Am Anfang lachte die Formel 1

Rennfahren, wenn man es denn überlebt, scheint förderlich auf die Fitness zu wirken. Vor uns schälen sich zwei jungenhafte Silhouetten aus den gelben Rennwagen: ein langer schlacksiger und ein kleiner, der wie ein Jockey wirkt. 

T. Völker

Der Jockey ist Alain Prost, 61, der Große Jean-Pierre Jabouille, Mitte siebzig.

Wir befinden uns auf der Avenue Princesse Grace in Monaco, dieser Tagen vornehmlich als Startzielgerade in Verwendung – Ortsgebiet, in dem über 270 km/h völlig in Ordnung sind. 

T. Völker

Es ist Freitag nach dem freien Training der Formel 1, und für ein paar denkwürdige Runden dürfen zwei Oldies außer Konkurrenz durch die Häuserschluchten des Fürstentums röhren. Bild: Alain Prost, Renault-Chef Carlos Ghosn, Jean-Pierre Jabouille. 

Doch auch die beiden Renaults - RS01 und RE40, Baujahr: 1977 respektive 1983 - entfachen nicht das akustische Inferno, für das die Formel 1 einmal berüchtigt war.

FORMULE 1 - ESSAIS 1978

Zum einen liegt das an der gemessenen Gangart, die Prost und Jabouille für ihre Parade wählen, zum anderen an einer Technologie, die klangdämpfend wirkt, heute praktisch bei allen Automotoren für Straße und Rennsport zum Einsatz kommt – und 1977 in der Formel 1 eine Sensation war: Turboaufladung.

So eine Art Sensation halt. Denn zunächst erntete Pionier Renault Spott und Häme. Der RS01 lief im Fahrerlager als „gelbe Teekanne“, was an der aerodynamisch progressiven Bauweise lag, die Jean–Pierre Jabouille in einer Talentkombination als Ingenieur und Rennfahrer angestoßen hatte. Und vielleicht auch daran, dass die Kiste ziemlich oft rauchend dastand.

Die Konzernführung hatte sich auf das Abenteuer Formel1 nur unter der Bedingung eingelassen, dass man mit neuer Technologie antreten würde. Sie war rasch in der Turboaufladung gefunden – nichts Unbekanntes, aber im Rennsport bis dahin noch nicht erfolgreich erprobt.

Das Formel-1-Reglement bot die Option – Hubraumlimit: 1,5 Liter – schon seit einigen Jahren, doch erst Renault wagte sich darüber. Der RS01, als 1,5-Liter-V6-Turbo nahe dem heutigen Standard, mobilisierte 525 PS bei etwa 10.000 Touren.

Mit seinem klaftertiefen Turboloch war speziell auf winkeligen Strecken schwer umzugehen. Es sollte drei Jahre dauern, bis die Anstrengungen mit einem Sieg belohnt wurden – immerhin ein Heimrennen, Dijon, 1979, Fahrer: Jean-Pierre Jabouille.

Er erzählt heute: „Wir haben damals überhart gearbeitet – das wäre mit den heutigen Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen gar nicht möglich. Wir wollten den Erfolg zu jedem Preis.“

Es sollte dennoch nicht das Jahr des Jean-Pierre Jabouille werden – ein schwerer Crash in Kanada beendete seine Formel-1-Karriere. Er wechselte in die Teamführung, zwischendurch machte er ein Lokal in Paris auf. Bei Renault folgte ihm Prost als Fahrer nach.

1983 hatte das Feld mitbekommen, dass mit der Aufladung Wunderdinge möglich waren, es sollte in sagenhaften 1500 PS gipfeln, die BMW seiner Höllenmaschine entlockte. Alain Prost verfehlte mit seinem RE40 den Titel in dem Jahr um zwei Punkte.

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