Dornbirn/Duö. „Ich musste eine Entscheidung treffen und diesmal habe ich mich für mich entschieden.“ Ronald Waibel, der am Wochenende ankündigte, von seiner Funktion als Pfarrer in Dornbirn-Haselstauden zurückzutreten, hat lange über seine Entscheidung nachgedacht. Letztlich habe er gespürt, so Waibel zur „Presse“, „dass die Linie, die die römisch-katholische Kirche verfolgt, mir mein Arbeiten erschwert“.
Waibel habe besonders getroffen, dass der Papst das Gespräch mit der Pfarrerinitiative (deren Mitglied er war und die zu Ungehorsam gegenüber Rom aufgerufen hatte) verweigere: „Es ist Zynismus zu sagen, das soll auf Ebene der Ortskirche geregelt werden, aber die Anliegen betreffen die Weltkirche – der Zölibat zum Beispiel.“
Der 54-Jährige, der vor 27 Jahren zum Priester geweiht wurde, sei auch enttäuscht, dass Vorarlberg immer noch keinen Bischof hat. Vergangenen November hatte Bischof Elmar Fischer aus Altersgründen um seinen Rücktritt angesucht. Waibel: „Wenn man eine Diözese ein Jahr lang im Ungewissen lässt, dann ist das eine Herabwürdigung des Bischofsamtes. Wäre es wichtig, hätten wir schon einen Bischof.“
Er hoffe nicht, dass seine Entscheidung Schule mache, obwohl „ich weiß, dass viele unter denselben Gründen leiden wie ich“. Sobald der neue Bischof sein Amt angetreten habe, werde Waibel mit ihm über sein Ausscheiden sprechen (z. B. durch Suspendierung). Ab nächstem Jahr wolle er eine Ausbildung zum Alten- und Krankenpfleger machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)
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