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Klasnic-Kommission: Schon 350 Missbrauchsopfer

10.08.2010 | 18:40 |  DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Neue Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft in Arbeit. Mehr als die Hälfte betreffen Vorfälle in Internaten und Schulen von Ordenseinrichtungen. Zwei Drittel der Meldungen stammen von Männern.

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WIEn.Transparenz hat Kardinal Christoph Schönborn versprochen– bei der Aufarbeitung der Fälle (sexueller) Gewalt in der katholischen Kirche. Und bisher halten sich alle an diese erzbischöfliche Vorgabe. Wie die „Presse“ erfährt, haben sich nach aktuellem Stand schon 350Opfer bei jener Kommission gemeldet, die von der steirischen Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic geleitet wird. Mitte Juli waren es „nur“ 300Fälle gewesen.

Mehr als die Hälfte betreffen Vorfälle in Internaten und Schulen von Ordenseinrichtungen. Zwei Drittel der Meldungen über Gewalt und/oder sexuelle Übergriffe stammen von Männern.

Gleichzeitig geht nach Informationen aus der Kommission die Zahl der Neumeldungen langsam zurück. Einen neuen Anstieg erwartet man jedoch bereits für den Herbst. Dann nämlich, wenn die Kommission die ersten Zusagen für Entschädigungszahlungen an Opfer machen will. Die zuletzt vereinbarten Sätze liegen zwischen 5000 und 25.000Euro, abgestuft nach der Schwere der Fälle.

Unabhängig von diesen Zahlungen werden auch jetzt schon von der Klasnic-Kommission und den Ombudsstellen der neun Diözesen Therapiekosten für Opfer übernommen. Die nächste Sitzung der Klasnic-Kommission ist für 7.September in Wien angesetzt. Bis dahin will die Vorsitzende weitere direkte Gespräche mit Betroffenen führen, sofern sie dies auch wünschen – und sehr viele äußern diesen Wunsch.

Die Kommission arbeitet derzeit auch weitere Anzeigen aus. Zu Beginn der Sommerferien wurde ein Mitglied der Schulbrüder in Wien-Strebersdorf angezeigt. Nun sollen weitere Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden. Betroffen sein sollen diesmal andere Institutionen, nicht also erneut die Schulbrüder, wie vereinzelt in Medien kolportiert worden ist.

 

Austrittszahlen unter Verschluss

Der Kommission gehören unter anderen Verfassungsgerichtshof-Vizepräsidentin Brigitte Bierlein, Kirchenkritiker Hubert Feichtlbauer, Ex-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz und Psychologenverbandschefin Ulla Konrad an.

Eine ähnliche Transparenz wie bei den Missbrauchsfällen lässt die katholische Kirche Österreich neuerdings aber dann vermissen, wenn es um mittelbare Konsequenzen geht.

Zahlen über die Entwicklung der Austritte werden derzeit unter Verschluss gehalten. Anders als bisher soll die Öffentlichkeit erst zu Beginn des nächsten Jahres darüber informiert werden. Dann aber auch gleichzeitig über die Entwicklung der Zahlen der Messbesucher, der Taufen, der Hochzeiten etc., wie es heißt.

Laut einem „Standard“-Rundruf in den Landeshauptstädten soll sich die Zahl der Austritte nun sogar mehr als verdoppelt haben. Angaben für Wien und andere Gemeinden fehlen zwar, es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass dort der Trend völlig anders läuft.

2010 wird so jedenfalls als neues Rekordjahr in die Kirchengeschichte eingehen. Zwar geht die Zahl der Austrittsmeldungen seit Juli wieder zurück, mittlerweile rechnen manche aber schon mit bis zu 100.000Katholiken, die der Kirche bis Jahresende den Rücken kehren werden. Im bisherigen Rekordjahr sind es 53.000 gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2010)

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10 Kommentare
james_007
13.08.2010 14:48
0 0

Hmm und ich dachte....

...der Islam und seine Befürwörter sind all evil!

Gast: Nicht Österreicher
13.08.2010 00:46
0 0

Neidsch auf Euch

Ich bin kein Oesterreicher - lebte aber laenger in Eurem lieben Staat.

Ich bin richtig neidisch auf Euch - bei Euch gibt es ja eigentlich nur in den kirchlichen Institutionen Missbrauchsfaelle - oder doch in der Hauptsache!

Bei uns und in vielen anderen Laendern ist es leider ganz anders. Da gibt es zwar auch Missbrauchsfaelle im kirchlichen Bereich - und das sind Verbrechen, die bestraft werden muessen.
Aber die meisten dieser schrecklichen Verbrechen geschehen bei uns ausserhalb der kirchlichen Einrichtungen .... .... .... - es ist leider sogar so, dass ausserhalb der kirchlichen Institutionen der Prozentsatz hoeher ist.


Gast: Parteiloser
11.08.2010 12:56
3 0

Wer schützt die Kinder?

Die Klasnic- Kommission schützt doch eher die Kirche, weil die alten Vorfälle sehr schleppend aufgearbeitet werden. Es wird ja so sortiert, dass möglichst wenig übrig bleibt und die Abwicklung so gestaltet, dass sich möglichst wenige Geschädigte melden.

Die Klasnic- Kommission hat aber noch immer nichts gemacht, um die Kinder vor Übergriffen zu schützen.

Die Kirche hat selbst auch kaum etwas gemacht um die Kinder wirkungsvoll zu schützen.

Die Justiz hat auch nichts gemacht, um die Kinder zu schützen.

Die Regierung hat auch nichts gemacht um die Kinder besser zu schützen. Es geht ja nicht nur um die kirchlichen Organisationen, es geht auch um viele andere öff. Organisationen!

Kinder sind auf jeden Fall viel schlechter geschützt als Banker oder andere korrumpierte Typen aus dem Dunstkreis der Parteien. Ich meine das sagt sehr viel über die Reife unserer Gesellschaft aus, besonders der Entscheidungsträger. Der Spruch "Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an" scheint sich doch zu bewahrheiten.

Die Frage "Wer schützt die Kinder?" bleibt von den Verantwortlichen weiter unbeantwortet.

Gast: Wie auch immer
11.08.2010 12:09
5 0

und trotzdem hat der Bischof Laun gesagt.....

.....GOTT STRAFT AUS LIEBE -
und meine Grossmutter hat früher immer gesagt den Hendlarsch nennt man Bischof, meine Grossmutter war schon immer der Zeit voraus!

Darabimo
11.08.2010 08:52
0 3

Komisch

Seit Juli gehen die Austrittszahlen wieder zurück. Das ist jene Zeit, wo nicht mehr jeden Tag im ORF gepredigt wurde, wie grausam und konservativ die Kirche doch ist. (Irgendwann ist es sogar dem ORF zu langweilig geworden).
Ich möchte eigentlich schon auch wissen, wie schwer diese 350 Missbrauchsfälle denn alle tatsächlich waren. Kein Wort davon.
Ist nicht so wichtig- allein die Zahl soll schocken.
Bekommen die Missbrauchsopfer eigentlich alle eine finanzielle Entschädigung? Ich bin in einer Klosterschule von einen Lehrer mit einen Stück Kreide beworfen worden. Kann ich auch entschädigt werden. Ich bin missbraucht worden... da fällt mir ein, dass war ja ein weltlicher Lehrer, der mich mit Kreide bewarf. Schade.

Gast: Differentiator
10.08.2010 23:19
0 0

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht das Selbe.

Vorbildliche Behandlung von Missbrauchsvorwürfen im August Aichhorn Haus: Dort wurden sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen. gerichtliche Verurteilungen gab es keine. Punkt.

Anders in der Katholischen Kirche, da gibt es zwar auch keine gerichtlichen Verurteilungen, aber das macht nichts. Hier gilt ein anderes Recht.

Aber vielleicht sitzen deshalb auch ehemalige Aufsichtorgane des Aichhorn-Hauses jetzt in der Klassnic-Kommission.

Gast: Kyniker
10.08.2010 22:44
6 1

@ „mittlerweile rechnen manche aber schon mit bis zu 100.000“ [Austritten]






ob das nicht ein bisserl optimistisch ist…






Gast: Kyniker
10.08.2010 22:43
5 1

@ Transparenz: „Austrittszahlen unter Verschluss“






Glasnost auf römisch-katholisch…






Antworten k19
12.08.2010 10:23
0 0

Glasnost auf römisch-katholisch

...nicht Glasnost, das ist Normalbetrieb

Gast: Kyniker
10.08.2010 22:43
4 1

@ „Zwar geht die Zahl der Austrittsmeldungen seit Juli wieder zurück“






ob der verbale Unflat Weihbischof Launs: „Gott straft aus Liebe“ im Bezug auf die 21 Todesopfer der Love-Parade wohl Auswirkungen zeigen…