitzen können, so die Plätze nicht für Kindersitze reserviert sind (in diesem Fall ist der Countryman ein Viersitzer, kein Fünfsitzer). Mit 450 Litern, auf die sich der Kofferraum nahezu verdoppelt hat (1390 Liter bei umgelegten Rücksitzen), sollte dem familiären Platzbedarf Genüge getan sein. Das hintere Gestühl lässt sich längs verschieben, somit kann noch zwischen Fuß- und Gepäckraum verhandelt werden.

 

Landbursche mit Manieren

Der Sprung, den der Countryman gemacht hat, ist aber viel größer, als allein die Maßwerte nahelegen. Dass der BMW X1 als technische Plattform dient, hebt den Fahrkomfort aus der Kinderspielecke ins Erwachsene. Vergessen ist das harsch gefederte Kistenflair des Vorgängers, das Übersetzungen des Modellnamens in Richtung Landbursche, gar G'scherter nahelegte. Zwar reagiert ein betont straff abgestimmtes SUV, wie es der Countryman ist, zwangsläufig empfindlicher auf Verwerfungen im Straßenbelag als Kombi oder Limousine, doch das nimmt man im Mini gern sportlich.

Auf der hervorragenden Basis des BMW X1 durfte Mini eine dynamischere Feinabstimmung vornehmen. Die Direktheit des Fahrgefühls, von Mini etwas übertrieben als Gokart-Feeling proklamiert, ist ansteckend und animierend, der flotten Kurvenfegerei setzen am ehesten Proteste von der Hinterbank Grenzen.

Das kommt freilich mit der geeigneten Motorisierung erst richtig zum Tragen. Die auffällige Lufthutze, die beim Cooper S früher auf Kompressorbrisanz hingewiesen hatte, ist Geschichte, im neuzeitlichen Cooper S arbeitet ein Zweiliter-Turbobenziner, wie er mit der exakt gleichen Leistung – 192 PS – bei BMW Dienst versieht. Ein kultivierter Motor, der bei deutlich über eineinhalb Tonnen Fahrzeuggewicht und erhöhten Fahrwiderständen durch den SUV-Aufbau naturgemäß keine Verbrauchsrekorde abliefern kann. Die im Test erzielten 8,6 Liter/100 km sind nur durch Zurückhaltung am Gaspedal zu erreichen, von ein paar Sonderprüfungen abgesehen. Ein Dreh am Kranz des Automatikwahlhebels aktiviert Sport- oder Eco-Modus, optisch begleitet von rotem oder eben grünem Glimmern der diversen Leuchtleisten an Bord. Und ja, das rotzige Auspuffgebrabbel im Sportmodus ist erhalten geblieben.

 

Dreh und Drück

Zentrales Eingabeinstrument ist das waschtrommelgroße Display an der Mittelkonsole, es kann durch Tapsen wie auch durch das Dreh-und-Drück-Rädchen zwischen den Sitzen bedient werden. Die Anordnung der Schalterchen, viele davon als schicke Kipphebel ausgeführt (unter anderem zum Motorstarten), folgt weniger logischen als modischen Gesichtspunkten. Die Klangkulisse der Warn- und Hinweistöne, mit denen das Auto seine Befindlichkeit äußert, wirkt ulkig, das mag nicht jedermanns Sache sein. Es wird wohl auch eine Altersfrage sein, die einen vielleicht mehr zum X1 hinführt. Dessen Tarife liegen bei vergleichbarer Technik nur einen Hauch darüber. Dem Listenpreis wären für eine vollwertige Ausstattung gut 30 Prozent hinzuzufügen.

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Mini Countryman Sooper S All4 Automatik

Maße: L/B/H 4299/1822/1557 mm. Radstand 2670 mm. Leergewicht 1530/1605 kg (DIN/EU). Gepäckraumvolumen 450–1390 Liter.

Motor: R4-Zylinder-Otto, Turbo, 1998 ccm. Leistung max. 141 kW (192 PS) bei 5000–6000/min. Drehmoment max. 280 Nm bei 1350–4600/min.
0–100 km/h in 7,2 sec. Vmax 222 km/h.
Testverbrauch 8,6 l/100 km. Allradantrieb. Achtgang-Automatik (Wandler).

Preis ab 38.027 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Countryman, der Aufbruch aus Minimundus

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.