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Kirche: Reform für die Ombudsstellen

13.06.2010 | 18:53 |  DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Die Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs werden generalreformiert. Priester sind künftig von deren Leitung ausgeschlossen. In einer Woche beschließt die Bischofskonferenz ein Maßnahmenpaket.

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WIEN. Die Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche werden generalreformiert. Dies steht nach Vorliegen des mehrseitigen Papiers jener Expertenkommission fest, die die Bischöfe einberufen haben. Einer der wesentlichen Punkte: Die Ombudsstellen dürfen – anders als das bisher teilweise Praxis war – nicht mehr von einem Priester geleitet werden.

Heute, Montag, in einer Woche treffen aus allen Richtungen die Bischöfe Österreichs in einem der großen Wallfahrtsorte Europas, in Mariazell, zu ihrer dreitägigen Sommertagung ein. Mit im Gepäck haben sie ein umfangreiches Maßnahmenbündel, mit dem der Kampf gegen sexuelle Gewalt, begangen durch Priester oder Laienmitarbeiter der katholischen Kirche, verstärkt werden soll. Geleitet wurde die Expertengruppe von Generalvikar Franz Schuster aus der Erzdiözese Wien. Deren Ombudsstelle steht Pate für das künftig in allen andern Diözesen allgemein gültige Modell.

Die wesentlichsten Punkte des intern als vertraulich gehandelten Papiers, das die Bischöfe derzeit studieren, um allenfalls noch letzte Korrekturen vornehmen zu können:


Leitung: Das Expertenpapier verlangt eine Einschränkung auf einige wenige Berufsgruppen. Nur noch Psychologen, Psychiater, Psychotherapeuten oder Pädagogen dürfen eine Ombudsstelle leiten. Der Chef darf darüber hinaus in keinem dienstrechtlichen Verhältnis zur katholischen Kirche stehen. Daher sind alle Priester und auch angestellten Laienmitarbeiter von dieser Funktion automatisch ausgeschlossen.

Anzeige: Eine öffentlich vielfach verlangte generelle Anzeigepflicht bei Verdacht von sexuellem Missbrauch wird es nicht geben. Ausnahme: Es besteht akute Wiederholungsgefahr. So soll den Opfern die Scheu genommen werden, sich an eine Ombudsstelle zu wenden. Denn Experten berichten, dass manche nicht bereit seien, ihren Fall vor der Polizei zu erzählen. Einigen gehe es auch weniger um Bestrafung der Täter durch die Justiz als vielmehr darum, einmal angehört, ernst genommen zu werden und eventuell von der katholischen Kirche eine Therapie bezahlt zu bekommen (die sich die Kosten von ihrem Dienstnehmer dann üblicherweise zurückholt). Dem Opfer soll aber eindringlich geraten werden, eine Anzeige zu erstatten.

Orden: Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ordensgemeinschaften hat sich bei den Beratungen unter den ungefähr zwölf Experten als einer der heikelsten Punkte erwiesen. Das Kirchenrecht gewährt den Orden weitgehende Autonomie. Dennoch haben sie sich zur Zusammenarbeit mit den weltkirchlichen Ombudsstellen verpflichtet.

Konsequenzen: Grundsätzlich soll künftig jeder Verdacht eines sexuellen Missbrauchs, verübt durch einen Mitarbeiter der katholischen Kirche (vom Priester über den Ordensmann, Pastoralassistenten bis zum unbezahlten Jugendgruppenführer), dem Bischof beziehungsweise der Ordenszentrale in Rom berichtet werden.

Bei akuter Gefahr oder begründetem Verdacht soll der Täter sofort vom Dienst freigestellt werden. Bei einer Verurteilung eines Priesters durch ein Gericht soll in jedem Fall nach Rom ein Antrag auf Zurückversetzung in den Laienstand gesendet werden. Orden wollen je nach Schwere des Vorwurfes handeln. Täter können beispielsweise dazu verpflichtet werden, nur noch hinter den Klostermauern tätig zu sein. Ein gänzlicher Ausschluss aus der Ordensgemeinschaft ist auch wegen deren Selbstverständnis nur in besonders gravierenden Fällen möglich.

Klasnic-Kommission: Die Zusammenarbeit mit den Ombudsstellen in den Bundesländern ist derzeit noch weitgehend offen. Als eine Möglichkeit wird überlegt, die Kommission, der die steirische Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vorsitzt, als eine Art zweite Instanz bei Zweifelsfällen einzusetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2010)

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15 Kommentare
Darabimo
14.06.2010 16:28
0 5

Dei Wahrheit ist zumutbar

Die vermutlich häufigste Form der Misshandlung ist die Vernachlässigung, also das Vorenthalten von materieller oder emotionaler Zuwendung, die für die Entwicklung oder das Leben des Kindes notwendig sind.
Die Opferzahlen elterlicher Gewalt sehen folgendermaßen aus:
Leichte Züchtigungen 29,7%, schwere Züchtigungen 17,1%, Misshandlungen 9,8% (Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein).
In Österreich liegen die Schätzungen beim sexuellen Missbrauch von Kindern bei 10.000 bis 25.000 Betroffene im Jahr.
Die Untersuchungskommission unter Frau Klasnic ermittelt in 193 Fällen von Kindesmissbrauchs innerhalb der Katholischen Kirche. Wenn man diese 193 Fäll den 10-25 tausend Betroffen österreichweit gegenüberstellt, wird klar, dass sich der Hass auf die Kirche unmöglich wegen der Missbrauchsfälle in der Kirche entzündet, sondern dieser Hass findet jetzt nur ein Ventil. Vielmehr entpuppt sich die Kirche als dankbares Opfer für jene, die versuchen, ihr eigenes Schlechtes Gewissen zu verbergen. Aber gerade in dieser Kirche ist die Vergebung der Sünden möglich und völlig gratis. Denn der Stifter dieser Kirche (Jesus) beauftragte die Gründer der Kirche (Apostel) den Menschen ihre Sünden zu vergeben, und sie mit Gott auszusöhnen.

Darabimo
14.06.2010 09:38
1 6

Wenn ich dieses Forum lese...

...wird mir klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Christen erschossen werden.

Antworten Gast: Notrufnummer
14.06.2010 18:25
3 0

Psychiatrische Soforthilfe (01) 313 30

Erreichbarkeit 0 bis 24 Uhr

4 2

kläger und richter und scharfrichter

das is die dämliche kirche. man sieht genau, wo das zeugs herkommt, nämlich ausm mittlelater.

weg mit religionen vom öffentlichen leben - der spass ist privatsache!

Antworten Darabimo
14.06.2010 09:33
1 4

Re: kläger und richter und scharfrichter

Dumme Polemik. Null Argumente. Kirchenhetze.

2 1

eine HETZTE mit folgendem Argument:

Die Ombudsstellen dürfen – anders als das bisher teilweise Praxis war – nicht mehr von einem Priester geleitet werden

deswegen auch: kläger und richter und scharfrichter

verstanden?

Gast: Andi Markowetz
13.06.2010 21:45
2 0

Missbrauch geht uns alle an.

Mir fehlt eine gesellschafte Diskussion über den Missbrauch. Dass die Kirche gegen Missbrauch ist, ist klar.

Aber sind alle in unserer Gesellschaft ausreichend gegen Missbrauch, gegen pädophilen Sextourismus?

Klingt nach sehr

vernünftigen Forderungen - nur leider werden diese Maßnahmen nur die 0,1% aller Missbrauchsfälle betreffen, die von kirchlichen Mitarbeitern begangen werden - die restlichen 99,9% werden weiter an der Ignoranz der österreichischen Gesellschaft leiden.

Antworten Gast: gast
13.06.2010 21:24
6 2

Re: Klingt nach sehr

nenn dich lieber scheinheiliger denn jeder missbrauch der angezeigt wird wird strafrechtlich verfolgt und nicht vertuscht wie in der kirche dass in der gesellschaft noch viel aufklärungsarbeit geleistet werden muss versteh sich von selbst aber in der kirche hat missbrauch system und missbraucher sind meist auch "gute christen"

Antworten Antworten Darabimo
14.06.2010 09:36
2 4

Re: Re: Klingt nach sehr

Wie kommst du darauf, dass Kindermissbrauch in der Kirche System hat, wenn sich die Zahl der pädophilen Priester in Promillebreich bewegen?

Gast: Kyniker
13.06.2010 20:34
7 3

@ „Die Ombudsstellen dürfen – anders als das bisher teilweise Praxis war – nicht mehr von einem Priester geleitet werden“






anders bei der Kommission, die die Interessen der Kirche vertreten soll – die wird geleitet von der Vorsitzenden des „Vereins Freunde des Priesterseminars Graz“…






Gast: Kyniker
13.06.2010 20:33
7 0

@ „Nur noch Psychologen, Psychiater, Psychotherapeuten oder Pädagogen dürfen eine Ombudsstelle leiten. Der Chef darf darüber hinaus in keinem dienstrechtlichen Verhältnis zur katholischen Kirche stehen.“






sollen hier denn jetzt auf einmal Fachleute arbeiten, die was von der Materie verstehen…






Gast: Kyniker
13.06.2010 20:33
7 2

@ „…ein umfangreiches Maßnahmenbündel, mit dem der Kampf gegen sexuelle Gewalt, begangen durch Priester oder Laienmitarbeiter der katholischen Kirche, verstärkt werden soll.“






jetzt wird aber mit der Symptombehandlung ernst gemacht – wenn die Ursachen schon zu heiß sind…






Gast: UKW
13.06.2010 19:50
2 2

Ich schlage eine Erhöhung der Kirchenbeiträge um 50 Prozent vor

Die Schafe zahlen sicher gerne für die Untaten ihrer Hirten. mäh, mäh, mäh.

Zur Finanzierung könnten die Hirten aber auch eine zeitlich befristete Absolutionssteuer von ihren Schäfchen einheben. Beichtet zum Beispiel ein Schaf eine Lüge, werden fünf Euro eingehoben. Bei größeren Vergehen natürlich mehr, bei kleineren weniger. Auf der Quittung steht dann: "Deine Sünden sind dir vergeben". Die Hirten selbst sind von dieser Steuer natürlich befreit.

Antworten Gast: Maxi Weber
13.06.2010 21:47
2 0

Re: Ich schlage eine Erhöhung der Kirchenbeiträge um 50 Prozent vor

Hi UKW,

du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an. Denn der Monarch Joseph II hat die sogenannte Kirchensteuer eingeführt und die Kirche zwangsenteignet,
um sie erst zu schwächen und letztlich zu kostenlosen Sozialarbeitern zu machen!

lg M-W