Wien. Das Chaos, das der Schnee auf dem Flughafen Wien-Schwechat ausgelöst hat, ist auf den ersten Blick nicht zu bemerken. Die Ankunftshalle ist nicht besonders voll. Doch die, die hier stehen, haben Rucksäcke und Koffer in der Hand und schauen gelangweilt oder genervt. „Wir warten hier auf den Bus, der uns zum Flughafen nach Budapest bringen soll. Von dort geht es nach Kairo", sagt ein älterer Mann, der mit seiner Frau in Wien auf Urlaub war. Dabei hat er noch Glück gehabt. Andere können gar nicht fliegen oder müssen auf den nächsten Tag hoffen.
Die starken Schneefälle gestern, Donnerstag, haben den Wiener Flughafen lahm gelegt. Schon am Vormittag konnten kaum noch Flüge landen oder starten, zu Mittag wurden dann so gut wie alle Flüge eingestellt. Ankommende Flugzeuge wurden teilweise nach Linz oder Graz umgeleitet. Räumfahrzeuge waren zwar im Einsatz, die nachkommende Schneemenge war aber zu groß, hieß es seitens des Flughafens. Und zum ersten Mal seit Jahren wurde die Landebahn komplett gesperrt.
Lange Wartezeiten
Die beiden Geschäftsfrauen, deren Flieger nach Paris bereits um sieben Uhr in der Früh hätte starten sollen, sind sauer: „Wir sind schon im Flieger gesessen, dann hat es geheißen, wir müssen zum Enteisen", erzählt eine der beiden. Es folgten weitere Wartezeiten, um elf Uhr mussten sie schließlich die Maschine verlassen. Am Gepäcksschalter dann noch einmal eine Stunde Wartezeit. „Dann hat es geheißen, die Autos können das Gepäck nicht mehr vom Flieger holen, weil die Fahrbahn vereist ist." Ihre Koffer bleiben vorerst am Flughafen, sie selbst wurden gebeten, bei der Airline anzurufen. „Uns wurde kein Wasser angeboten, nichts zu essen", sagt die zweite genervt. Entspannter ist das Ehepaar aus Washington, dessen Rückflug gleich auf den nächsten Tag verschoben wird. „Wir sind gut informiert worden", sagt der ältere Herr mit dem roten Pullover. Er hat eben einen Voucher für eine Übernachtung im Hotel bekommen, inklusive Abendessen und Frühstück. „Es ist das Wetter, was will man machen", sagt er.
Lange Schlangen
Allein bis 16 Uhr fallen 229 von 342 Starts und Landungen aus, nur 113 Flüge können stattfinden - mit teils großen Verspätungen. Allein bei der AUA sind rund 10.000 Passagiere betroffen. Vor dem Umbuchungsschalter hat sich eine Schlange gebildet. Alle warten, die wenigsten wissen, worauf. Das Bodenpersonal versucht zu informieren, und weiß doch wenig zu berichten. „Ich glaube", sagt die Frau vom Infopoint am Nachmittag, „dass heute kein Flieger mehr startet." Am Ende heben doch noch ein paar ab, ab 20 Uhr dürfen einige Flugzeuge sogar wieder landen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)
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