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Kirchen-Entschädigung: 25.000 Euro für schweren Missbrauch

25.06.2010 | 18:37 |  DIETMAR NEUWIRTH UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

Klasnic sieht einen „großen Schritt“ – Experte Kletečka übt Kritik. Die Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt lehnt die Entschädigungssätze ab und verlangt Entschädigungen in "angemessener Form".

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WIEN. „Das ist ein großer Schritt, den die Kirche gegangen ist. Wenn das mickrig ist...“ So kommentiert Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic am Freitag im Gespräch mit der „Presse“ die Entscheidung über die Höhe der Entschädigungszahlungen, die die katholische Kirche für Opfer sexueller Gewalt bezahlen will.

Wie es im Entschädigungsmodell heißt, sollen „für Fälle von über mehrere Jahre hinweg fortgesetztem Missbrauch mit Verletzungsfolgen und/oder fortdauernden seelischen Schmerzen“ 25.000 Euro ausbezahlt werden, 5000 Euro für leichte Fälle, 15.000 für mehrfache Übergriffe über einen längeren Zeitraum oder eine geringe Zahl schwerwiegender Übergriffe unter Gewalteinwirkung. Und das Modell sieht auch noch einen letzten Punkt vor, der betragsmäßig nach oben offen gelassen wurde: Entschädigungen „in besonders extremen Fällen“. Ursprünglich wollte die Kommission dafür 50.000 bis 60.000 Euro als maximale Höhe vorsehen. Jedenfalls kommt in allen Fällen die Bezahlung einer allfälligen Therapie hinzu. Diese kann die am Freitag festgesetzten Sätze für Zahlungen, die sich als eine Art Schmerzengeld verstehen, um ein Vielfaches übertreffen. Einer der Opferanwälte, Georg Zanger, wurde von der Kommission am Freitag zu Rate gezogen. Ein anderer, Werner Schostal, verschickt an Opfer Vollmachten. Darin wird festgehalten, dass 30 Prozent von allfälligen Entschädigungen für den Verein Betroffene kirchlicher Gewalt einbehalten werden. Ein Sprecher der Kanzlei begründet dies so: Das einbehaltene Geld solle Kosten für Hotline und rechtliche Unterstützung abdecken sowie in einen Fonds zur Bearbeitung neuer Fälle fließen.

Laut Angaben von Opferschutzanwältin Klasnic ist mittlerweile ohne Anwälte schon erstes Geld geflossen. An drei Personen wurden bereits Beträge unter dem Titel Soforthilfe ausbezahlt. Über die Höhe wollte sie keine Angaben machen. Klasnic: „Das ist eine freiwillige Leistung der katholischen Kirche. Jeder ist eingeladen, sich anwaltschaftlich zu erkundigen. Leider gibt es in vielen Fällen überhaupt keinen Anspruch auf Zahlungen.“

 

Nicht großzügig?

Davon, dass die Entschädigung der katholischen Kirche über den durchschnittlichen staatlichen Sätzen liegt, kann aus Sicht von Fachleuten keine Rede sein: „Großzügig würde ich das Angebot jedenfalls nicht nennen“, sagt Andreas Kletečka, Schadenersatzexperte an der Uni Salzburg auf Anfrage der „Presse“. So liegen jene 25.000 Euro Schmerzengeld, die die Kirche für jahrelangen „Missbrauch mit Verletzungsfolgen und/oder fortdauernden seelischen Schmerzen“ zahlen will und die de facto die Obergrenze darstellen, deutlich unter den 65.000 Euro, die 2003 als höchster Betrag für Missbrauch zugesprochen wurden. Wobei damals das Opfer (der Täter stammte aus dem Familienkreis) körperlich nicht verletzt wurde. Für mit Gewalt verbundenen Missbrauch wurde schon wesentlich mehr gezahlt, 125.000 Euro im Jahr 2005 – hier war das Opfer gefoltert worden. Zwar sehen die Richtlinien vor, dass man in „besonders extremen Einzelfällen“ höhere Entschädigungen leisten will. Aber, so Kletečka: „Vermutlich geht man im 10.000er-Schritt vor.“ Was bedeutet: Das Maximum liegt bei etwa 35.000 Euro – also bei etwas mehr als der Hälfte des höchsten Schmerzengeldes für Missbrauch. In der Praxis wird wichtig sein, wie die Begriffe des Entschädigungsmodells ausgelegt werden. Einiges wie „Missbrauch ohne überschießende Gewalt“ sei unscharf formuliert, so Kletečka.

Die Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt lehnt die Entschädigungssätze ab: „Die Kirche wird keinen Frieden finden, ehe sie nicht für Verbrechen in angemessener Form Entschädigung leistet.“
(c) APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2010)

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107 Kommentare
 
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Gast: nocheiner
24.09.2010 19:46
0 0

Entschädigung

Obwohl betroffen, denke ich nicht im Traum daran, mich an ein Konstrukt wie die Klasnic-Kommission zu wenden, auch angesichts - anderer - respektierlicher Personen, die sich leider für so etwas vereinnahmen lassen - davon abgesehen geht mir so ein Taschengeld sonstwo vorbei

was ich relevant finden würde, ist eine finanzielle Einbusse der Kirche, die einen Lerneffekt und nachhaltige Verhaltensänderung bewirken würde, das würde zumindest für die Zukunft helfen und auch bei jenen, die sich partout nicht von dem Verein verabschieden können

zB ansatzweise 10% des Vermögens - der halbe Wald von Stift Admont zum Beispiel, da würde schon echte Veränderung einsetzen und net nur Säuseln

dass das in dieser Rechtsordnung so nicht funktioniert, ist mir klar - daher bleibt nur Austritt als Alternative und Ignorieren der kirchlichen Angebote


Gast: mario
30.06.2010 07:21
0 0

aug um aug

> Klasnic: „Das ist eine freiwillige Leistung der katholischen Kirche.<
- es kann sich hier nur um einen scherz handeln!
seit wann erbringt die rkk eine "freiwillige leistung"

hier sind mit sicherheit andere gründe im spiel als freiwillige leistungen! - die "usa" sind diesbezüglich vorbild! - millionenforderungen sind der angemessene rahmen und nicht ein par "tausender"! - so oder so - die rkk hat ein mächtiges problem, dass nicht mehr vom "tisch gewischt werden KANN" lg.



Gast: gast22
27.06.2010 13:09
7 0

"25.000 Euro für schweren Missbrauch"

Schäbig, sehr schäbig.

Aber nicht überraschend.

Gast: Gast
27.06.2010 12:16
5 0

Belgiens Bischöfe verhört und festgehalten




Die wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelnde Polizei hatte sich die Kirchenfürsten neun Stunden lang vorgeknöpft. Der Vatikan ist empört.


http://kurier.at/nachrichten/2012125.php


Österreich ist anders. Kein Kommentar.




Antworten Gast: L´Osservatore Romano
27.06.2010 14:07
1 0

Re: Belgiens Bischöfe verhört und festgehalten

Ich danke meiner Schwesterzeitung, dass sie über so etwas nicht berichtet…

Antworten Gast: gast22
27.06.2010 13:14
2 0

Re: Belgiens Bischöfe verhört und festgehalten

Etwas derartiges wäre für Österreich ein (höchst wünschenswerter) Schritt in Richtung Zivilgesellschaft.

Derzeit aber leider noch völlig undenkbar.

Gast: ichwareinmalministrant
27.06.2010 02:42
5 0

hängen diese Zustände auch damit zusammen.....

......warum mir meine Grossmutter in den Kinderjahren beim Sonntagsessen erklärt hat, dass der Hendlar.ch Bischof heisst? Sie hat immer gesagt den Bischof brauchst nicht essen, den hebe ich mir für die Jause auf! Meine Grossmutter hat viele Bischöfe gegessen, sie wurde 96 Jahre alt, Gott hab sie seelig! Meine Grossmutter hatte immer ein Ohr für mich, diese gute Eigenschaft dürfte ich geerbt haben!

Gast: Gast
26.06.2010 22:47
6 0

zum Überlegen




Die Opfer müssen mit der Scham schon seit Jahrzehnten leben, die Kirche erst seit kurzem…




stefan87
26.06.2010 21:44
1 0

Rechenspiele im Vatikan

Man optimiere:
K(E) x B - E x O
Kirchenaustritte(Höhe der Entschädigung) x durchschnittlicher Kirchenbeitrag - Höhe der Entschädigung x Anzahl der Opfer

Ableiten nach der Höhe der Entschädigung.
Das Ganze Null setzen.

Wenn Sie richtig gerechnet haben, ist das Ergebnis 25.000.

Gast: stef12345
26.06.2010 21:38
1 0

Rechenspiele im Vatikan

Man optimiere:
K(E) x B - E x O
Kirchenaustritte(Höhe der Entschädigung) x durchschnittlicher Kirchenbeitrag - Höhe der Entschädigung x Anzahl der Opfer

Ableiten nach der Höhe der Entschädigung.
Das Ganze Null setzen.

Wenn Sie richtig gerechnet haben, ist das Ergebnis 25.000.

Gast: gastx
26.06.2010 21:36
4 0

Die Entschädigung ist mickrig

Allerdings muss man sagen, dass die meisten Opfer, wenn sie den Rechtsweg bestreiten, wegen Verjährung GAR NICHTS bekämen.

Trotzdem ist es sehr mutig, einem jahrelang Geschädigten nur 25.000 Euro (Jahresgehalt eines Angestellten in der unteren Kategorie) zu geben, zwiespältig, wenn man bedenkt, dass so ein Mensch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte seines Lebens gelitten hat.
Die Kirche tut sich mit dieser mickrigen Abfindung selbst nichts Gutes. In den USA bekommt so ein Geschädigter etwa das 40-fache. Die Kirche hätte Geld genug.
Mit Geld kann man natürlich die Leiden der Vergangenheit nicht abgelten. Die Höhe der Entschädigung ist aber ein Ausdruck dafür, wie leid einem das Geschehene tut und wie sehr man sich bemüht, diesen Schaden wieder gutzumachen.

Im NT steht: "Habsucht ist Götzendienst". Vielleicht sollte die Kirche auf diesen Dienst verzichten und mit armen Missbrauchsopfern mehr Mitleid haben.


2 10

Wer glaubt...

Wer glaubt, dass psychische Folgeschäden einer Vergewaltigung mit Geld zu heilen sind, kann nicht ganz dicht sein.

Antworten Gast: swenn
06.07.2010 13:09
0 0

Re: Wer glaubt...

Aber nur blöde Worte und Labberei macht noch weniger gut.

Geld ist wenistens eine Anerkennung des Schadens.

Antworten Gast: Gast
26.06.2010 22:44
6 1

Re: Wer glaubt...




Warum diese Polemik? Niemand behauptet, dass „psychische Folgeschäden einer Vergewaltigung mit Geld zu heilen sind“.

Hier geht es um die Verantwortung einer Organisation, in der es systematischen Missbrauch, Vertuschung, Verleugnung und – wenn nichts mehr geholfen hat – auch noch Verleumdung der Opfer gegeben hat.


P.S. nur so zum Nachdenken: bisher durften die Opfer ihre Therapien aus der eigenen Tasche bezahlen…




Antworten Gast: das nicht
26.06.2010 21:31
5 0

Re: Wer glaubt...

aber es hilft !

Antworten Gast: Watamu
26.06.2010 20:30
1 4

Re: Wer glaubt...

Mich würde interessieren, wie Menschen ausschauen die diesen Kommentar (von walktheline) negativ beurteilen, hoffentlich sind es Singleeeees(Pfarrer?)

Antworten Antworten mr.vain-
27.06.2010 00:00
0 0

Wenn es mit Geld nicht wieder gutzumachen ist.....

.....warum nehmen die Opfer dann das Geld?

Antworten Antworten Antworten Gast: oftistesgutwenneinandererbeinullbeginnt
27.06.2010 00:28
6 0

Re: Wenn es mit Geld nicht wieder gutzumachen ist..........warum nehmen die Opfer dann das Geld?

na ja, besser wie gar nichts!
Es gibt in Europa aber auch Länder, wo der "kirchengöttliche Missbrauch" die Justiz nicht kalt lässt, zum Beispiel in Belgien!
http://kurier.at/nachrichten/2012125.php

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
27.06.2010 12:19
4 0

@ Belgiens Bischöfe verhört und festgehalten




Österreich ist anders. Hierzulande werden die Bischöfe von der Frau Justizminister eingeladen, damit sie über die Opfer ihrer Kirche diskutieren können…




Gast: Göstle
26.06.2010 15:25
12 1

Wenn ich träume

stell ich mir vor wie alle Katholiken, Moslems, Juden, Buddhisten, etc in ein riesiges Raumschiff gesteckt werden und ab gehts auf die dunkle Seite des Mondes.
Ach was für friedliche (zumindest friedlichere) Kugel die Erde plötzlich wäre ohnen diese ganzen irrgeleiteten "Gläubigen".

*seufz*

Antworten jerome
26.06.2010 19:22
0 13

Welch Alpträume manche haben können...

Vor allem, welch naive Vorstellung, dass es ohne Religion eine friedliche Welt gäbe. Bekanntlich wurden die größten MassenVerbrechen von nichtreligiösen Organisationen verübt, die zudem die Kirche verfolgten.

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Re: Welch Alpträume manche haben können...

das grösste verbrechen der welt ist die kath. kirche: man integriere alle vorfälle von 0 bis 2010.

Antworten Antworten Antworten Gast: Ösi
27.06.2010 13:36
2 1

Re: Re: Welch Alpträume manche haben können...

Nur weil Sie als Kind nicht als Ministrant genommen wurden, hetzten Sie jetzt gegen die Kirche, oder wie?
Armselig am armseligsten!

Re: Re: Re: Welch Alpträume manche haben können...

@nicht als Ministrant genommen

Leider ist das nimmer so eindeutig, könnte auch Sarkasmus sein.

 
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