Toyota Proace Verso: Wenn mit Platz Raum gemeint ist

Da kommt kein Full-Size-SUV mit: Der Toyota Proace Verso ist die pragmatische und viel günstigere Alternative für Familien mit erhöhtem Raumbedarf.

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Fahrbare Hütte: Toyota Proace Verso, mit Pkw-Manieren, acht Sitzplätzen und viel Stauraum ganz auf Familien eingerichtet. – (C) Henke

Die Idee, Liefer- oder Kastenwagen auch Familien anzudienen, im Idealfall zu beidseitigem Vorteil, ist nicht neu und mittlerweile in allen möglichen Formaten auf dem Markt. Was genügsam, geräumig und unkompliziert mit Nissan Evalia, VW Caddy, Renault Kangoo und dergleichen beginnt, erstreckt sich fürstlich bis zu T6 (vulgo VW Bus) und der Mercedes V-Klasse.

Preislich in der Mitte, größenmäßig dennoch auf Höhe der Letztgenannten bewegt sich der Toyota Proace Verso. Der aktuelle Proace entstammt einer bereits erprobten Kooperation der Japaner mit der PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën) und wird auch in Frankreich gebaut (gehen wir davon aus, dass Toyota sein strenges Qualitätsregime auch am Standort Valenciennes durchpeitscht).

 

Eichenbraun metallic

Allen drei Proponenten wurden ordentliche Markengesichter verpasst, der Citroën (Spacetourer) und der Toyota haben es nach unserem Dafürhalten am besten erwischt. Gleich noch 780 Euro für die Metalliclackierung in Eichenbraun investiert, und der Toyota Proace in seiner Rolle als Familientransporter sieht kein bisschen danach aus, als wäre gerade der Klempner angerückt.

Die Liste der Spezifikationen ergibt ein feistes Papierbündel, denn unzählige Varianten des Proace Verso werden angeboten, zum Beispiel drei Längen und zwei Radstände und allerhand Möglichkeiten, den Innenraum auszulegen. Unser Testexemplar kam als Medium in der sinnvollen Ausstattung Family mit einem opulenten Radstand von fast 3,3 Metern und einer gerade noch stadtalltagstauglichen Länge von knapp fünf Metern. Daran und am kubischen Aufbau, der keine abfallende Dachlinie und dergleichen Designer-Schnickschnack aufweist, kann man sich ausmalen, dass man drinnen nicht aufeinandersitzt. Zuvor jedoch der Zugang: dieser beidseitig über Schiebetüren, die leicht aufgleiten und willig wieder ins Schloss fallen, ohne dass man wie ein Kugelstoßer anschieben muss. Der Schiebetürmechanismus ist auch akustisch entschärft, und man glaubt ja nicht, wie oft es bei einer Familie Tür auf, Tür zu heißt. Der Mensch am Steuer klettert auf einen Hochsitz, von dem aus es sich auf die meisten SUV-Besatzungen herabschauen lässt, was man als angenehm und übersichtlich empfindet.

Aller in einem Pkw erwartbarer Komfort ist vorhanden, um es kurz zu sagen, einzige Testwagenextras waren neben dem kleidsamen Anstrich ein Safety-Paket, das mit adaptivem Tempomat und Head-up-Display empfehlenswert ist, und ein sehr brauchbares Navi mit Touchdisplay. Ohne Einparkhilfe vorn und hinten und Rückwärtskamera (samt Vogelperspektive) lässt man einen Fünfmeterbus ohnehin nicht auf Familien los.

Das Fahren ist angenehm, der Motor geht leicht von der Kupplung, insofern konnten wir gut mit Schaltgetriebe leben. Automatik gibt es auf Wunsch, nicht jedoch Allrad. Selten fordert man den kräftigen, gut gedämmten 2,0-Liter-Diesel wirklich, das ist auch für flottes Vorankommen kaum notwendig und trägt einem erfreuliche Verbrauchswerte und bei 70 Litern Tankinhalt ehrgeizige Reichweiten ein. Die mittlerweile obligate SCR-Abgasreinigung mit AdBlue ist an Bord, unsere NO2-Geruchsprobe absolvierte der Proace ohne Auffälligkeiten.

Wie schon im Titel angekündigt, findet man im Proace Verso nicht bloß Platz, sondern Raum vor. Allerlei ließe sich aus diesem Innenraum zimmern, etwa ein Wohnmobil auf dem zweiten Bildungsweg. Zunächst aber: Reihe zwei und drei sind in der Länge verschiebbar, die Lehnen umlegbar. Wer sicher nie acht Sitze benötigt, kann die hinteren drei abmontieren und in der Garage parken, der Gepäckraum würde neben viel Gepäck dann auch noch zwei Fahrräder aufnehmen.

Kein Full-Size-SUV kann es in der Hinsicht mit dem Proace aufnehmen – wahrer Luxus für Familien also, nur ohne Protz, auf die pragmatisch-sympathische Art.

TOYOTA PROACE VERSO 2.0 D

Maße: L/B/H: 4959/1920/1900 mm, Radstand: 3275 mm, Leergewicht: 1869 kg, Ladevolumen: 5,3 qm
Motor: R4-Zylinder-Turbodiesel, 1997 ccm; Leistung: max. 110 kW (150 PS); max. 370 Nm.; Vmax 170 km/h.; Testverbrauch: 7,9 l/100 km.; Vorderradantrieb; 6-Gang manuell

Preis: ab 42.300 Euro (Family, Medium)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2017)

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