Motorsport, der keinen Krawall macht?

In der Formel E fahren Elektroautos um die Wette. Hat das Zukunft – oder ist das gar die Zukunft des Rennsports?

Leise. Jaguar steigt in die Formel E ein, Audi und Renault sind schon dabei, Mercedes wohl bald.
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Leise. Jaguar steigt in die Formel E ein, Audi und Renault sind schon dabei, Mercedes wohl bald.
Leise. Jaguar steigt in die Formel E ein, Audi und Renault sind schon dabei, Mercedes wohl bald. – (c) beigestellt

Es ist nicht so, dass Elektroautos wirklich lautlos wären, vor allem, wenn sie als Rennwagen im physikalischen Grenzbereich um eine Strecke getrieben werden. Da wimmern und jaulen die Reifen um Traktion, da knallen die Gänge wie mit dem Hammer geschlagen ins Getriebe, da ächzt die Aufhängung – alles Geräusche, die man bei einem normalen Rennauto nicht hört, weil der Krawall der Auspuffanlage alles im näheren Umkreis übertönt. Zudem legt auch der E-Motor selbst einen Soundtrack, ein turbinenartiges Heulen, das beim Hochdrehen fast hysterisch klingt – der Klang von Strom in Hochvolt, sozusagen. Serienmäßigen Elektro-Pkw treibt man diese Geräusche mit hohem Aufwand aus, Rennautos dürfen das. Wenn jedenfalls ein Feld aus 20 elektrischen Rennern heranprescht, dürfte das auch Schwerhörige vom Queren der Fahrbahn abhalten.

Formel E Jaguar I-Type
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Formel E Jaguar I-Type
Formel E Jaguar I-Type – (c) beigestellt


Die Formel E tourt seit 2013, die Vision: Rennsport, der verträglich ist und der Serientechnik endlich brauchbare Impulse liefert. Denn auf der Straße sollen die Autos leiser und umweltfreundlicher werden, da sind sich alle einig. Audi und Renault sind schon dabei, Jaguar steigt soeben ein, Mercedes ist kurz davor. Fehlen nur noch die Fans. Die Promoter haben keine Sorge, sie zu finden. Zum einen erschließen sich dem E-Zirkus ganz andere Arenen: Städte. Statt in Blechkolonnen ins Niemandsland vieler Formel-1-Strecken zu pilgern, kommt die Formel E zu den Menschen. Zum anderen hat die Komponente des (fehlenden) Sounds im Fernsehen kaum Bedeutung. Hier geht es um die Action, um Zweikämpfe und Überholmanöver. Und dabei darf das Publikum an den Schirmen mitwirken.

Gefahren werden die Rennen in Städten, das darf die Formel 1 nicht.
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Gefahren werden die Rennen in Städten, das darf die Formel 1 nicht.
Gefahren werden die Rennen in Städten, das darf die Formel 1 nicht. – (c) beigestellt

Einzelnen Piloten bzw. deren Autos können per Online-Voting Leistungsspritzen verabreicht werden: Der Publikumsliebling bekommt einen Boost und überholt. Bleibt nur die Frage, wie ein Akku eine ganze Renndistanz durchhalten soll. Tut er gar nicht. Etwa zur Mitte des Rennens biegen die Fahrer in die Boxengasse und tauschen flink Auto. Ein Signal an die Kids zu Hause: Etwas Bewegung während der ganzen Sitzerei kann nicht schaden!

Info

Name: Formel E Jaguar I-Type Rennstall: Panasonic Jaguar Racing Debüt: Hongkong, Oktober 2016 Motor: Elektro permanentsynchron Leistung: Qualifying 270 PS, Rennen 230 PS Gewicht: 880 kg Minimum 0 auf 100 km/h: 3,0 Sekunden Vmax: 225 km/h

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