In der Sahara sind wohl alle Autos gelb

Fahrbericht. Es gibt nicht viele Neuwagen mit Preisen im vierstelligen Bereich. Der Ford Ka+ ist ein solcher – zumindest theoretisch. Und auch nur, wenn man das wirklich will, statt sich einen schönen Gebrauchten anzulachen.

Bescheidenheit ist eine Zier: Ford Ka+ in Sahara-Gelb, andere Farben kosten extra.
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Bescheidenheit ist eine Zier: Ford Ka+ in Sahara-Gelb, andere Farben kosten extra.
Bescheidenheit ist eine Zier: Ford Ka+ in Sahara-Gelb, andere Farben kosten extra. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Ziemlich genau ein Dutzend Marken bieten in Österreich Neuwagen unter 10.000 Euro an. Was den allerniedrigsten Kaufpreis im Lande angeht, sind Dacia und Lada ungeschlagen: Sie haben je ein Modell um 7590 Euro im Sortiment.

So billig gibt es der Ford Ka+ nicht, er duckt sich mit 9950 Euro gerade noch unter die Grenze zum Fünfstelligen. Theoretisch.

 

Ins Börsel greifen

Denn praktisch bekommt man dafür ein Auto ohne Radio und Klimaanlage, das ist bei aller Bescheidenheit nicht leicht vermittelbar. Wer sich nicht gleich von einem Gebrauchten verführen lässt, wird vermutlich noch einmal ins Börsel und dann zur Variante Trend greifen. Diese bietet um 11.450 Euro erwähnte Annehmlichkeiten und damit den Anschluss an heutige Mindeststandards. Als Draufgabe gibt es auch 15 PS mehr, die man dem 1,2-Liter-Benziner entlockt. Mit 85 PS kommt man sogar für Strafmandate auf der Autobahn infrage: Wer lang genug Anlauf nimmt, erreicht im fünften Gang 166 km/h, freilich im strengen Widerspruch zu jeglichem Spargedanken.

Apropos: Richtiggehend feudal war unser Testexemplar ausgestattet, mit einer richtigen Klimaanlage statt der manuellen (350 Euro), Lederlenkrad samt Tempomat (490 Euro), getönten hinteren Scheiben (150 Euro) und 15-Zoll-Leichtmetallrädern (450 Euro), die mit fast fünf Prozent vom Fahrzeugpreis einen großen Posten darstellen. Wer allerdings das sehr kräftige, aufpreisfreie Sahara-Gelb als Grundlackierung geschehen lässt, sollte sich so viel Eitelkeit auch noch leisten. Die farbliche Alternative wäre Liquid-Weiß, und das kostet 100 Euro extra.

Wir hätten uns einen etwas unauffälligeren Anstrich gewünscht – gegen Basismobilisierung ist ja nichts zu sagen, bloß möchte man dann vielleicht auf das optische Ausrufezeichen verzichten. Im Stadtbetrieb ist der Ka+ ein brauchbarer Geselle, der sich naturgemäß aus Positionskämpfen in Ampelnähe heraushält. Dazu ist der Motor nicht spritzig und das Auto mit 1055 kg Leergewicht nicht leicht genug.

Platz ist noch am ehesten eine Domäne des knapp vier Meter langen Fords, die Kopffreiheit ist auf allen Plätzen für Erwachsene gut (vorn) bis akzeptabel (hinten). Nur eine fünfte Person sehen wir nicht im Fond der Viertürers. Dafür lassen sich die Rücksitze umlegen. Trotz ESP und Airbags auf allen Plätzen sieht man die Konkurrenz des Ka+ wohl auf dem Gebrauchtwagenmarkt. (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2017)

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